Vor einigen Wochen haben wir unsere Serie rund um das Szenario Vorauszahlungsbetrug bzw. Vorschussbetrug wieder aufgenommen. Anlass war eine E-Mail, bei der uns ein angebliches Erbe versprochen wurde. Wie in unserem ausführlichen Beitrag zum Vorauszahlungsbetrug erläutert, gibt es neben verschiedenen anderen Varianten unter anderem auch das Szenario des sogenannten Romance Scam. Bei diesem Szenario versuchen die Betrüger, Vertrauen aufzubauen, gerne auch in Form einer angeblichen Liebesbeziehung, woher auch die Bezeichnung Romance Scam stammt. Irgendwann bitten die Täter dann um Geld. Das „liebende Opfer“ fällt darauf herein, überweist den geforderten Betrag und ja, dann ist die Beziehung auch schon vorbei. Das Geld ist weg und die Betrüger schließen den Account.
Wer einen Instagram-Account besitzt, kennt es mit großer Wahrscheinlichkeit. Immer wieder verbinden sich angeblich weibliche Profile, die dann mit Nachrichten mit Inhalten wie „Wie geht es Dir?“ versuchen, einen Dialog zu starten. Auf den Fotos dieser Profile präsentieren sich die abgebildeten Frauen mal mehr, mal weniger sittsam und es ist glasklar: Die sind offenbar auf der Suche.
Zugegeben: Ich habe natürlich ein männliches Profil und ich gehe mal davon aus, dass sich bei den Frauen dann eher angeblich männliche Profile melden, die ähnliche Intentionen haben wie die Frauen in Bezug auf mein Profil. Bleiben wir also in diesem Beitrag bei dem Beispiel eines weiblichen Profils, das sich mit meinem Profil verbindet und einen Dialog startet, denn es geht hier ja nur um ein Beispiel zum Romance Scam, einem der vielen Szenarien für einen Vorauszahlungsbetrug.
Und noch mal zugegeben: Der nun folgende Beitrag ist vielleicht an manchen Stellen etwas zynisch. Aber für unseren Geschmack sind einfach zu viele Vorauszahlungsbetrüger unterwegs, denn die Zahl einschlägiger E-Mails oder Instagram-Freundschaftsanfragen ist immens. Und das deutet nun einmal darauf hin, dass immer noch sehr viele Menschen auf Szenarien des Vorauszahlungsbetrugs wie zum Beispiel Romance Scam hereinfallen. Grund genug, sich ein weiteres Mal diesem Thema zu widmen.
Aber wie kommen die Täter beim Romance Scam an die potenziellen Opfer für ihren Vorauszahlungsbetrug? Zum Glück gibt es Social Media. Sagen wir also, wir geben vor, eine Frau zu sein und deshalb wählen wir gezielt ein Instagram Profil eines Mannes aus, das offenbar noch nicht so lange existiert. Unser Opfer soll männlich sein und aufgrund der Profilstruktur hoffen wir, dass das Opfer noch nicht so viel Erfahrung mit Social-Media-Kanälen hat.
Und tatsächlich: Auf Instagram z.B. wollen einem gerne wunderschöne Frauen folgen, die alle aus dem Ausland kommen und sofort einen Dialog lostreten wollen. Sie schreiben den vermeintlich unbedarften Social-Media-Nutzer also zunächst mal an. Merkwürdig, dass die alle wie Models aussehen. Sollten all die hübschen Frauen Vorauszahlungsbetrügerinnen sein? Oder haben die Täter sich die Fotos der Frauen nur aus anderen, echten Profilen „ausgeliehen“, um die Opfer des Vorauszahlungsbetrugs zu ködern? Oder haben sie die Frauen gar mit KI generiert? Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn das Auge isst ja bekanntlich mit und es soll bei dem Romance Scam ja auch was bei rumkommen, sprich: Es soll ja auch ein potenzielles Opfer anbeißen.
Oder vielleicht gibt es die Frau ja sogar wirklich und vielleicht ist sie sogar hübsch. Aber dann braucht sie vielleicht ein paar Stationen in ihrem angeblichen Lebenslauf und auch da hilft KI ja durchaus weiter. Na ja, wie auch immer. Doch unterstellen wir im Folgenden, dass die Frau von den Vorauszahlungsbetrügern per KI quasi komplett „erschaffen“ wird.
Unser potenzielles Betrugsopfer soll wie oben gesagt männlich sein. Wir brauchen also eine Frau. Entwickeln wir sie also mit KI. Zunächst brauchen wir ein Muster, das sich immer wieder verwenden lässt. Wir benutzen also die Bild-Funktion von Google Gemini und geben folgenden Prompt ein:
Entwickle das Foto einer Frau von 24 Jahren. Sie ist außergewöhnlich hübsch und trägt europäische, aber südländische Züge mit einem leicht braunen Teint, also sonnengebräunt. Das Gesicht ist perfekt geschnitten. Sie ist 170 cm groß und hat braune Augen und schwarze, lange Haare, die ihr bis weit in den Rücken fallen und im Rücken spitz zulaufend kurz vor der Taille enden. Stelle die Frau in der Totale in einem leicht ausgestellten Etuikleid auf einem neutralen Hintergrund dar.
So, damit hätten wir also ein Muster, mit dem wir im Folgenden arbeiten können. Nun brauchen wir einen exotischen Schauplatz. Denn es soll ja nicht so leicht möglich sein, die Frau zu treffen. Schließlich steckt ja nur ein Vorauszahlungsbetrüger dahinter und der will ja nicht, dass wir ihm auf die Schliche kommen. Also lautet der Prompt für Google Gemini:
Entwickle ein Bild im Hochformat mit der Frau aus dem soeben generierten Bild. Die Frau ist exakt zu übernehmen, also Frisur, Gesicht, Konturen und Proportionen bleiben exakt gleich. Stelle die Frau in einem schwarzen Bikini an der Copacabana in Rio de Janeiro dar. Sie soll am Strand liegen und im Hintergrund ist die Skyline von Rio de Janeiro zu sehen, so wie sie exakt vom Strand der Copacabana aus zu sehen ist; dabei ist das Ortsbild so exakt zu übernehmen, dass ein ortskundiger Bildbetrachter den Hintergrund georeferenziert nachvollziehen könnte. Der Bildbetrachter sieht das Bild so, als hätte die Frau ein Selfie gemacht; entsprechend ist auch die Körperhaltung der Frau zu entwickeln. Die Frau soll glücklich aussehen.
Und voila, schon kommt die Frau aus Rio de Janeiro und feiert sich mit einem Selfie am Strand der Copacabana. Bei Instagram könnte man das Foto jetzt noch mit „Enjoying the sun at Copacabana“ kommentieren.
Doch warum versucht sie, mit einem Deutschen in Kontakt zu treten? Aus Sicht der Vorauszahlungsbetrüger ist die Sache klar: Sie sitzen irgendwo im Ausland und vermutlich nicht einmal in Brasilien und versuchen, ahnungslose Menschen abzuzocken. Aber die Story muss natürlich funktionieren. Sagen wir also, einer der Vorfahren unserer jungen, hübschen Brasilianerin war Deutscher und deshalb interessiert sie sich für Deutschland und sie versucht auch Deutsch zu lernen. Und genau deshalb versucht sie, mit einem Deutschen anzubandeln. Also brauchen wir jetzt noch den passenden Fotobeweis. Auch hier hilft Google Gemini und der Prompt lautet:
Entwickle ein Bild im Querformat mit der Frau aus dem soeben generierten Bild. Die Frau ist exakt zu übernehmen, also Frisur, Gesicht, Konturen und Proportionen bleiben exakt gleich. Die Frau soll das Dirndl aus dem Referenzbild tragen. Dabei ist das Dirndl exakt zu übernehmen, also Dirndlbluse, Dirndl, Farben und alle Details bleiben exakt gleich. Stelle die Frau auf dem Oktoberfest in Blumenau, Brasilien dar, wie sie mit Freundinnen feiert. Das Oktoberfest muss erkennbar das Oktoberfest in Blumenau, Brasilien sein, so dass man das zu erstellende Bild mit Bildmaterial aus dem Internet überzeugend vergleichen kann. Das Foto soll eine Szene am Tag darstellen und die Frau und ihre Freundinnen haben sichtbar Spaß.
So, und schon haben wir auch hier den passenden Kontext. Auf Instagram könnte das Bild jetzt wie folgt kommentiert sein: „Visiting Oktoberfest in Blumenau with friends. I love Germany and Oktoberfest and I am learning German. Wie geht es Dir?”
Jetzt brauchen wir noch einen coolen Beruf für die junge Dame, denn wir wollen ja, dass es nicht bei der ersten Kontaktaufnahme aussieht, als wäre sie nur hinter unserem Geld her. Klar, ist sie ja auch nicht, sie ist virtuell. Aber die Vorschussbetrüger dahinter sind garantiert hinter unserem Geld her.
Also, die Aufgabe lautet: Cooler Beruf. Wie wäre es also mit einer Pilotin? Damit es nicht im Zweifel sofort auffliegt, brauchen einen glaubhaften Schauplatz und sie soll auch nicht gleich Jet fliegen. Also fragen wir doch einfach Google: Gibt es in Rio de Janeiro einen Flugplatz nur für Private Aviation? Auch hier liefert die KI die Antwort. Einen Flughafen nur für Private Aviation gibt es nicht, aber der Flughafen Santos Dumont (SDU) direkt im Stadtzentrum wird auch für Private Aviation genutzt. Aber vielleicht nehmen wir besser einfach irgendein Flugfeld, das nach Brasilien aussieht. Also lautet der Prompt bei Google Gemini:
Entwickle ein Bild im Hochformat mit der Frau aus dem soeben generierten Bild. Die Frau ist exakt zu übernehmen, also Frisur, Gesicht, Konturen und Proportionen bleiben exakt gleich. Die Frau soll eine Pilotenuniform tragen, die Bluse soll dabei kurze Arme haben. Die Frau befindet sich auf dem Rollfeld eines Flughafens in Brasilien, im Hintergrund ist ein Hangar zu sehen sein. Die Frau ist so darzustellen, dass es für den Betrachter so aussieht, als würde sie ein Selfie machen. Im Hintergrund ist eine Beechcraft King Air 200 in einiger Entfernung zu sehen, so dass es so aussieht, als würde die Frau gerade von der Beechcraft King Air 200 zurück zum Terminal laufen.
Ja, und schon hat sie den passenden Beruf. Bei Instagram muss es dann heißen „I love my job.“ Das lässt Raum für neugierige Fragen des potenziellen Betrugsopfers.
Nun brauchen wir noch ein Foto, das die Frau so richtig sympathisch rüberkommen lässt. Also viel Casual Look und am besten noch ein Haustier. Also lautet der Prompt bei Google Gemini:
Entwickle ein Bild im Hochformat mit der Frau aus dem soeben generierten Bild. Die Frau ist exakt zu übernehmen, also Frisur, Gesicht, Konturen und Proportionen bleiben exakt gleich. Die Frau hat die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und trägt ein weißes T-Shirt und einen kurzen Jeansrock. Sie sitzt in einem Straßencafé in Rio de Janeiro, aber die Location soll nicht aufgrund von prominenten Merkmalen der Stadt erkannt werden können. Die Location ist eher so zu entwickeln, dass ein Rio-de-Janeiro-Gefühl erzeugt wird. Die Frau hat einen kleinen Hund auf dem Schoß und das Bild soll aussehen, als hätte die Frau ein Selfie gemacht.
Bei Instagram könnte man das Bild noch mit „I love my dog“ kommentieren. Und somit haben wir auch gleich eine kleine Geschichte hinter dieser Frau erschaffen und tatsächlich sind diverse Social-Media-Kanäle voll mit solchen „Profilen“.
Die Beispiele zeigen: Selbst die auf den einschlägigen Social-Media-Profilen gezeigten Fotos könnten durchaus ein kompletter Fake sein. Es sei denn, die werten Damen zeigen sich wie eingangs erwähnt in einem eher privaten Umfeld in etwas weniger sittsamen Posen. Und auch das könnte natürlich gefälscht sein.
Irgendwann wird das Profil, das angeblich zu dieser Frau gehört, unserem Instagram-Profil folgen. Dann kommt vielleicht eine Nachricht, z.B. „Wie geht es Dir?“. Wenn man antwortet, wird es dann im Gesprächsverlauf schnell persönlich. Und spätestens, wenn die vierte Nachricht mit „Hallo Schatz“ beginnt, dann ist die Sache doch schon irgendwie suspekt, oder?
Ja, aber kann das denn wirklich Betrug sein? Sie ist doch so hübsch und sie sieht doch so sympathisch aus.
Na gut, die Frau soll noch eine Ehrenrettung erhalten. Denn sie sieht ja so sympathisch aus. 🙂
Ja, vielleicht war der Artikel jetzt wirklich etwas bösartig. Andererseits betreiben wir ja auch im Sinne der Eigenwerbung Social Media Profile und die für diesen Beitrag generierten Bilder und die beschriebenen Beispiele wurden tatsächlich aus einschlägigen Aktivitäten abgeleitet, mit denen potenzielle Vorauszahlungsbetrüger in den letzten Monaten versucht haben, Kontakt aufzubauen.
Bilder: & Comics generiert mit Google Gemeni






