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Unternehmensnachfolge – Merkwürdige Angebote

Das Thema Nachfolgeregelung steht dem Thema Unternehmensfinanzierung in nichts nach, wenn es um denkwürdige bis merkwürdige Angebote jenseits der Seriosität geht. Und da wir uns hier im Bereich dubiose Finanzgeschäfte tummeln, möchten wir Ihnen auch hier unser buntes Kaleidoskop der Merkwürdigkeiten ebenfalls nicht vorenthalten.

Eines noch vorweg: Meist lachen wir ja darüber. Aber manchmal fragt man sich doch, was die im folgenden (anonym) beschriebenen Damen und Herren sich wohl gedacht haben. Treudoof wird sogar uns Fachleuten mitunter der dümmste Mist unterbreitet, als wären wir grüne Jungs. Nun ja, da wir ja trotzdem Humor haben gibt es halt diese Rubrik hier. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! Freuen Sie sich auf folgende Themen:

  • Die Spezialdruckerei
  • Kuckuck!
  • Wenn man sich geeinigt hat, wird erstmal verhandelt!

Die Spezialdruckerei

Für einen unserer Kunden – eine mittelständische Druckerei – suchten wir eine weitere Druckerei zwecks Übernahme. Ziel war die Expansion des bestehenden Geschäftes. Nach einiger Zeit stolperten wir über eine einschlägige Anzeige bei einem unserer Netzwerk-Partner. Demnach sollte eine seit über 36 Jahren am Markt bestehende Spezialdruckerei aus Altersgründen zum Verkauf stehen. Wie so oft fehlte der Nachfolger innerhalb der eigenen Familie und nun sollte dieser also durch Veräußerung des Unternehmens gefunden werden. Soweit so gut und auch nicht ungewöhnlich. Dann jedoch wurde es sehr schnell (vermutlich unfreiwillig) komisch.

Nachdem über unseren Netzwerkpartner der Kontakt hergestellt war, ging zunächst alles seinen geregelten Gang. Wir tauschten unsere Kontaktdaten mit dem Target aus und übersandten eine Verschwiegenheitserklärung. Diese erhielten wir kurz darauf unterschrieben zurück.

Dann folgten noch einige rudimentäre Daten und mit dem Eigentümer der Spezialdruckerei war nicht mehr normal zu reden. Seine Vorstellungen waren nun wie folgt: Wir sollten nun dem Kaufinteressenten seine Telefonnummer geben, damit die beiden einmal einen Termin machen könnten. Dabei wollte der freundliche Herr sehen, ob er mit dem Kaufinteressenten klar kommt. Na ja, und dann steht dem Kauf doch nichts mehr im Wege, oder?

So, liebe Leser, das sehen Sie anders? Nun ja, wir irgendwie auch. Immerhin ist die übliche Vorgehensweise, dass das zu kaufende Unternehmen einmal einer gründlichen Analyse unterzogen wird: Bilanzen, BWA, Strategie, Organisation, Marketing und ähnliche Kleinigkeiten. Außerdem waren die übermittelten (rudimentären und unvollständigen) Daten nicht gerade geeignet, das Vertrauen in die Spezialdruckerei und deren Eigentümer zu fördern. So waren – laut einer übermittelten Excel-Tabelle – die Umsätze von 1994 bis 2005 von 3.440.600 € auf 1.588.700 € geschrumpft. Über die Ertragssituation wurden gar keine Angaben gemacht. Unsere Anfrage nach testierten Bilanzen und BWA wurde mit der (sehr lautstark vorgebrachten) Antwort beschieden, man sei ja kein Penner und würde auch keine internen Daten an wildfremde Leute schicken.

Unser Tipp: Der freundliche Herr hat immer noch keinen Käufer gefunden. Denn wer kauft schon die Katze im Sack? Auch ein weiteres witziges Detail möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: Wir bilden uns ein, ein halbwegs verständliches Deutsch zu sprechen und auch zu schreiben. Oder ist es unverständlich, wenn sich eine Unternehmensberatung vorstellt, die im Auftrag eines Kunden – einer Druckerei – Interesse bekundet, eine andere Druckerei zu kaufen? Eigentlich nicht, oder? Wir erhielten jedoch die unwirsche Auskunft, dass wenn wir nicht aus der Druckbranche kämen, es sowieso keinen Zweck hätte, weiter zu reden.

Nun ja, da kann man doch nur eins vermuten, oder? Nämlich, dass hier nicht ernsthaft ein Käufer gesucht wurde. Unser Tipp: Gesucht wurde ein Dummer, dem man ein Pleite-Unternehmen für sein gutes Geld andrehen wollte.

Kuckuck!

Wir haben einmal – es ist schon etwas länger her – ebenfalls im Auftrag eines Kunden auf eine Anfrage reagiert. Hier sollte es sich um ein Unternehmen handeln, das weitestgehend der Werbebranche zugeordnet werden konnte. Es klang auch alles zunächst ganz toll: Das Unternehmen sollte etwas über 1 Mio DM (ungefähr 0,5 Mio €Euro) Umsatz machen und Top-Referenzen haben. Welches Top-Unternehmen Sie sich nun auch immer ausdenken, liebe Leser, es sollte zu den Referenzen dieses sagenhaften Target gehören: DaimlerChrysler, Adidas, BMW, Beiersdorf, Deutsche Shell, Gerling, Lufthansa, Renault, Siemens, Reemtsma, Goodyear, Bosch, Krombacher, Nike und noch viele andere bekannte Namen.

Dumm nur: In den Unterlagen des Unternehmens selber war dazu gar nichts zu finden. Keine Projektdaten, kein Schriftverkehr – einfach gar nichts. Immerhin: Manchmal gab es tatsächlich ein Akquise-Schreiben an die „Referenzen“. Und was stellten wir fest: Die Eigentümerin dieses sagenhaften Unternehmens, die verzweifelt einen auf Grande Dame der Düsseldorfer High Society machte, hatte über Jahre hinweg die Insolvenz verschleppt, indem sie immer kurz vor knapp ein neues Unternehmen gegründet und zur nächsten Bank gezogen war.

Absolutes Highlight des Projektes war dann auch der Tag, an dem ein freundlicher Herr des Finanzamtes Düsseldorf Mitte lustige kleine Aufkleber an den meisten Einrichtungsgegenständen anbrachte. Unsere Grande Dame der Düsseldorfer High Society behalf sich im folgenden damit, die umgangssprachlich als „Kuckuck“ bekannten Pfändungssiegel einfach mit kleinen Notizzetteln zu überkleben. Denn entgegen aller Beteuerungen, dass es sich um ein Missverständnis handele, kam beim Finanzamt Düsseldorf Mitte einfach niemand auf die Idee, die hübschen Aufkleber im Wasserzeichen-matt-Design wieder zu entfernen.

Nun, da wir mittlerweile BWA und Bilanzen gesehen hatten, verwunderte uns das nicht weiter. Denn entgegen den Angaben im Anzeigentext war nicht wirklich etwas von einem Umsatz um 1 Mio DM zu sehen. Um nicht zu sagen: Es hatte seit Jahren keine Umsätze gegeben, die auch nur ansatzweise in die Nähe der zunächst angegebenen Größe tendiert hätten. Mehrere Jahre hintereinander hatte das Unternehmen rote Zahlen geschrieben und das Eigenkapital war längst nicht mehr gedeckt.

Trotzdem hatte man ein „Beratungsunternehmen“ eingeschaltet – interessanterweise ein Ingenieurbüro. Dieses hatte in einer geradezu abenteuerlichen Berechnung einen Unternehmenswert von 2,5 Mio DM – ungefähr 1,25 Mio €Euro – ausgerechnet. Also, sollte dieses Ingenieurbüro mit ähnlicher Sorgfalt tragende Bauteile berechnen, dann wird der Katastrophenschutz garantiert nicht arbeitslos. Nach dem Motto aus eins mach zwei wurden alle in den Planungsrechnungen angenommenen Umsätze einfach doppelt gewertet.

Toll auch: Nach diesen sagenhaften Berechnungen ergab sich pro Mitarbeiter eine Einbindung in Projekte von 63 Wochen im Jahr. Bemerkenswert, oder? Können Sie, liebe Leser, sich vorstellen, dass eigens zur Bewertung dieses Spitzenunternehmens das Jahr um 11 ganze Wochen verlängert wird? Also, wir nicht!

Die Pointe zum Schluss: Nach einer kurzen und schmerzlosen Analyse gaben wir unserer hochseriösen Grande Dame der Düsseldorfer High Society (die übrigens immer ein wenig zu penetrant parfümiert war) zu verstehen, dass ihr Unternehmen aufgrund der Illiquidität und des daraus resultierenden Unternehmenswertes von 0 € als Target nicht in Betracht käme. Die kompetenten Bananenbieger des erstklassigen Ingenieurbüros ergingen sich in Unflätigkeiten und unsere Grande Dame warf uns vor, wir wären Hochstapler. Nun denn!

Ironie des Schicksals: Scheinbar hat man tatsächlich noch einen Dummen gefunden. Zwecks Recherche dieses Artikels haben wir doch einmal ausprobiert, ob es das besagte Unternehmen noch gibt: Und tatsächlich: Zwar ist unsere Grande Dame immer noch als Eigentümerin im Impressum der entsprechenden Webseite vermerkt, hat jedoch einen Partner in das Unternehmen aufgenommen. Und die ganzen Top-Referenzen gibt es immer noch …

Ja, manchmal ist es fast schade, dass es diese Verschwiegenheitsklauseln in unseren Verträgen gibt. Manchmal wäre man fast geneigt – doch halt, an dieser Stelle breiten wir den Mantel des Schweigens über unsere sauberen Protagonisten.

Wenn man sich geeinigt hat, wird erstmal verhandelt!

Haben Sie so etwas schon einmal gehört? Nein, Wir aber, denn wir haben schon eine ganze Menge Projekte begleitet. Und da es scheinbar nichts gibt, das es nicht gibt, gibt es schnell noch die folgende, aberwitzige Story.

Wieder sollten wir einem Kunden helfen, ein im Zuge einer Nachfolgeregelung zu veräußerndes Unternehmen zu prüfen. Dieses Mal sah zunächst alles ganz gut aus, an BWA und Bilanzen gab es nicht viel zu mäkeln und der Kaufpreis schien auch in Ordnung. Deshalb wurde man sich relativ schnell handelseinig und die Anwälte begannen, die Verträge auszubrüten.

Doch dann geschah plötzlich etwas sehr merkwürdiges: Nachdem diverse Punkte in den Vertragsentwürfen bereits abgearbeitet waren, tauchten plötzlich immer neue Klauseln auf. Und diese wurden – mit Verlaub – von Mal zu Mal bekloppter: Zum Schluss sollte für sagenhafte 200.000 DM (heute 100.000 €) eine CD-ROM unbestimmten Inhalts veräußert werden. Ganz schön gaga, oder?

Ach ja, wir haben unserem Kunden nicht lange abraten müssen.

Bildnachweis: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank Free PhotosBank

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