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- 21.3.2012: Oh Tannenbaum! Wir finanzieren alles!
- 17.3.2012: Schlechte Zeiten für Formularbetrüger - OLG Düsseldorf watscht Gewerbeauskunft-Zentrale ab
- 23.1.2012: Von den merkwürdigen Vorstellungen mancher Unternehmer zur Nachfolgeregelung
- 16.11.2011: Heiße Luft im Social Web
- 29.10.2011: Wir fahren mit der Eisenbahn - oder auch nicht
- 13.8.2011: Über die Irrungen und Wirrungen von Gründern auf der Suche nach Beteiligungskapital
- 2.7.2011: Basel III und die Folgen für mittelständische Unternehmen
- 23.6.2011: Fallstudie - Marketing für Nicole Simon Cosmetics
- 6.5.2011: Wie der Mittelstand beim Marketing im Internet viel Geld verbrennt
- 4.5.2011: Return on Investment - einfach erklärt
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Oh Tannenbaum! Wir finanzieren alles!
21.3.2012 von Jörg Haupt.
Über allerlei merkwürdige Angebote aus dem Bereich Unternehmensbeteiligungen haben wir hier ja bereits des öfteren berichtet. Sowohl hinsichtlich angeblicher oder auch nicht ganz so gut durchdachter Beteiligungsangebote als auch hinsichtlich merkwürdiger angeblicher Investoren haben wir schon einiges über unseren Schreibtisch wandern sehen.
Neulich war es dann wieder einmal soweit. Denn plötzlich hatten wir einen freundlichen Herren am Telefon, bei dem wir annehmen, dass es sich um jemanden aus dem Dunstkreis der Rip-Dealer handeln könnte. Wie wir darauf kommen? Ganz einfach: Es waren einfach alle Merkmale erfüllt die man benötigt, um eine gehörige Portion Misstrauen zu erwecken.
Geht es um das Thema Unternehmensbeteiligungen, dann verlassen wir uns auf unsere persönlichen Kontakte. Neulich jedoch rief uns jemand an der behauptete, über unsere Webseite gestolpert zu sein. Dort hätte er gesehen, dass wir auch Unternehmen bei der Suche nach Beteiligungskapital unterstützen.
Nun ist das natürlich soweit ganz richtig und natürlich kann es auch sein, dass sich ein potentieller Investor bei einer Unternehmensberatung vorstellt. Doch wundert es irgendwie schon, dass unser freundlicher Herr uns sagte, er rufe aus Israel an. Komisch nur: Die uns im Display angezeigte Telefonnummer begann mit 0039. Und das ist nun einmal nicht die Vorwahl von Israel, sondern die Vorwahl von Italien.
Der freundliche Herr nannte sich Moses Hess. Googelt man diesen Namen so stellt man schnell fest, dass Moses Hess ein deutsch-jüdischer Philosoph und Schriftsteller war. Und was machen bekannte deutsch-jüdische Schriftsteller selbst dann, wenn sie 1875 verstorben sind? Richtig: Sie sorgen für jede Menge Suchergebnisse bei Google. Und das ist von unserem freundlichen Herren sicherlich auch so gewollt, denn bei bescheidenen 3.980.000 Suchergebnissen ist der nette Anrufer garantiert nicht in Suchmaschinen zu finden.
Gut, dann versuchen wir also mittels der uns genannten Webseite herauszufinden, was dahinter stecken könnte. Das angeblich dahinter steckende Unternehmen soll “Tannenbaum Investment” heißen. Das Problem auch hier: Zwar findet man sofort deren Webseite in den einschlägigen Suchmaschinen. Hintergrundinformationen sucht man jedoch vergeblich. Dafür finanziert dieses sagenhafte Unternehmen ohne Ansprechpartner aber so ziemlich alles:
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Sie können sicher sein, dass Sie in guten Händen sind. Verlassen Sie sich darauf.
Wir finden den passenden Kredit, maßgeschneidert für Sie, egal wie sich Ihre derzeitige Situation abzeichnet.”
So steht es jedenfalls auf deren Webseite. Nicht schlecht, oder? Das glaubt man natürlich sofort und das mutet auch total seriös an, oder?
Klasse sind auch die Referenzen, die wir Ihnen hier als Screenshot einmal vorstellen möchten:

Na, das sind doch mal richtig fundierte Referenzen, oder? Auch ein Investitionsfokus dieser ominösen Gesellschaft ist richtig klar erkennbar: Die finanzieren einfach alles! Toll, oder? Auch das glaubt man natürlich sofort.
Immerhin wird ja in den Referenzen ein Projekt etwas genauer geographisch eingegrenzt. Nein, wir meinen nicht das Großprojekt in Nordamerika und auch nicht das Prestigeobjekt einer Hotelanlage an der Costa Blanca in Spanien. Googelt man die Solaranlage im spanischen Beneixama, so findet man schnell heraus, dass es sich um ein Projekt der mittlerweile insolventen City Solar AG handelt, deren Gründer und Geschäftsführer Stefan Kammler im April 2010 vom Landgericht Koblenz zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Veruntreuung verurteilt wurde. Na, das nennen wir doch mal eine Top-Referenz, oder?
Bei so vielen Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten fiel es dann schon fast gar nicht mehr auf, dass Herr Moses Hess keine richtige Unternehmens-E-Mail-Adresse besaß. Denn diese lauten ja in der Regel auf die Domain des dahinter stehenden Unternehmens. Herr Moses Hess dagegen besitzt eine E-Mail-Adresse des kostenlosen Yahoo-E-Mail-Dienstes ymail.com. Ja, genau so erwartet man es doch bei einem seriösen Investor, oder?
Also wirklich, liebe Rip-Dealer! Auf solch einen Blödsinn fällt doch nun wirklich niemand rein. Erst recht nicht, wenn man wie wir über entsprechende Branchenkenntnisse verfügt. In diesem Sinne noch ein fröhliches weiteres Rip-Dealen.
Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook
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Schlechte Zeiten für Formularbetrüger - OLG Düsseldorf watscht Gewerbeauskunft-Zentrale ab
17.3.2012 von Jörg Haupt.
Ja, dumm gelaufen für unsere Freunde von der Gewerbeauskunft-Zentrale und der dahinter stehenden GWE Wirtschaftsinformations-GmbH. Denn das Oberlandesgericht Düsseldorf hat am 14. Februar 2012 (Az. I-20 U 100/11) ein erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Düsseldorf (38 O 148/10) bestätigt. Damit ist klar: Die Formulare sind wettbewerbswidrig.
Worum es geht? Ganz einfach: Wie schon mehrfach berichtet, werden offiziell aussehende Erfassungeformulare verschickt. Auf denen sind einige Unternehmensdaten eingetragen. Andere fehlen und man wird mit dem Hinweis “muß durch Sie ergänzt werden” (unser Tipp an die Formularbetrüger: Seit der Rechtschreibreform schreibt man “muss”) gebeten, diese zu ergänzen. Dabei übersieht man gern den im (sehr) Kleingedruckten verstckten Hinweis, dass man mit der Rücksendung des Forumlars einen Auftrag erteilt.
Ja, und dann hat man eben für teures Geld sein Unternehmen, seine Domain oder seine Marke in ein nutzloses Verzeichnis eintragen lassen. Im Falle der Gewerbeauskunft-Zentrale handelt es sich um ein nutzloses Unternehmensverzeichnis, aber wer unser jhmc Magazin oder auch unser jhmc Blog regelmäßig verfolgt weiß ja, dass es diese Variante auch als Markenverzeichnis oder als Domain- bzw- Webverzeichnis gibt. Und so werden sich neben der hier schon mehrfach zitierten Gewerbeauskunft-Zentrale auch die folgenden, hier im jhmc Magazin bereits zitierten Formularbetrüger richtig über das Urteil des OLG Düsseldorf gefreut haben:
Die Flitzpiepen von Mein Branchenbuch ebenso wie die Deutsche Markenverlängerungs GmbH oder die Nationales Markenregister AG sind von dem Urteil sicher total begeistert. Auch die Leute vom gelben Branchenbuch dürften sich ebenso gefreut haben wie das Ausstellerverzeichnis Expo Guide, das Verzeichnis für eingetragene Warenzeichen, die Deutsche Internet Kartei und vermutlich dutzende andere ähnlich gestrickte Anbieter solchen Nepps.
Völlig unbeeindruckt von dem Urteil (weil vermutlich ebenso wie das Ausstellerverzeichnis Expo Guide im Ausland sitzend) zeigte sich übrigens der folgende Spammer, der uns ein ähnlich gestricktes Formular heute per E-Mail zukommen ließ. Die “Branchenbuch Seiten Deutschland” schickten uns eine E-Mail mit folgendem Blödsinn:
“c/o Geschäftsführung
Sehr geehrte Damen und Herren,
da Sie auf dem Postweg nicht zu erreichen waren, senden wir ihnen unseren diesjährigen Eintragungsantrag per Mail zu.
Gemäß EU Dateninformationsrecht (u. a. Direktive 2002/58/EG) teilen wir Ihnen mit, welche Daten in der Datenbank von den Branchenbuch Seiten öffentlich zu Ihrer juristischen Person einsehbar sind.
Firma: Jörg Haupt
Branche: Unternehmensberater
Straße: Fütingsweg 60
PLZ/Ort: 47805
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Telefon:
Telefax:
E-Mail: [hier stand mal unsere E-Mail-Adresse, aber wir bekommen ja schon genug Spam]
Internet-Adresse:
Es wird darum gebeten, diese Daten und ebenso die Datei im Anhang zu prüfen. Sofern Interesse besteht, kann der Anhang per Fax zurückgesendet werden.
Hochachtungsvoll
Branchenbuch Seiten Deutschland
Möchten Sie keine E-Mails mehr von uns erhalten? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Verwendungszweck “unsubscribe” an info@branchenbuchseiten.com”
Na ja, die Datei im Anhang haben wir natürlich nicht geöffnet. Denn wer schon Spam verschickt, könnte ja auch noch ganz andere Überraschungen im Anhang versteckt haben. Der wirksamste Virenschutz ist schließlich die graue Masse im eigenen Kopf.
Zum gerechten Ausgleich haben wir aber die E-Mail-Adresse der Spammer im Zitat der Spam-Mail nicht unkenntlich gemacht. Denn wer schon solchen Spam in der Absicht verschickt, andere über den Tisch zu ziehen, der freut sich sicherlich auf eine wahre Flut von E-Mails, die ihm in Zukunft jede Menge Schlankheits- oder Potenzmittel sowie gefälschte Uhren oder billige Software offerieren. Und wer weiß, vielleicht erhalten die “Branchenbuch Seiten Deutschland” ja irgendwann sogar Post von anderen Formularbetrügern.
So sehr uns das Urteil des OLG Düsseldorf auch freut: Es bedeutet nicht, dass geprellte Unternehmer damit automatisch aus Verträgen entlassen werden, die sie mit solch unseriösen Anbietern geschlossen haben. So rät beispielsweise die IHK Südlicher Oberrhein auf Ihrer Webseite: “Bitte beachten Sie, dass bereits unterschriebene Vertragserklärungen auch bei Wettbewerbswidrigkeit (und damit indizierter arglistiger Täuschung) der Formulare stets durch Anfechtung beseitigt werden müssen!”
Auch wir können in dem Zusammenhang nur raten, sich ggf. mit Ihrem Rechtsanwalt bezüglich des geeigneten Vorgehens zu beraten.
Was wir in diesem Zusammenhang allerdings niemals verstehen werden: Ganz gleich, ob sie auf solchen Formularbetrug hereinfallen oder aber für andere ineffektive Maßnahmen viel Geld bezahlen - gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen könnte das Marketing bei gleichen oder auch geringeren Kosten wesentlich effektiver gestaltet werden. Aber wir müssen ja nun wirklich nicht alles verstehen.
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Von den merkwürdigen Vorstellungen mancher Unternehmer zur Nachfolgeregelung
23.1.2012 von Jörg Haupt.
Ein Unternehmer, der sein Lebenswerk verkaufen möchte, der will auch einen möglichst attraktiven Preis erzielen. Das sollte man zumindest meinen. Doch weit gefehlt: Viele Unternehmer machen sich über ihre Nachfolge entweder gar keine Gedanken oder beginnen viel zu spät mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Und manche haben gar völlig merkwürdige Vorstellungen davon, wie denn ein Nachfolger gefunden werden kann.
Ja, bei manchen Unternehmern hat man gar den Verdacht sie glauben, dass ein Nachfolger wie Manna vom Himmel fällt. Warum? Ganz einfach. Dazu sei erst einmal unser Vorgehen im Rahmen eines Nachfolgeprojektes erläutert:
Zunächst wird für das zum Verkauf stehende Unternehmen ein Weißbuch erstellt. Dieses Weißbuch entspricht in seinem Aufbau einem klassischen Businessplan. Hier wird auch ersichtlich, wo die Schnittstelle zwischen der Nachfolgeregelung und unseren Beratungsschwerpunkten Strategie, Marketing und Organisation liegt: Denn die Erstellung des Weißbuchs berücksichtig alle jene Erfolgsfaktoren.
Auch eine Markt- und Wettbewerbsanalyse gehört selbstverständlich dazu. Und natürlich stellen wir auch den “Zahlenteil” des Unternehmens abgeleitet aus den Ist-Daten dar und erstellen auch eine Muster-Planungsrechnung. Denn ein potentieller Erwerber will ja schließlich wissen, auf was er sich einlässt.
Dabei arbeiten wir mit Grafiken und Fotos und stellen das Unternehmen mit allen Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken anschaulich in einem umfangreichen Exposé vor. Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft einen Ausschnitt kürzlich erstellter Weißbücher und Businesspläne.

Nun werden Sie, liebe Leser, vielleicht sagen: Klar, das sollte einem an seiner Nachfolge interessierten Unternehmer doch bekannt sein. Doch weit gefehlt. Manche meinen nämlich, dass das alles viel zu viel Aufwand wäre. Auch scheuen manche Unternehmer offenbar die mit einem derartigen Beratungsprojekt verbundenen Kosten. Viele sind der Meinung, wir könnten uns ja bei ihnen wieder melden, wenn wir zufällig einen geeigneten Käufer finden würden: “Melden Sie sich doch einfach, wenn Sie mal jemanden haben!”
Hier beißt sich die Katze natürlich in den Schwanz. Denn wie kommen wir dazu, “jemanden zu haben”? Ganz einfach: Indem wir ein Weißbuch und eine Kurzbeschreibung erstellen. Diese stellen wir dann zum einen in diverse Unternehmensbörsen sowie unseren eigenen Unternehmensmarktplatz ein. Darüber hinaus verfügen wir über ein gutes Netzwerk, über das wir Angebote und Gesuche für Unternehmenstransaktionen adressieren. Nur zufällig “jemanden haben” hat man dabei natürlich nicht.
Stellen wir uns doch einfach einmal eine Situation ohne ein Weißbuch und entsprechend aufbereitete Unterlagen vor. Stellen wir uns weiter vor, dass wir tatsächlich “jemanden haben”. Dann würde dieser potentielle Nachfolger doch sicherlich einige Fragen an uns haben:
“Welchen Umsatz macht das Unternehmen?” - Unsere Antwort müsste lauten: “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.” - “Welchen Gewinn macht das Unternehmen?” - “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.” - “Wie viele Mitarbeiter gibt es?” - “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.” - “Bestehen Pensionsverpflichtungen?” - “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.” - “Welche Ausstattung hat der Maschinenpark?” - “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.” - “Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?” - “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen.”
Ja, und das könnte man so beliebig fortsetzen. Ein Kaufinteressent würde ob der vielen “Keine Ahnung, ich werde mal nachfragen” sicherlich rasch abspringen. Und vielleicht würde er uns auch empfehlen, vor der Veröffentlichung eines Angebots zu einer Unternehmenstransaktion erst einmal unsere Hausaufgaben zu machen - oder am besten gleich nochmal die Uni zu besuchen.
Und dennoch gibt es tatsächlich Unternehmer die glauben, dass man eine Unternehmenstransaktion gleichsam “nebenbei” erledigen könnte. In einem Gespräch mit einem Unternehmer beantwortete dieser die beispielhafte Frage nach dem Maschinenpark wie folgt: “Das steht alles auf der Webseite!” Ne, ist klar. So findet man garantiert einen Nachfolger.
Doch auch umgekehrt trifft man immer wieder auf merkwürdige Zeitgenossen. So wie neulich: Da meldete sich ein angeblicher Kaufinteressent für eines unserer derzeit betreuten Verkaufsmandate. Dieser angebliche Kaufinteressent hielt es bislang nicht für nötig, auf der von uns vorbereiteten Verschwiegenheitserklärung seinen Vornamen oder auch seine Adresse einzutragen.
Dafür hatte er jedoch einen umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet. Höhepunkt war die Frage, ob das Ziel der Übergabe ein möglichst hoher Erlös oder die Betriebserhaltung sei. Einige der Fragen ließen auch die fachliche Eignung des “Kaufinteressenten” fraglich erscheinen.
Dann hatte er noch viele Fragen zu den Umsätzen und Erträgen, den Kosten des Unternehmens oder auch zum Anlagevermögen. Klar, diese Fragen sind berechtigt. Eigentlich sollten diese Angaben aber doch aus den Jahresabschlüssen des Unternehmens hervorgehen. Eine Übergabe der Jahresabschlüsse bei einem persönlichen Termin lehnte er aber kontinuierlich ab. Dafür monierte er, dass seine Fragen nicht beantwortet würden. Auch sehr merkwürdig, oder?
Ja, und so können wir noch stundenlang Anekdoten rund um Nachfolgeregelungen erzählen. Wir lernten schon jemanden kennen, der ein Unternehmen kaufen wollte und bei dem sich während der Due Diligence herausstellte, dass er beim Finanzamt Freiburg “nur” eine halbe Million € Steuerschulden hatte - zuzüglich einer Viertelmillion € aus privatrechtlichen Verbindlichkeiten.
Ein anderer Spaßvogel stellte sich vor, dass unser Mandant an seinem Unternehmen in Höhe des eingebrachten Eigenkapitals beteiligt bleiben sollte. Er würde dann nur noch die Kreditlinien übernehmen. Auch das ist natürlich eine höchst ulkige Variante einer Unternehmensnachfolge.
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Heiße Luft im Social Web
16.11.2011 von Jörg Haupt.
In den Jahren, in denen es die Jörg Haupt Management Consulting gibt, habe ich manch merkwürdigen Termin erlebt. Vor allem, wenn es um das Thema Beteiligungskapital geht, entpuppten sich zunächst ganz interessant scheinende Geschäftsideen bei genauerer Analyse oftmals als Luftnummern. Doch das, was man uns kürzlich vorstellte, stellt alle bislang dagewesenen Merkwürdigkeiten glatt in den Schatten. Der folgende Bericht zeigt, wie man eine gute Geschäftsidee für den Beteiligungskapitalmarkt vollständig ruinieren kann.
Über einen Kollegen aus meinem Netzwerk erhielt ich Kenntnis über ein Projekt, das man den Themenkomplexen Social Media und Entertainment zuordnen kann. Der Kollege hatte das Projekt wiederum von einem Bekannten vorgestellt bekommen.
Wir erhielten eine Summary mit einer Projektbeschreibung, die das Projekt in einem sehr interessanten Licht erscheinen ließ. Würde das Projekt umgesetzt, so träfe man den Zeitgeist und würde sich zudem eine sehr interessante Wertschöpfungskette erschließen können. Auch die Summary machte einen ordentlichen Eindruck. Wir vereinbarten also einen Termin mit dem Management-Team.
Der Zufall wollte es, dass kurz vor dem Termin der Venture Capital Stammtisch in Düsseldorf stattfand. Also habe ich einfach einmal bei einem mir gut bekannten Beteiligungsmanager angefragt, wie seine Venture Capital Gesellschaft grundsätzlich das Geschäftsmodell des Projektes einschätzen würde. Das Feedback war, dass ich das Projekt auf jeden Fall vorstellen sollte, wenn ich den Auftrag bekäme.
Im Vorfeld des Termins mit den Projekt-Initiatoren gab es allerdings bereits eine erste Irritation. Wir, also der Kollege Leike und ich, sollten nämlich eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nun ist das natürlich grundsätzlich kein Problem. Die Vertraulichkeitserklärung der Projekt-Initiatoren enthielt jedoch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Schlappe 5 Mio. € pro Fall sollte man zahlen, wenn man denn gegen die Verschwiegenheitserklärung verstoßen würde.
Nun ist es allerdings so, dass die Vermittlung von Beteiligungskapital nur dann funktioniert, wenn man in seinem Netzwerk auch mal mit dem ein oder anderen Kollegen oder auch Beteiligungsmanager sprechen darf. Außerdem bekommen sowohl wir Berater als auch die Venture Capital Gesellschaften derart viele Businesspläne und Geschäftsmodelle auf den Tisch, dass eine mit einer Vertragsstrafe von 5 Mio. € bewehrte Verschwiegenheitserklärung quasi einem Berufsverbot gleichkommt.
Aber gut, es kam dann ohne Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung zu einem Termin in Düsseldorf. Wir besprachen uns ungefähr eine Stunde mit den Gründern und gingen dann auseinander mit der Vereinbarung, ein Angebot bezüglich der Akquise von Beteiligungskapital vorzulegen. Ich persönlich habe den Termin auch als durchaus angenehm empfunden. Einige Tage später gab ich dann ein Angebot ab.
Doch was war das? Über meinen Kollegen Leike erfuhr ich, dass sich die Projekt-Initiatoren bei Herrn Leikes Bekannten über uns beschwert hätten. In einer mir vorliegenden E-Mail wurde Herrn Leike und mir vorgeworfen, dass wir nicht seriös seien.
Nun ist es natürlich eine Sache, mit vorgeschlagenen Konditionen nicht einverstanden zu sein. Eine ganz andere Sache ist es, sich gegenüber Dritten in geradezu ehrverletzender Weise über jemanden zu äußern. So war in der E-Mail zu lesen, ich wäre bei dem Treffen bezüglich des Geschäftsmodells “fast euphorisch” gewesen. Weiter hieß es, man würde annehmen, dass ich den Projekt-Initiatoren meine “Überzeugung” nur vorgespielt hätte, um an ein monatliches Salär zu kommen.
Na ja, interessant. Offenbar können sich unsere lieben Projekt-Initiatoren also nicht benehmen. Weiter hieß es dann, dass die Referenzen auf unserer Webseite einen Außenstehenden nicht überzeugen würden, da ja keine Firmennamen oder Empfehlungsschreiben angegeben würden. Hier wird es nun erstmals richtig interessant. Denn selbstverständlich sind auf meiner Webseite Referenzen auch namentlich angegeben. Weiter hatte ich angeboten, dass man sich mit der Realpulse GmbH kurzschließen könne, da sich dieses Unternehmen in einem vergleichbaren Marktumfeld bewegen würde. Konkret hatten wir ca. 10 Minuten über das Projekt Realpulse gesprochen.
Wenn nun aber einer der beiden bei dem Termin anwesenden Projekt-Initiatoren einem Elefanten im Porzellanladen gleich behauptet, wir würden nicht einmal Referenzen nennen, so fragt man sich doch, warum er das macht. Eigentlich gibt es nur zwei Erklärungen:
- Er kann weder zuhören noch sinnverstehend lesen. Dann ist er offensichtlich intellektuell nicht in der Lage, ein solches Projekt in die Wege zu leiten.
- Er hat bewusst gelogen. Dann ist er unseriös und dann kommt eine Akquise von Beteiligungskapital durch die Jörg Haupt Management Consulting natürlich ebenfalls nicht in Frage.
Ergo hakte ich das Projekt in Kenntnis der E-Mail ab.
Doch dann passierte etwas Unerwartetes. Der mir gut bekannte Beteiligungsmanager rief mich an und fragte mich, was denn aus dem Projekt geworden wäre, das ich ihm auf dem Venture Capital Stammtisch vorgestellt hätte. Diplomatisch sagte ich, dass wir keinen Auftrag hätten.
Mittlerweile war seit dem Venture Capital Stammtisch ein Monat vergangen. Da der Venture Capital Stammtisch monatlich stattfindet, unterhielt ich mich also bei entsprechender Gelegenheit erneut mit dem mir bekannten Beteiligungsmanager über das Projekt. Ich legte dar, dass sich die beiden Projekt-Initiatoren wie die offene Hose benommen hätten und wir deshalb von einer weiteren Bearbeitung des Projektes absehen wollten. Gleichzeitig waren wir uns mit dem Beteiligungsmanager aber einig, dass die Geschäftsidee hochinteressant wäre. Also kamen wir zwischen Tür und Angel überein, dass wir den Gründern einmal richtig auf den Zahn fühlen wollten. Der Kollege Leike und ich erklärten uns bereit, auf eigenes Risiko einen weiteren Termin wahrzunehmen. Ziel sollte es sein herauszufinden, ob tatsächlich eine ernst gemeinte Geschäftsidee hinter dem Management-Team steht.
Wir gingen so vor, dass nun der Kollege Leike nicht den - nennen wir ihn mal den Elefanten im Porzellanladen - kontaktieren sollte. Vielmehr rief Herr Leike den zweiten der beiden Gründer an, einen Steuerberater aus Bremerhaven. Von diesem erfuhren wir dann, dass das Management-Team noch weitere Mitglieder hat. Das geplante Internet-Portal könne man sich samt der restlichen Technik in der Nähe von Frankfurt ansehen.
Also fuhren wir am 14.11.2011 nach Bad Nauheim, um das gesamte Management-Team und auch die gesamte Technik kennenzulernen. Und dieser Termin war dann ganz großes Kino und richtig gute Comedy.
Als wir in Bad Nauheim eintrafen, war zunächst nur eine Person anwesend. Nach und nach trudelte das restliche Team ein. Das Ambiente war nett - man residierte in einer ansehnlichen Villa, wo die uns empfangende Person einen Büroraum mit einem eigenen Unternehmen belegte. Uns wurde gesagt, dass alle Mitglieder des Management-Teams eigene Unternehmen besäßen.
Insgesamt waren dann fünf Personen anwesend, von denen nur eine Person höflich genug war, uns auch eine Visitenkarte vorzulegen. Gut, zugegeben: Die Visitenkarten der beiden Gründer, die ich beim ersten Termin kennengelernt hatte, hatte ich zwischenzeitlich bereits weggeschmissen.
Als letzter der fünf Gründer kam ein Herr in den Raum, der sich als Amerikaner ausgab und der seiner Rolle entsprechend viele Anglizismen benutzte. Der Bekannte des Kollegen Leike, der uns das Projekt seinerzeit vorgestellt hatte behauptete kürzlich, der Amerikaner würde sechs Sprachen sprechen. Nun ja, den vielen Anglizismen nach zu urteilen spricht er die Sprachen alle gleichzeitig. Aber kein Thema, das kann ich auch. Auch ich spreche fließend Esperanto. Es kommt nur auf die richtige Mischung von Füchschen Alt und Killepitsch an.
Der Amerikaner ist übrigens so wichtig, dass er auf seiner Webseite nicht einmal Kontaktdaten hat. Dafür ist er auf einem Foto als sein eigenes Nackt-Model zu sehen. Außerdem braucht er vermutlich keine Adresse, da er ja laut eigener Aussage zwischen Zürich, Frankfurt, Lugano und New York ständig hin und her pendelt.
Nun scheint unser Amerikaner zwar keinen festen Wohnsitz, dafür aber einen tollen Anzug zu besitzen - den man übrigens ebenfalls auf einem der Mode-Fotos der ominösen Webseite bewundern kann. In seiner mit Anglizismen versetzten Selbstbeweihräucherung strotzte er nur so mit großen Namen. Elton John und Chris de Burgh, die er natürlich alle persönlich kennt, waren ebenso wie Rothschild total von dem Projekt begeistert. Auch Warner-Chappell wurde das Projekt natürlich bereits auf höchster Ebene vorgestellt und natürlich war man dort Feuer und Flamme und wartete nur darauf, dass unsere fleißigen Gründer doch bitte endlich loslegen würden.
Auch unser Amerikaner war nach eigener Darstellung trotz des offenbar fehlenden festen Wohnsitzes unermesslich reich, was natürlich sofort erklärt, weshalb unsere Initiatoren noch Beteiligungskapital suchen. Und die im Zusammenhang mit dem Projekt zu gründende Gesellschaft wird natürlich offshore gegründet, da Deutschland ja eh viel zu kleinkariert ist. Unter anderem wurde “BVI” (von unserem Amerikaner natürlich “BiehWiehEi” ausgesprochen) - die British Virgin Islands - als ersehnter Standort des zukünftigen Welt-Unternehmens auserkoren.
Ne, ist klar: Eine deutsche Venture Capital Gesellschaft wird sicherlich in ein Unternehmen investieren, das seinen Sitz an einem windigen und für seine Briefkastenfirmen bekannten Betrügerparadies hat. Keine Frage, diese Gründer haben doch irgendwas geraucht.
Zwischenzeitlich war dann ein weiteres Mitglied des Management-Teams dazu gekommen. Oder auch nicht, denn so genau weiß man das bei diesem “Projekt” nicht. Vorgestellt hat er sich nicht und eine Visitenkarte hatte er auch nicht. Dafür klaute er die Print-Version der Summary aus meinen Unterlagen. Gott sei Dank: Meine Brieftasche war nach dem Termin zum Glück noch da. Selbstverständlich ist das nicht, denn der wohnsitzlose Amerikaner klaute derweil die Printversion des Businessplans aus den Unterlagen des Kollegen Leike.
Auch wurde sich nicht so genau geäußert, ob dieser neu erschienene werte Herr nun Anteile an dem Unternehmen hat oder nicht. Andererseits enthielt die weiter oben zitierte E-Mail die Aussage, dass man am “vergangenen Wochenende” einen Investor gefunden hätte, so dass das Projekt bis Februar 2012 fertig programmiert werden könne. Dazu passt natürlich die im Termin in Bad Nauheim getroffene Aussage nicht, dass man einen Investor suchen würde, um das Projekt fertig zu programmieren. Auch fragt man sich, weshalb man denn einen Investor sucht, wenn der Amerikaner ohne festen Wohnsitz denn so reich sein möchte. Fraglich ist ebenso, weshalb Elton John oder Rothschild denn nicht die paar Euro aufbringen, wenn das Projekt doch so überzeugend ist.
Im Übrigen hatte der Steuerberater aus Bremerhaven gegenüber dem Kollegen Leike bereits erwähnt, dass eben kein Investor gefunden worden wäre. Hier stellt sich doch die Frage, ob der Steuerberater eigentlich seine Lizenz nicht mehr braucht, dass er sich mit solch einem windigen Mist abgibt. Na ja, vielleicht hat er ja Spielschulden? Wer weiß das schon? Oder er ist völlig inkompetent, denn er hat sehr fleißig mitgeschrieben als der Kollege Leike erklärte, was alles in eine Planungsrechnung gehört.
Die versprochene Technik haben wir übrigens ebenfalls nicht gesehen. Dafür hat man uns die uns eh schon bekannte Webseite gezeigt und erklärt, wie man auf ihr navigiert. Gut zu wissen, denn ich habe ja zum ersten Mal eine Webseite gesehen. Und solch einen YouTube-Klon kann ja auch jeder drittklassige Webdesigner aus einem beliebigen Open-Source-Content-Management-System zusammenkloppen.
Auch die Technik konnte demnach nicht überzeugen. Denn ein Video, das auf einer Webseite abgespielt wird, beeindruckt mich ebenso nachhaltig wie die Anglizismen unseres wohnsitzlosen Amerikaners.
Derweil pöbelte der Elefant im Porzellanladen rum, als ich erklärte, wie ein Beteiligungsprozess grundsätzlich funktioniert. Lauthals explodierend nörgelte er, dass es ja unmöglich sei, dass alles immer nach dem Willen der Investoren ginge. Gut, damit offenbarte er endgültig, dass er nicht zuhören kann oder will. Aber um Sachlichkeit ging es bei dem Klamauk, den man uns hier vorführte ja schließlich auch nicht.
Interessant war auch ein weiteres Detail: Man erklärte uns, dass man Berater wie uns gleich dutzendweise hätte. Man könne quasi mit Beteiligungskapital nur so zugeschüttet werden. Deshalb wolle man uns auch nicht monatlich vergüten. Vielmehr bot man uns eine Provision an, die man auch bei ca. 10% des eingeworbenen Kapitals ansiedeln könne. Unseren Einwand, dass in den meisten uns bekannten Beteiligungsverträgen vermerkt ist, dass das eingeworbene Kapital nicht zur Begleichung alter Berater-Rechnungen bzw. der sogenannten Finder’s Fee verwendet werden soll, hat der wohnsitzlose Amerikaner glatt überhört.
Statt dessen pöbelte er rum, dass er garantiere, dass aus dem eingeworbenen Kapital zuerst unsere Rechnung bezahlt werden solle. Gut, damit garantiert er uns, dass er den Investor bescheissen wird. Ergo garantiere ich, dass der wohnsitzlose Amerikaner und auch das restliche Management-Team nicht seriös ist.
Die Diskussion um mögliche und unmögliche Honorare nutzte ich dann, um das Gespräch zu beenden. Ich klappte meine Unterlagen zu und stand einfach auf. Der Elefant im Porzellanladen blökte mich daraufhin an, dass dies nun mein zweiter Fehler sei. Auch gut, obwohl ich bislang nicht rausgefunden habe, was mein erster Fehler gewesen sein könnte.
Der wohnsitzlose Amerikaner folgte dem Kollegen Leike und mir dann noch in den Flur, wo er uns dann doch noch seine Visitenkarten aushändigte und uns bat, dass wir uns doch noch überlegen sollten, für sein Projekt Kapital zu akquirieren. Dafür erhöhte er sein Provisionsangebot auf atemberaubende 12% des eingeworbenen Kapitals. Wir erläuterten, dass das Projekt nicht interessant für uns sei. Daraufhin forderte er seine Visitenkarten wieder zurück. Übrigens: Auch auf den Visitenkarten war keine Adresse vermerkt. Der Amerikaner scheint demnach tatsächlich keinen Wohnsitz zu haben.
So, und was lernen wir daraus? Ganz einfach: Ein seriöses Projekt hätte sich niemals derartig dargestellt. Wir vermuten, dass es eigentlich darum geht, unbedarfte Zeitgenossen mit großen Namen, einer schönen Idee und vielen Anglizismen zu beeindrucken um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen, das man dann auf den British Virgin Islands vertrinkt. Unserem gut bekannten und zunächst interessierten Beteiligungsmanager teilten wir indes mit, dass wir nach dieser auf unsere Kosten durchgeführten Due Diligence dringend von einer weiteren Bearbeitung des Projektes abraten.
Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook
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