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Archiv der Kategorie Existenzgründung
Per Auktion zur Geschäftsidee?
31.3.2008 von Jörg Haupt.
Durch Zufall sind wir auf eine interessante Rubrik bei ebay aufmerksam geworden: Die Rubrik “Geschäftsverkäufe und Domains”. Besonderes Highlight dabei ist die Kategorie “Webseiten und -projekte”. Nun wollen wir nicht grundsätzlich ausschließen, dass auch das ein oder andere werthaltige Objekt dabei ist. Aber so manche dieser Angebote muss man sich wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Da bietet doch zum Beispiel einer einen ganzen Reiseshop für nur 9,95 € an, marktschreierisch angepriesen als “Top-Domain”. Oder ein ganzes Shopping-Portal für nur 59,00 €. Ja, das ist schon richtig großzügig! Denn hier wird maximal eine Domain verkauft, auf der man dann das folgende Reiseportal oder das folgende Shoppingportal verlinken kann. Und diese Portale sind reine Affiliate-Programme. Das heißt: Jeder Betreiber einer Webseite kann diese Programme kostenlos nutzen. Den Webshop finden Sie zum Beispiel hier und das Reisebüro hier.
Nun werden Sie vielleicht sagen, dass wir schließlich auch diese Programme auf unserer eigenen Webseite nutzen. Das stimmt zwar, aber wir haben auch nicht vor, davon zu leben. Wir machen das vor allem zu Demonstrationszwecken. Es ist halt einfacher, ein Partnerprogramm direkt am Beispiel zu erklären. Alles andere ist wie Schwimmen lernen ohne Wasser.
Für Webseiten-Betreiber lohnt sich das nur, wenn man richtig viel Traffic auf der Seite hat. Ansonsten ist das lediglich ein nettes Zubrot. Und richtig viel Traffic wird man wohl nur mit echten Inhalten generieren können. Eine Art bezahlte Linksammlung reicht da wohl eher nicht aus. Es reicht eben nicht, lediglich eine schöne Domain zu haben. Denn Sie surfen ja auch nur auf Webseiten mit richtigem Inhalt, oder? Eine bloße Domain mit ein paar Werbebannern reicht halt als Geschäftsidee nicht aus.
Auch ansonsten stehen einige echte Klassiker zum Verkauf: Die obligatorische Limited oder die berühmte Incorporated. Na prima! Dann kaufen Sie also eine “Firma” mit der Adresse “Dritter Briefkasten rechts”. So etwas kauft man nicht im Internet. Die richtige Rechtsform besprechen Sie wohl doch besser mit dem Unternehmensberater oder Steuerberater Ihres Vertrauens. Auch nett ist das Angebot “Offshore-Firmengründung Panama AG mit eAccount”. Also wirklich, müssen wir das noch kommentieren?
Schön sind auch die diversen “Web 2.0 Projekte”, die dort zum Kauf angeboten werden. Einige davon sehen in den Demoversionen sogar richtig toll aus. Allerdings fehlt den ganzen Projekten etwas zum echten Unternehmen: Diese Projekte haben nämlich alle keine User, was sich für Internet-basierte Geschäftsmodelle als echtes Problem darstellt. Und auch das beste Aussehen der Demoversionen nützt nicht wirklich etwas, wenn es sich lediglich um Klone bekannter Web 2.0 Portale handelt. Denn Hand aufs Herz: Die User werden sicherlich lieber delicio.us oder MySpace besuchen als ein mickriges Portal ohne User auf einem schwächelnden Server, auf dem ein einzelner tapferer Administrator krampfhaft um Umsätze bemüht ist.
Bleibt also nur noch die Variante, dass ein Unternehmen eines dieser “Projekte” an ein bestehendes Geschäftsmodell anbindet. Aber in diesem Fall wird sich das Unternehmen wohl eher um professionelle Unterstützung bemühen.
Ebenfalls gerade im Angebot: “Internet Millionär in 24 Monaten”. Na ja, Millionär werden da wohl bestenfalls die Bauernfänger, die so etwas verkaufen. Immerhin erwerben Sie eine “Limited Edition” eines CD-Sets: 3 Bonus DVD’s und obendrein noch eine Bonus CD! Na, bei so viel Boni kann ja kaum noch etwas schiefgehen, oder?
Natürlich wurden nur 3.000 dieser sagenhaften Sets produziert, und da diese Sets einen empfohlenen Verkaufspreis von 799,00 € haben, werden sie hier in der Auktion ab 1,00 € verramscht. Ja, das klingt doch alles schon richtig seriös, oder? Wie jetzt? Das finden Sie nicht? Na, das können wir aber gar nicht verstehen.
Aber es wird natürlich noch besser. Denn wer ein echter Bauernfänger ist, der kann selbstverständlich immer noch einen draufsetzen. Denn Sie ahnen es bereits: Die wichtigste Vorausstzung die Sie mitbringen müssen, um in nur 24 Monaten Internet-Millionär zu werden, erfahren Sie gratis vorab. Nämlich den starken, unbeirrbaren Willen, Ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen und die Fesseln einer fremdbestimmten Arbeit abzustreifen. Und wenn Sie, liebe Leser, nichts davon abbringen kann, dieses Ziel zu erreichen und Sie fest entschlossen sind, Internet-Millionär zu werden, dann liefert natürlich just jenes Spitzen-DVD-Set alles Wissen, das Sie dafür brauchen. Na denn “Tschacka!”
Unser Tipp: Hier werden Sie maximal Millionär in türkischer Lira vor der Währungsreform. Oder aber nur Ihr Geld los. Also ehrlich, da ist selbst Lottospielen effizienter und das ist schon irrationaler Blödsinn.
Andererseits gibt es Unbelehrbare: Am 31.03.2008 hat dieses sagenhafte Schnäppchen bereits 22 Gebote. Der Preis steht bei aktuell 89,00 €. Die restliche Laufzeit der Auktion beträgt 22 Stunden und 5 Minuten. Nicht von ungefähr endet diese sagenhafte Auktion demnach am 01. April. Ja, da sind echte Witzbolde unterwegs.
Und was lernen wir jetzt daraus? Wie bei E-Mail-Spam ist auch hier der gesunde Menschenvsrstand gefragt. Ansonsten könnten Sie ja gleich das magische Dawah-Alphabet kaufen. Unser Tipp: Gönnen Sie sich für Ihr gutes Geld lieber etwas Schönes. Gerne natürlich auch bei ebay.
Gerne unterhalten wir uns natürlich einmal mit Ihnen über Themen wie Nachfolge, Business-Plan oder Existenzgründung.
Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook
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Unternehmensnachfolge - Merkwürdige Angebote
14.3.2008 von Jörg Haupt.
Das Thema Nachfolgeregelung steht dem Thema Unternehmensfinanzierung in nichts nach, wenn es um denkwürdige bis merkwürdige Angebote jenseits der Seriosität geht. Und da wir uns hier im Bereich dubiose Finanzgeschäfte tummeln, möchten wir Ihnen auch hier unser buntes Kaleidoskop der Merkwürdigkeiten ebenfalls nicht vorenthalten.
Eines noch vorweg: Meist lachen wir ja darüber. Aber manchmal fragt man sich doch, was die im folgenden (anonym) beschriebenen Damen und Herren sich wohl gedacht haben. Treudoof wird sogar uns Fachleuten mitunter der dümmste Mist unterbreitet, als wären wir grüne Jungs. Nun ja, da wir ja trotzdem Humor haben gibt es halt diese Rubrik hier. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! Freuen Sie sich auf folgende Themen:
- Die Spezialdruckerei
- Kuckuck!
- Wenn man sich geeinigt hat, wird erstmal verhandelt!
Die Spezialdruckerei
Für einen unserer Kunden - eine mittelständische Druckerei - suchten wir eine weitere Druckerei zwecks Übernahme. Ziel war die Expansion des bestehenden Geschäftes. Nach einiger Zeit stolperten wir über eine einschlägige Anzeige bei einem unserer Netzwerk-Partner. Demnach sollte eine seit über 36 Jahren am Markt bestehende Spezialdruckerei aus Altersgründen zum Verkauf stehen. Wie so oft fehlte der Nachfolger innerhalb der eigenen Familie und nun sollte dieser also durch Veräußerung des Unternehmens gefunden werden. Soweit so gut und auch nicht ungewöhnlich. Dann jedoch wurde es sehr schnell (vermutlich unfreiwillig) komisch.
Nachdem über unseren Netzwerkpartner der Kontakt hergestellt war, ging zunächst alles seinen geregelten Gang. Wir tauschten unsere Kontaktdaten mit dem Target aus und übersandten eine Verschwiegenheitserklärung. Diese erhielten wir kurz darauf unterschrieben zurück.
Dann folgten noch einige rudimentäre Daten und mit dem Eigentümer der Spezialdruckerei war nicht mehr normal zu reden. Seine Vorstellungen waren nun wie folgt: Wir sollten nun dem Kaufinteressenten seine Telefonnummer geben, damit die beiden einmal einen Termin machen könnten. Dabei wollte der freundliche Herr sehen, ob er mit dem Kaufinteressenten klar kommt. Na ja, und dann steht dem Kauf doch nichts mehr im Wege, oder?
So, liebe Leser, das sehen Sie anders? Nun ja, wir irgendwie auch. Immerhin ist die übliche Vorgehensweise, dass das zu kaufende Unternehmen einmal einer gründlichen Analyse unterzogen wird: Bilanzen, BWA, Strategie, Organisation, Marketing und ähnliche Kleinigkeiten. Außerdem waren die übermittelten (rudimentären und unvollständigen) Daten nicht gerade geeignet, das Vertrauen in die Spezialdruckerei und deren Eigentümer zu fördern. So waren - laut einer übermittelten Excel-Tabelle - die Umsätze von 1994 bis 2005 von 3.440.600 € auf 1.588.700 € geschrumpft. Über die Ertragssituation wurden gar keine Angaben gemacht. Unsere Anfrage nach testierten Bilanzen und BWA wurde mit der (sehr lautstark vorgebrachten) Antwort beschieden, man sei ja kein Penner und würde auch keine internen Daten an wildfremde Leute schicken.
Unser Tipp: Der freundliche Herr hat immer noch keinen Käufer gefunden. Denn wer kauft schon die Katze im Sack? Auch ein weiteres witziges Detail möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: Wir bilden uns ein, ein halbwegs verständliches Deutsch zu sprechen und auch zu schreiben. Oder ist es unverständlich, wenn sich eine Unternehmensberatung vorstellt, die im Auftrag eines Kunden - einer Druckerei - Interesse bekundet, eine andere Druckerei zu kaufen? Eigentlich nicht, oder? Wir erhielten jedoch die unwirsche Auskunft, dass wenn wir nicht aus der Druckbranche kämen, es sowieso keinen Zweck hätte, weiter zu reden.
Nun ja, da kann man doch nur eins vermuten, oder? Nämlich, dass hier nicht ernsthaft ein Käufer gesucht wurde. Unser Tipp: Gesucht wurde ein Dummer, dem man ein Pleite-Unternehmen für sein gutes Geld andrehen wollte.
Kuckuck!
Wir haben einmal - es ist schon etwas länger her - ebenfalls im Auftrag eines Kunden auf eine Anfrage reagiert. Hier sollte es sich um ein Unternehmen handeln, das weitestgehend der Werbebranche zugeordnet werden konnte. Es klang auch alles zunächst ganz toll: Das Unternehmen sollte etwas über 1 Mio DM (ungefähr 0,5 Mio €) Umsatz machen und Top-Referenzen haben. Welches Top-Unternehmen Sie sich nun auch immer ausdenken, liebe Leser, es sollte zu den Referenzen dieses sagenhaften Target gehören: DaimlerChrysler, Adidas, BMW, Beiersdorf, Deutsche Shell, Gerling, Lufthansa, Renault, Siemens, Reemtsma, Goodyear, Bosch, Krombacher, Nike und noch viele andere bekannte Namen.
Dumm nur: In den Unterlagen des Unternehmens selber war dazu gar nichts zu finden. Keine Projektdaten, kein Schriftverkehr - einfach gar nichts. Immerhin: Manchmal gab es tatsächlich ein Akquise-Schreiben an die “Referenzen”. Und was stellten wir fest: Die Eigentümerin dieses sagenhaften Unternehmens, die verzweifelt einen auf Grande Dame der Düsseldorfer High Society machte, hatte über Jahre hinweg die Insolvenz verschleppt, indem sie immer kurz vor knapp ein neues Unternehmen gegründet und zur nächsten Bank gezogen war.
Absolutes Highlight des Projektes war dann auch der Tag, an dem ein freundlicher Herr des Finanzamtes Düsseldorf Mitte lustige kleine Aufkleber an den meisten Einrichtungsgegenständen anbrachte. Unsere Grande Dame der Düsseldorfer High Society behalf sich im folgenden damit, die umgangssprachlich als “Kuckuck” bekannten Pfändungssiegel einfach mit kleinen Notizzetteln zu überkleben. Denn entgegen aller Beteuerungen, dass es sich um ein Missverständnis handele, kam beim Finanzamt Düsseldorf Mitte einfach niemand auf die Idee, die hübschen Aufkleber im Wasserzeichen-matt-Design wieder zu entfernen.
Nun, da wir mittlerweile BWA und Bilanzen gesehen hatten, verwunderte uns das nicht weiter. Denn entgegen den Angaben im Anzeigentext war nicht wirklich etwas von einem Umsatz um 1 Mio DM zu sehen. Um nicht zu sagen: Es hatte seit Jahren keine Umsätze gegeben, die auch nur ansatzweise in die Nähe der zunächst angegebenen Größe tendiert hätten. Mehrere Jahre hintereinander hatte das Unternehmen rote Zahlen geschrieben und das Eigenkapital war längst nicht mehr gedeckt.
Trotzdem hatte man ein “Beratungsunternehmen” eingeschaltet - interessanterweise ein Ingenieurbüro. Dieses hatte in einer geradezu abenteuerlichen Berechnung einen Unternehmenswert von 2,5 Mio DM - ungefähr 1,25 Mio € ausgerechnet. Also, sollte dieses Ingenieurbüro mit ähnlicher Sorgfalt tragende Bauteile berechnen, dann wird der Katastrophenschutz garantiert nicht arbeitslos. Nach dem Motto aus eins mach zwei wurden alle in den Planungsrechnungen angenommenen Umsätze einfach doppelt gewertet.
Toll auch: Nach diesen sagenhaften Berechnungen ergab sich pro Mitarbeiter eine Einbindung in Projekte von 63 Wochen im Jahr. Bemerkenswert, oder? Können Sie, liebe Leser, sich vorstellen, dass eigens zur Bewertung dieses Spitzenunternehmens das Jahr um 11 ganze Wochen verlängert wird? Also, wir nicht!
Die Pointe zum Schluss: Nach einer kurzen und schmerzlosen Analyse gaben wir unserer hochseriösen Grande Dame der Düsseldorfer High Society (die übrigens immer ein wenig zu penetrant parfümiert war) zu verstehen, dass ihr Unternehmen aufgrund der Illiquidität und des daraus resultierenden Unternehmenswertes von 0 € als Target nicht in Betracht käme. Die kompetenten Bananenbieger des erstklassigen Ingenieurbüros ergingen sich in Unflätigkeiten und unsere Grande Dame warf uns vor, wir wären Hochstapler. Nun denn!
Ironie des Schicksals: Scheinbar hat man tatsächlich noch einen Dummen gefunden. Zwecks Recherche dieses Artikels haben wir doch einmal ausprobiert, ob es das besagte Unternehmen noch gibt: Und tatsächlich: Zwar ist unsere Grande Dame immer noch als Eigentümerin im Impressum der entsprechenden Webseite vermerkt, hat jedoch einen Partner in das Unternehmen aufgenommen. Und die ganzen Top-Referenzen gibt es immer noch …
Ja, manchmal ist es fast schade, dass es diese Verschwiegenheitsklauseln in unseren Verträgen gibt. Manchmal wäre man fast geneigt - doch halt, an dieser Stelle breiten wir den Mantel des Schweigens über unsere sauberen Protagonisten.
Wenn man sich geeinigt hat, wird erstmal verhandelt!
Haben Sie so etwas schon einmal gehört? Nein, Wir aber, denn wir haben schon eine ganze Menge Projekte begleitet. Und da es scheinbar nichts gibt, das es nicht gibt, gibt es schnell noch die folgende, aberwitzige Story.
Wieder sollten wir einem Kunden helfen, ein im Zuge einer Nachfolgeregelung zu veräußerndes Unternehmen zu prüfen. Dieses Mal sah zunächst alles ganz gut aus, an BWA und Bilanzen gab es nicht viel zu mäkeln und der Kaufpreis schien auch in Ordnung. Deshalb wurde man sich relativ schnell handelseinig und die Anwälte begannen, die Verträge auszubrüten.
Doch dann geschah plötzlich etwas sehr merkwürdiges: Nachdem diverse Punkte in den Vertragsentwürfen bereits abgearbeitet waren, tauchten plötzlich immer neue Klauseln auf. Und diese wurden - mit Verlaub - von Mal zu Mal bekloppter: Zum Schluss sollte für sagenhafte 200.000 DM (heute 100.000 €) eine CD-ROM unbestimmten Inhalts veräußert werden. Ganz schön gaga, oder?
Ach ja, wir haben unserem Kunden nicht lange abraten müssen.
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Business Devils - Ein Erfahrungsbericht
27.2.2008 von Jörg Haupt.
Es gibt nicht nur Business Angels. Getreu dem Motto “wenn ich bei Ihnen investiere sind Sie irgendwann Ihr Unternehmen los” gibt es auch das genaue Gegenteil, treffend als Business Devil bezeichnet. Leider lassen sich Kunden immer nur so weit schützen, wie diese den Schutz auch zulassen. Oder anders ausgedrückt: Wer einen Berater engagiert, der sollte sich auch beraten lassen.
Business Angels - und daher ist der Begriff auch abgeleitet - verfügen über zwei Flügel: Einen Kapitalflügel, das bedeutet, er hat Interesse, sich in einem Unternehmen im Rahmen eines Investments zu engagieren. Der zweite Flügel ist der Know-How-Flügel. Dieser hat folgende Merkmale:
Der Business Angel zeigt die Bereitschaft, sich selbst persönlich zu engagieren. Er verfügt über Führungserfahrungen und Management-Know-How sowohl beim Aufbau als auch bei der Weiterentwicklung von Unternehmen. Im Idealfall bringt ein Business Angel sogar eigene Gründungserfahrungen ein. Weiter hat er ein konzeptionelles Denken, besitzt branchenbezogene Erfahrungen, Kontakte zu wichtigen Unternehmen und Personen, funktionelles Know-How (Technologie, Marketing, Vertrieb usw.) und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit jungen Unternehmensgründern.
Sicher, wir wissen, dass wir damit ein Idealbild zeichnen. Die meisten der oben beschriebenen Eigenschaften sollten aber erkennbar sein. An dieser Stelle sei auch einmal ein Hinweis an potentielle Interessenten für ein Business Angels Investment erlaubt: Keinesfalls sollten Sie einen Business Angel lediglich als reinen Investor sehen. Im Gegenteil - nutzen Sie die Chancen, die der zweite Flügel bietet!
Davon zu unterscheiden sind Business Devils. Business Devils geben vor, Business Angels zu sein. Sie geben vor, über zwei starke Flügel zu verfügen. Doch leider sieht die Realität etwas anders aus. Leider kann man nämlich anderen Menschen nur vor den Kopf gucken und niemand trägt das Attribut “Business Devil” groß und breit auf einem Schild vor sich her. Woran kann man also festmachen, dass man es mit einem Business Devil zu tun hat?
Nun, wichtig ist zum einen, dass Sie, liebe Leser im Falle des Falles einmal den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn Sie nämlich das Gefühl haben, Sie würden in der einen oder anderen Art über den Tisch gezogen, dann sollten Sie Stärke zeigen und nicht den Verlockungen des Kapitals erliegen. Hören Sie also durchaus auch einmal auf Ihr Bauchgefühl und - sofern Sie welche engagiert haben, wozu wir raten - auf Ihre Berater. Wichtig ist auch: Sollte der potentielle Business Angel Ihnen seine Berater aufdrängen, so können Sie in der Regel davon ausgehen, dass es sich um einen Business Devil handelt. Denken Sie immer daran, dass die Berater der anderen Partei nicht Ihre Interessen vertreten sondern die Interessen derjenigen, die die Rechnung bezahlen.
Wir haben einmal einen solchen Fall erlebt. Das Pikante dabei: Irgendwie hat der Business Devil es geschafft, den betreffenden Firmeninhabern quasi über Nacht eine regelrechte Gehirnwäsche zu verpassen. Die betreffenden Inhaber waren danach nicht mehr ansprechbar und auch nicht für sachliche Argumente zugänglich. Immerhin, die beiden steuern nun geradewegs in ihr Verderben und fühlen sich noch gut dabei. Auch das muss man erst mal hinbekommen.
Der Kunde, ein Unternehmen, das über eine zukunftsweisende Technologie im E-Commerce-Bereich verfügte, hatte uns engagiert, die Akquisition von Beteiligungskapital zu begleiten. Wir erstellten zunächst eine Summary, die die Aktivitäten und strategischen Optionen des Unternehmens beschrieb. Diese wurde in mehreren Präsentationsrunden vorgestellt.
Eine Anekdote am Rande: Der beschriebene Fall war die schnellste Kapitalakquise, die wir je erlebt haben. Denn bereits nach zwei Wochen (!) war ein potentieller Investor ausgemacht, der sich das Unternehmen ausgiebig anschaute. Und dann, ganz plötzlich, ohne auch nur einen der eingeschalteten Berater zu konsultieren, sickerte eher durch als dass man benachrichtigt wurde, dass der werte Herr sich am Unternehmen beteiligt hätte und auch seine Arbeitskraft von nun an einbringen würde.
Ja, soweit hört sich das ja ganz positv an, oder? Die Sache hatte jedoch einen Haken: Gesucht wurde nämlich eine Beteiligung in Höhe von 200.000 €. Unser lieber Business Devil beteiligte sich jedoch lediglich mit 20.000 €. Gleichzeitig verpasste er den Firmeninhabern eine regelrechte Gehirnwäsche und installierte seine eigenen Berater. Langjährige Geschäftspartner des Unternehmens wurden grob verprellt und viele Lieferanten (so auch wir) mussten juristischen Beistand suchen, um an ihr Geld zu kommen.
Wir haben unser Geld übrigens bekommen, wenn auch mit Verspätung. Andere waren nicht so glücklich dran: Denn seitens der Geschäftsführung wurden nun sogar einige Prozesse angestrengt, auch wenn diese gar nicht gewonnen werden können, das Unternehmen mithin gutes Geld kosten werden. Wo also liegt der tiefere Sinn der Aktion?
Nun, selbstverständlich gibt es diesbezüglich einschlägige Erfahrungen. Der Business Devil gibt in einem solchen Fall relativ wenig Geld für einen geringen Gesellschaftsanteil (wir erinnern uns: 20.000 € statt 200.000 €). Grundsätzlich scheinen die Konditionen also sogar ganz in Ordnung zu sein. Das Problem ist nur: Er mischt sich von nun an sehr stark in alle Belange des Unternehmens ein. In der Regel wird er sich vertraglich zusichern lassen, dass gegen seinen Willen keine neuen Gesellschafter aufgenommen werden können. In unserem Falle riss er die gesamte Geschäftsführung an sich, installierte seine eigenen Berater und verprellte alte Geschäftspartner.
Das klingt irgendwie alles nach feindlicher Übernahme, finden Sie nicht? Nun, das ist in der Regel auch der tiefere Sinn solcher Aktionen. Ist das Kapital aufgebraucht, schlägt der Business Devil nämlich zu: Er ist bereit, neues Kapital zu geben, allerdings nur gegen hohe Geschäftsanteile. Die Gesellschafter bzw. Unternehmensgründer müssen zähneknirschend akzeptieren, weil ansonsten Insolvenz droht. Meist werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. In unserem speziellen Fall tippen wir auf Programmierer im ehemals eigenen Unternehmen.
Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob wir das nicht hätten verhindern können. Ja, schon, nur setzt das natürlich voraus, dass man sich zum einen auch durch uns beraten lässt. Wichtig ist auch in dem Zusammenhang: Wenn man sich weigert, unsere Rechnungen zu bezahlen, stellt sich unsererseits plötzlich ein schier unglaubliches Desinteresse am Fortgang eines Projektes ein. Nun ja, wie gesagt: Unsere Business-Experten hier verlieren gerade ihr Unternehmen und fühlen sich noch gut dabei.
Übrigens gibt es auch noch andere Szenarien:
- Der Business Devil verlangt bereits in der ersten Finanzierungsrunde derart hohe Anteile an der Gesellschaft, dass keine Luft mehr für weitere Finanzierungsrunden bleibt. Das Ergebnis ist ähnlich wie im oben beschriebenen Fall: In weiteren Finanzierungsrunden werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. Damit verlieren Sie nicht nur den Einfluss, sondern partizipieren unterdurchschnittlich am Erfolg, dessen Grundstein sie einmal gelegt haben.
- Manche Berater bieten ihre gesamte Kompetenz gegen Anteile an. Vielfach versprechen sie eine weitreichende Management-Unterstützung, in Wirklichkeit werden sie jedoch eher schlechte Arbeit leisten oder Standard-Formulare aushändigen. Erst kürzlich haben wir eine Gründerin kennen gelernt, die zuvor an einen “Berater” geraten war, der für die Erstellung eines Business-Plans und die anschließende Kapitalakquise 30% der Anteile verlangt hatte. Kurios, die Gründerin hatte den werten Herren sogar engagiert. Einen richtigen Business-Plan hatte sie dafür nicht erhalten und auch seine “Investorenkontakte” waren eher durch das Abarbeiten einschlägiger Internet-Portale gekennzeichnet. Gleichzeitig sollte die Gründerin im Falle einer Kündigung des Vertrages (sozusagen als Strafgeld und Ersatz für die entgangenen 30%) 22.000 € zahlen. Nicht schlecht, oder?
Insgesamt lassen sich Business Devils durch folgende Punkte erkennen, wobei auch hier gilt, dass diese mehr oder minder ausgeprägt sein können:
- Sie verfügen über wenig Know-How (Wie gesagt, nicht alle Punkte müssen zutreffen. Im oben beschriebenen Fall verfügte der Business Devil über ein ausgeprägtes Know-How, das er jedoch gezielt gegen die Gründer einsetzte).
- Sie haben kaum Zeit. Auch das war in dem oben beschriebenen Fall anders. Der Business Devil hat das Unternehmen sehr genau analysiert. Dafür treffen die nun folgenden beiden Punkte zu 100% zu.
- Business Devils suchen eine neue Geschäftsführerposition oder neues Kundenpotential für ihr eigenes Geschäft (Raten Sie doch mal, wer im oben beschriebenen Fall nun Geschäftsführer ist).
- Business Devils suchen den Zugang zu Technologien und Patenten, die sie anderweitig vermarkten wollen (in unserem Fall hat er einfach das Unternehmen geschluckt).
- Sie bieten nur dürftige Beratung und verlangen dafür Anteile (wir erinnern uns an die Gründerin und ihren 30% Berater: 30% der Anteile und nur 30% Know-How).
- Business Devils verlangen für das bereitgestellte Kapital Sicherheiten in Form von Immobilien oder Bürgschaften. Auch solch einen lustigen Zeitgenossen haben wir schon kennen gelernt. In diesem Fall hat der Kunde sich nicht gegen seine Berater gewehrt. Im Gegenteil, ihm war der Business Devil selber suspekt. Dieser Vertreter war übrigens auch einer derjenigen, die keine Zeit hatten. Überdies war er sehr unhöflich und telefonierte permanent mit seinem Handy - wahrscheinlich ließ er sich anrufen, damit man ihn für wichtig hält.
Ach ja, die oben genannte Gründerin (genau, die mit den 30% respektive 22.000 €) sucht nun einen Business Angel, der ihr “kostenlos”, aber gegen Anteile den Business-Plan optimiert. Gleichzeitig rennt sie einem angeblichen Investoren-Kontakt hinterher, der mit großen und berühmten Namen nur so um sich schmeißt. Na ja, manche lernen es halt nie.
Unser Tipp: Die werte Dame trifft mit einiger Wahrscheinlichkeit früher oder später auf ihren Business Devil. Von der - übrigens gar nicht mal so schlechten - Geschäftsidee wird sie dann nicht mehr viel haben. Wenn sie Glück hat, bleibt ein Almosen übrig. Vielleicht trifft sie auch auf hoch seriöse Anbieter ganz toller Finanzierungs-Instrumente: Es soll da ganz geheime Programme der amerikanischen Notenbank geben, so genannte High Yield Investment Programs. Vielleicht lernt sie auch einen jüdischen Multimillionär, vorzugsweise Diamantenhändler kennen, der sie zur Durchführung eines Rip-Deals nach Mailand einlädt.
Wie auch immer, niemand soll sagen, wir hätten ihn nicht gewarnt. Wozu haben wir schließlich diese Rubrik hier?
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Die Geschäftsidee
27.2.2008 von Jörg Haupt.
Ist die Geschäftsidee erst einmal gereift, brennt man bekanntlich, sie in die Tat umzusetzen. Nun muss jedoch erst gesät werden, was irgendwann geerntet werden kann. In der Praxis bedeutet das in der Regel: Es muss eine Finanzierung für das Vorhaben gefunden werden. Und das ist der erste Schritt in Richtung Business-Plan.
Zunächst einmal sollten Sie Ihre Geschäftsidee auf ihre Erfolgsaussichten überprüfen. Denn nicht alles, was zunächst nach einer guten Idee aussieht, hat in der Praxis auch Aussicht auf Erfolg. Seien Sie also erhrlich zu sich selbst! Ist Ihr Vorhaben überhaupt realistisch?
Dazu möchten wir Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die wir so selbst erlebt haben:
Bei uns meldete sich eine Gründerin, die ein Geschäft für frische Kräuter eröffnen wollte. Auf unsere Nachfrage, wie sie auf diese Geschäftsidee komme sagte sie, dass sie gerne koche und dazu eben auch gerne frische Kräuter verwenden würde. Aber Hand auf’s Herz: Gibt es dafür einen Markt? Spielen wir das einmal durch: Die Gastronomie kauft im Großhandel, immer mehr Haushalte greifen auf die sogenannten Convenience-Produkte zurück - wie viele Kunden bleiben da wohl noch? Und was werden die wohl für einen Strauß Petersilie bezahlen?
Andererseits könnte es natürlich durchaus sein, dass ein spezieller Shop an einem angesagten Standort der Renner wäre. Dann vielleicht noch ein professioneller Web-Shop dazu - Sie sehen, es ist nicht immer ganz einfach, hier eine verbindliche Antwort zu geben.
Fragen Sie sich also selber einmal: Würde ich mich so verhalten, wie ich es von meinen Kunden annehme? Oder würde ich mein Produkt oder meine Dienstleistung meiner Frau, meinen Eltern, meinen Freunden usw. empfehlen?
Gut, zugegeben: Manche Geschäftsideen sind schon etwas komplizierter. Aber die Mehrzahl der Gründungen ist doch eher klassisch und nicht unbedingt Biotech, oder? Wenn Sie also die oben gestellte Frage, ob Sie Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung auch Verwandten und Bekannten empfehlen würde mit “ja” beantworten konnten, dann sollten Sie frisch ans Werk gehen. Bei komplexen Gründungen gilt: Bitte verzichten Sie nicht auf detaillierte Marktstudien. Im Wesentlichen können Sie aber das folgende Prüfungsschema anlegen.

Zur Absicherung sollten Sie in der Prüfungsphase externen Rat einholen. Dabei sollten Sie bedenken, dass Warnungen nicht immer nur als Miesmacherei zu verstehen sind. Vielmehr sind es Aufforderungen, nach brauchbaren Lösungen zu suchen, denn es ist immer besser, eine Lösung für ein nicht auftretendes Problem zu haben als eine fehlende Lösung für ein akutes Problem.
Also: Reden Sie mit Ihren Eltern, Ihren Freunden, Ihrem Partner. Fragen Sie sich, was Sie besser machen können als der Wettbewerb (den es bei fast jedem Gründungsvorhaben bereits gibt). Fragen Sie sich, wer überhaupt Ihre Wettbewerber sind und welche davon für Sie relevant sind. Ein Handwerksbetrieb aus Hamburg wird einem Handwerksbetrieb in München eher nicht in die Quere kommen - bei Biotech- oder IT-Unternehmen oder auch bei einer Reederei kann die Sache bereits völlig anders aussehen. Wichtig auch: Überlegen Sie im Vorfeld, wer Ihre Kunden sind.
Grundsätzlich gilt: Je komplexer Ihr Vorhaben ist, desto eher sollten Sie einen Unternehmensberater konsultieren. In jedem Fall sollten Sie Ihre Vision einmal mit einem Steuerberater diskutieren. Achten Sie darauf, dass der Berater keine Standardlösungen “abspult”. Denn jedes Unternehmen und jedes Gründungsvorhaben ist individuell zu getrachten. Das Letzte, was Sie brauchen können ist ein Fachvortrag oder ein Lehrbuch. Achten Sie darauf, dass der Berater sich verständlich ausdrückt. Fachchinesisch mag zwar kompetent klingen, hilft Ihnen aber nicht weiter, wenn Sie den Inhalt nicht verstehen. Oft verbirgt sich dahinter lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Und: Das erste Gespräch mit einem seriösen Berater ist in der Regel kostenlos.
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