Mit Büroarbeit geht zwangsläufig ein Problem einher: Es mangelt an Bewegung. Deshalb ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Denn der Mensch ist eigentlich für Bewegung gemacht. Doch das Sitzen am Schreibtisch oder lange Meetings sind leider das exakte Gegenteil. Und wer viel am Rechner arbeitet, der sitzt oftmals durchaus etwas verspannt.
Abnehmende Konzentration oder auch gesundheitliche Probleme sind Folgen, die nicht nur die eigene Gesundheit belasten, sondern auch negative Auswirkungen auf die Produktivität am Arbeitsplatz besitzen.
Die Auswirkung unzureichender Bewegung auf die Produktivität ist übrigens auch der Grund, weshalb dieser Beitrag auch mit der Kategorie Organisation verknüpft ist. Und das ist auch der Grund, weshalb wir in unseren jhmc Surftipps auch einen Office-Trainingsplaner hinterlegt haben. Denn auch kleine Übungen, die man problemlos am Arbeitsplatz durchführen kann, fördern die Gesundheit und helfen, sich anschließend wieder auf die Aufgaben am Arbeitsplatz zu fokussieren.
Aber auch in der Freizeit sollte man sich ab und an eine Auszeit an der frischen Luft gönnen. Ich mache das regelmäßig. Da ich vor einiger Zeit sowohl privat als auch mit der Jörg Haupt Management Consulting nach Haan-Gruiten gezogen bin, habe ich natürlich das Glück, reichlich Natur vor der Haustür zu haben. Und so begab ich mich neulich mal wieder auf eine Wanderung durch einen der schönsten Naherholungsräume der Region rund um Düsseldorf.
Das Ergebnis der Wanderung in seinen technischen Details hat das Smartphone eindrucksvoll dokumentiert: 25.374 Schritte, 256 Minuten Aktivität, 777 verbrauchte Kilokalorien und 19,04 Kilometer Wegstrecke. Aber es geht ja nicht alleine um Kilometer oder die Anzahl der Schritte. Auch die frische Luft und die Sonne sollen ja durchaus gesund sein. 😉
Die Wanderung führte mich zunächst durch die Bahnstraße – die Einkaufsstraße Gruitens – und den Thunbusch-Park ins Düsseltal, das man gemeinhin auch unter dem Namen Neandertal kennt.
Durch das Neandertal ging es bis zum Neanderthal-Museum, dort wo der Mettmanner Bach in die Düssel fließt…
…und von dort wieder zurück in Richtung Gruiten…
…und dann einmal durch Gruiten-Dorf mit seinen wunderschönen Fachwerkhäusern…
…zur Grube 7, einem Naturschutzgebiet in einem ehemaligen Kalksteinbruch. Die Grube 7 habe ich dann einmal umrundet, um dann über Gruiten-Dorf wieder nach Hause zu kommen.
Wer nicht so gut zu Fuß ist, sollte ggf. kleinere Etappen wählen. Denn so gut Bewegung auch für die Gesundheit ist: Es ist sicherlich kontraproduktiv, wenn man sich überanstrengt, da man nicht über die entsprechende Kondition verfügt. Im Zweifel sollte man sich also eher in kleinen Schritten an die „großen Ziele“ herantasten. Auf jeden Fall aber sollte man geeignetes Schuhwerk tragen, denn der hier vorgestellte Weg ist ja – wie oben erwähnt – knapp 20 Kilometer lang und führt über Waldwege, Gehwege, Asphalt, Kopfsteinpflaster und sogar ein kurzes Stück Bohlenweg.
Fassen wir also einmal die Aspekte dieser Wanderung von der sportlichen Betätigung über das Naturerlebnis bis hin zur Geschichte der Region ins Auge.
Eine Wanderung kann weit mehr sein als die Fortbewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel. Sie kann sportliche Betätigung, Naturerlebnis, Erholung und historische Entdeckung miteinander verbinden. Besonders deutlich wird dies bei unserer Wanderung rund um Haan-Gruiten, die von Gruiten durch das Neandertal bis zum Neanderthal-Museum, anschließend zurück nach Gruiten-Dorf und weiter rund um die ehemalige Grube 7 führt. Auf einer solchen Strecke begegnen sich Erdgeschichte, Industriegeschichte, Naturschutz und die Geschichte eines bergischen Dorfes. Gleichzeitig wird der eigene Körper über mehrere Stunden gefordert.
Die Zahlen dieser Wanderung machen die körperliche Dimension eindrucksvoll sichtbar: 25.374 Schritte, 256 Minuten Aktivität, 777 verbrauchte Kilokalorien und 19,04 Kilometer Wegstrecke. Damit handelt es sich nicht mehr lediglich um einen Spaziergang, sondern um eine ausgedehnte Ausdauerbelastung. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag – rechnerisch aus Strecke und Aktivitätszeit – bei rund 4,5 Kilometern pro Stunde, also in einem Bereich, der für längeres zügiges Wandern charakteristisch sein kann. Die durchschnittliche Schrittlänge betrug dabei ungefähr 75 Zentimeter.
Wandern als Gesundheitsprogramm
Die gesundheitliche Wirkung einer solchen Wanderung beginnt zunächst ganz unmittelbar mit der Bewegung. Über mehr als vier Stunden werden Beine, Gesäß- und Rumpfmuskulatur beansprucht; gleichzeitig arbeitet das Herz-Kreislauf-System kontinuierlich. Regelmäßiges Gehen und Wandern kann zur Verbesserung der Ausdauer beitragen, die Muskulatur stärken und sich positiv auf Blutdruck, Stoffwechsel und Körpergewicht auswirken. Auch die psychische Gesundheit profitiert von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen grundsätzlich 150 bis 300 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche beziehungsweise eine entsprechende Menge intensiverer Bewegung. Bereits eine einzige Wanderung mit 256 Minuten Aktivitätszeit erreicht – sofern sie überwiegend moderater Intensität entspricht – damit einen erheblichen Teil beziehungsweise mehr als die untere Grenze dieses Wochenumfangs.
Die 25.374 Schritte zeigen außerdem, wie sehr sich die Belastung über viele kleine Bewegungen zusammensetzt. Jeder einzelne Schritt erscheint unbedeutend; in der Summe entsteht daraus jedoch eine fast 20 Kilometer lange Fortbewegung. Gerade diese Kombination aus langer Dauer und vergleichsweise moderater Intensität macht Wandern gesundheitlich interessant. Anders als ein kurzer, sehr intensiver Sport kann es über einen langen Zeitraum ausgeübt werden und lässt sich zugleich in ein Natur- und Kulturerlebnis einbetten.
Auch die angegebenen 777 Kilokalorien verdeutlichen den Energieaufwand. Dieser Wert sollte allerdings nicht als exakte Messung verstanden werden: Fitnessuhren und andere Aktivitätstracker errechnen den Kalorienverbrauch anhand verschiedener persönlichen und Bewegungsdaten, sodass der tatsächliche Energieverbrauch davon abweichen kann. Dennoch macht die Zahl anschaulich, dass eine solche Wanderung einen beträchtlichen zusätzlichen Energieumsatz erzeugt.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: die Sonne und der Aufenthalt im Freien. Sonnenlicht ermöglicht dem Körper die Bildung von Vitamin D, das unter anderem für den Knochenstoffwechsel wichtig ist. Gerade eine Wanderung verbindet deshalb Bewegung und Aufenthalt im Freien auf natürliche Weise. Allerdings bedeutet das nicht, dass möglichst viel Sonne automatisch gesund wäre. Die positiven Wirkungen des Sonnenlichts müssen gegen die Risiken übermäßiger UV-Strahlung abgewogen werden. Längere Aufenthalte in der Sonne erfordern deshalb einen angemessenen Sonnenschutz; Sonnenbrand sollte vermieden werden.
Auch die viel beschworene „frische Luft“ lässt sich sinnvoller betrachten, wenn man sie nicht als Wundermittel versteht. Der gesundheitliche Hauptgewinn entsteht durch die Bewegung und den Aufenthalt außerhalb geschlossener Räume. Zugleich kann die Umgebung mit Wald, Wasser, Wiesen und offenen Landschaften das subjektive Wohlbefinden fördern. Man wandert nicht auf einem Laufband, sondern bewegt sich durch eine Landschaft, die ständig neue Eindrücke vermittelt. Dadurch wird die körperliche Anstrengung mit Wahrnehmung, Entspannung und geistiger Abwechslung verbunden.
Gerade darin liegt eine besondere Qualität des Wanderns: Der Körper arbeitet, während der Kopf Abstand vom Alltag gewinnen kann.
Der Weg durch das Neandertal
Diese Verbindung von körperlicher Bewegung und geistiger Beschäftigung wird im Neandertal besonders deutlich. Von Gruiten aus führt die Wanderung in einen Landschaftsraum, dessen heutige Ruhe kaum erkennen lässt, wie stark er in der Vergangenheit verändert wurde. Das ursprüngliche Neandertal war eine enge, eindrucksvolle Kalksteinschlucht. Die Düssel hatte sich tief in den Kalkstein eingeschnitten; steile Felsen und eine dicht bewachsene Tallandschaft prägten das Bild.
Diese Landschaft wurde im 19. Jahrhundert durch den Kalkabbau erheblich verändert. Gerade die wirtschaftliche Nutzung des Kalksteins führte schließlich zur Zerstörung großer Teile der ursprünglichen Schlucht. Paradoxerweise ist das Neandertal heute gerade deshalb ein Ort, an dem sich Natur- und Menschheitsgeschichte so eng miteinander verbinden: Während der Mensch die ursprüngliche Landschaft durch den Abbau veränderte, wurde das Tal später zu einem wichtigen Schutzraum.
Übrigens: Das folgende Bild zeigt die Ruine eines alten Kalkofens aus der Zeit des Kalkabbaus im Neandertal.
Bereits 1921 wurden Teile des Neandertals unter Naturschutz gestellt. Damit besitzt das Gebiet auch eine besondere Bedeutung für die Geschichte des Naturschutzes. Heute ist das Neandertal sowohl Naturschutzgebiet als auch Erholungsraum. Wanderwege führen entlang der Düssel durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wald, Wiesen und Talbereichen. Hinzu kommen Einrichtungen wie das Eiszeitliche Wildgehege und die Erlebnisangebote rund um das Neanderthal-Museum.
Die Wanderung durch das Neandertal besitzt deshalb mehrere Ebenen. Einerseits ist es ein grüner Erholungsraum, in dem man Abstand vom städtischen Alltag gewinnt. Andererseits ist jeder Schritt durch dieses Tal zugleich eine Reise in die Vergangenheit. Im Jahr 1856 wurden hier die berühmten Knochen des Neanderthalers entdeckt. Die Fundgeschichte verbindet die Landschaft unmittelbar mit einem der bedeutendsten Ereignisse der Paläoanthropologie.
Das heutige Neandertal ist damit ein Beispiel dafür, dass Naturschutz nicht immer bedeutet, eine Landschaft vollständig in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Vielmehr kann es darum gehen, das, was von einer historisch stark veränderten Landschaft erhalten geblieben ist, zu schützen, ökologisch weiterzuentwickeln und für Menschen erlebbar zu machen.
Von der Kalklandschaft zur Grube 7
Eine besonders eindrucksvolle Fortsetzung dieser Geschichte findet sich an der Grube 7 bei Haan-Gruiten. Wer das Naturschutzgebiet umrundet, bewegt sich buchstäblich auf den Spuren der industriellen Vergangenheit. Die Grube war ein Kalksteinbruch, der von 1899 bis 1966 für den Kalkabbau genutzt wurde. Was damals ein Ort wirtschaftlicher Rohstoffgewinnung war, ist heute ein rund 60 Hektar großes Naturschutzgebiet.
Gerade diese Entwicklung macht die Grube 7 zu einem bemerkenswerten Naturraum. Der Mensch hat durch den Abbau eine Landschaft geschaffen, die es in dieser Form vorher nicht gab: steile Abbruchwände, offene Kalkflächen, Geröllbereiche und unterschiedliche Bodenstrukturen. Nach dem Ende des Abbaus setzte eine natürliche Wiederbesiedlung ein. Pflanzen und Tiere eroberten die Flächen zurück, Gehölze breiteten sich aus und verschiedene Lebensräume entstanden nebeneinander.
Damit wird die Grube 7 zu einem Beispiel für sekundäre Natur: Die heutige Natur ist nicht einfach ein ursprünglicher Zustand, sondern das Ergebnis des Zusammenspiels von menschlicher Nutzung und anschließender natürlicher Entwicklung. Gerade die ehemaligen Abbauflächen können aufgrund ihrer besonderen geologischen und klimatischen Bedingungen Lebensräume für spezialisierte Arten darstellen.
Die Schutzwürdigkeit des Gebietes ergibt sich unter anderem aus den Kalksteinwänden, wärme- und kalkliebenden Pflanzen, Trocken- und Magerrasen, Fels- und Geröllbereichen sowie den Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten. Auch Gewässer und bewaldete Bereiche gehören zum vielfältigen Lebensraummosaik.
Damit besitzt die Grube 7 gleichzeitig drei Bedeutungen. Sie ist Geotop und Zeugnis der Erdgeschichte, Dokument der Industriegeschichte und heutiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Für Wandernde kommt eine vierte Funktion hinzu: Sie ist ein Erholungsgebiet. Ein markierter Rundweg ermöglicht es, die Landschaft zu erleben, ohne dass die Besucherinnen und Besucher den sensiblen Lebensraum beliebig betreten müssen.
Die Grube 7 zeigt damit besonders anschaulich, dass Naturschutz und Industriegeschichte keine Gegensätze sein müssen. Der ehemalige Steinbruch wird nicht verdrängt oder vergessen, sondern ist selbst Teil der heutigen Landschaft. Die Spuren des Kalkabbaus erzählen von einer Zeit, in der Natur vor allem als Rohstoffquelle betrachtet wurde. Die heutige Nutzung erzählt dagegen von einem veränderten Verhältnis zur Natur: Schutz, Beobachtung und Erholung treten an die Stelle des Abbaus.
Gruiten-Dorf: Geschichte, Architektur und Landschaft
Nach dem Naturerlebnis führt die Wanderung zurück nach Gruiten-Dorf. Hier verändert sich der Charakter des Weges erneut. Aus dem Naturraum wird ein historischer Siedlungsraum. Die Fachwerk- und Schieferhäuser, die engen Straßen und die Lage im Tal der Düssel vermitteln ein Bild des Bergischen Landes, das sich deutlich von modernen Stadtlandschaften unterscheidet.
Viele der gut erhaltenen Häuser stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie stehen nicht isoliert als einzelne Baudenkmäler nebeneinander, sondern bilden ein historisches Ensemble. Gerade diese Geschlossenheit macht den besonderen Reiz des Ortes aus. Fachwerk, dunkle Schieferflächen und die für die Region charakteristischen grünen Fensterläden prägen das Erscheinungsbild.
Auch die Kirchenbauten machen deutlich, wie tief die Geschichte des Ortes reicht. Die evangelisch-reformierte Kirche entstand 1721; ihr Ensemble wird durch das Predigthaus von 1682 und das Pfarrhaus von 1764 ergänzt. Hinzu kommt der romanische Turm der alten St.-Nikolaus-Kirche, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Gruiten-Dorf ist deshalb mehr als eine schöne Ansammlung alter Häuser. Es ist ein historischer Siedlungsraum, in dem sich die Entwicklung des Bergischen Landes ablesen lässt. Landwirtschaft, Handwerk, Religion, Bergbau und später Industrialisierung haben ihre Spuren hinterlassen.
Interessant ist dabei die enge Verbindung zwischen Dorf und Kalklandschaft. Der Kalkabbau war über lange Zeit ein prägender Wirtschaftsfaktor der Region. Heute ist von dieser wirtschaftlichen Nutzung in Gruiten-Dorf selbst vor allem die historische Architektur und im Umfeld die veränderte Landschaft sichtbar. So führt die Wanderung von der Naturgeschichte des Neandertals über die Industriegeschichte der Grube 7 bis zur Siedlungsgeschichte des Dorfes – ohne dass diese Themen voneinander getrennt werden können.
Der neanderland STEIG als verbindendes Wegenetz
Die beschriebene Wanderung lässt sich schließlich in einen größeren Zusammenhang einordnen: den neanderland STEIG. Dieser regionale Wanderweg führt auf rund 240 Kilometern in insgesamt 17 Etappen rund um den Kreis Mettmann. Er verbindet sehr unterschiedliche Landschaften und Sehenswürdigkeiten: Täler und Wälder, Fachwerkorte und Schlösser, ehemalige Industrieareale, Seen, Heidelandschaften und Naturschutzgebiete.
Der neanderland STEIG ist damit weniger ein gewöhnlicher Fernwanderweg, der lediglich eine möglichst lange Strecke überbrückt. Sein eigentliches Konzept besteht darin, die unterschiedlichen Facetten des neanderlands miteinander zu verbinden. Natur und Kultur, Gegenwart und Vergangenheit, Erholung und Bewegung werden auf einem Wegenetz zusammengeführt.
Übersicht der 17 Etappen
| Etappe | Bezeichnung | Länge |
| 1 | Entdeckungen im Düsseltal | 16,02 km |
| 2 | Von der Düssel zur Pilgerstätte | 11,47 km |
| 3 | Von Hof zu Hof | 7,37 km |
| 4 | Erlebnis Elfringhauser Schweiz | 15,35 km |
| 5 | Weitblicke & Schlösserstadt | 14,56 km |
| 6 | Paradies mit Museumslandschaft | 14,12 km |
| 7 | Schlösser & Ruhrtal-Panorama | 8,53 km |
| 8 | Von der Landebahn in die Natur | 18,81 km |
| 9 | Erholungspark & Schwarzbachtal | 14,29 km |
| 10 | Unterwegs im Stinderbachtal | 16,15 km |
| 11 | Von der Skyline zum Seeufer | 16,37 km |
| 12 | Waldromantik & Schlosszauber | 12,34 km |
| 13 | Vater Rhein & Gänseliesel | 15,62 km |
| 14 | Schlossgeschichte, See & Tiere | 15,24 km |
| 15 | Sandberge & Heidelandschaft | 18,12 km |
| 16 | Heide, Wald & Vogelpark | 16,45 km |
| 17 | Erlebnisse entlang der Itter | 11,65 km |
Unsere Wanderung führte uns übrigens zum Teil über Strecken der Etappe 1.
Die Etappen sind zwischen gut sieben und knapp 19 Kilometern lang und unterscheiden sich hinsichtlich Höhenmetern und Schwierigkeitsgrad. Die erste Etappe „Entdeckungen im Düsseltal“ ist für die hier betrachtete Wanderung besonders wichtig. Sie beginnt am S-Bahnhof Haan-Gruiten, führt durch den historischen Ortskern Gruiten-Dorf und bindet auch die Grube 7 ein. Mit aktuell rund 16 Kilometern Länge und mittlerem Schwierigkeitsgrad ist sie selbst bereits eine anspruchsvolle Tagestour.
Die hier beschriebene Wanderung ist allerdings nicht einfach mit der ersten Etappe gleichzusetzen. Sie kombiniert vielmehr Teilstücke und Bereiche, die mit dem neanderland STEIG verbunden sind, mit zusätzlichen Wegabschnitten: vom Ausgangspunkt in Gruiten geht es zunächst in Richtung Neandertal und zum Neanderthal-Museum, anschließend zurück nach Gruiten-Dorf und weiter zur Grube 7, bevor der Rundweg wieder nach Gruiten-Dorf führt. Die eigene Route von 19,04 Kilometern ist damit länger als die aktuelle Standardlänge der ersten STEIG-Etappe.
Gerade diese Verbindung macht die Wanderung besonders interessant. Der neanderland STEIG liefert gewissermaßen das Rückgrat, während die individuelle Route daraus eine eigene Rundwanderung formt. Wer dem offiziellen Weg folgt, kann die Landschaft systematisch erkunden; wer – wie bei dieser Wanderung – Teilstücke miteinander verbindet, kann die Strecke stärker an persönlichen Interessen ausrichten.
Eine Wanderung als Reise durch Raum und Zeit
Am Ende verbinden sich die verschiedenen Ebenen zu einem Gesamtbild. Die 25.374 Schritte sind nicht nur eine sportliche Leistung. Sie führen durch eine Landschaft, in der sich Erdgeschichte, Menschheitsgeschichte, Industriegeschichte und Ortsgeschichte überlagern.
Im Neandertal steht die Frage nach der Entwicklung des Menschen im Mittelpunkt. Gleichzeitig erinnert der stark veränderte Landschaftsraum an die Folgen des Kalkabbaus und an die frühe Geschichte des Naturschutzes. In der Grube 7 wird sichtbar, wie aus einem industriell genutzten Steinbruch ein wertvoller Lebensraum entstehen konnte. In Gruiten-Dorf schließlich begegnet man der menschlichen Siedlungsgeschichte in Form von Fachwerk, Schiefer, Kirchen und historischen Straßen.
Auch die körperliche Erfahrung passt zu dieser Abfolge. Die Wanderung beginnt mit dem regelmäßigen Rhythmus des Gehens. Nach und nach stellt sich die körperliche Ermüdung ein, gleichzeitig wächst die Aufmerksamkeit für die Umgebung. Die Landschaft wird nicht aus einem fahrenden Auto heraus wahrgenommen, sondern Schritt für Schritt. Entfernungen werden körperlich erfahrbar, Steigungen spürbar und Ruhephasen bekommen eine andere Bedeutung.
So verbinden sich 25.374 Schritte, 19,04 Kilometer und 256 Minuten Aktivität mit einer zweiten Art des „Weges“: einer Reise durch die Geschichte der Landschaft. Die 777 Kilokalorien stehen dabei für den messbaren körperlichen Aufwand; der eigentliche Gewinn der Wanderung lässt sich jedoch nicht vollständig in Zahlen ausdrücken. Er liegt ebenso in der Verbesserung der Ausdauer, in der Bewegung an der frischen Luft, im Naturerlebnis, in der geistigen Erholung und in der Begegnung mit einer außergewöhnlich vielschichtigen Kulturlandschaft.
Die Wanderung rund um Haan-Gruiten zeigt damit exemplarisch, was Wandern leisten kann: Es verbindet Gesundheit mit Natur, Natur mit Geschichte und Geschichte mit persönlichem Erleben. Wer die Strecke gegangen ist, hat nicht nur fast zwanzig Kilometer zurückgelegt. Er hat eine Landschaft durchquert, in der sich auf engem Raum die Entwicklung von Gestein, Natur, Industrie, Siedlung und Menschheitsgeschichte beobachten lässt. Gerade deshalb wird aus einer langen Wanderung mehr als sportliche Bewegung: Sie wird zu einer Form des Reisens, bei der jeder Schritt zugleich körperliche Aktivität und Entdeckung ist.
Bilder: jhmc – Infografiken: Erstellt mit ChatGPT





































