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Archiv der Kategorie Beteiligung
Ohne Daten im Datenraum
8.12.2008 von Jörg Haupt.
Im Rahmen eines MBI-Projektes stand eine Due-Diligence-Prüfung an. Wir vertraten die Käuferseite und hatten Zugang zum Datenraum beantragt, da unsere Mandanten nach der Analyse des vom die Verkäuferseite vertretenden M&A-Beraters erstellten Information Memorandum weiterhin an einem Kauf des Unternehmens interessiert waren.
Gemeinsam mit einem weiteren, auf Bilanzen und Steuern spezialisierten Berater sowie einem Vertreter eines interessierten Investors meldeten wir also einen Termin im Datenraum an. Dieser war nicht elektronisch, sondern physisch in den Räumen einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei eingerichtet worden.
Im Vorfeld erhielten wir eine Zusammenstellung dessen, was wir im Datenraum vorfinden würden. Nun, diese Aufstellung war an sich nicht ungewöhnlich, denn sie enthielt die zu erwartenden Angaben: Demnach sollten uns unter anderem Bilanzen, Informationen zu Kunden- und Lieferantenstruktur, zu Pensionsverpflichtungen usw. vorgelegt werden.
Am vereinbarten Tag erschienen wir dann alle in der Düsseldorfer Anwaltskanzlei. Als wir den Datenraum betraten stockte uns fast der Atem: Zwei riesige Aktenschränke standen dort, vollgestopft mit Ordnern. Neben dem einen Aktenschrank stand noch ein Tisch mit weiteren fünf Ordnern, die offensichtlich nicht mehr in die Aktenschränke gepasst hatten.
Na, das sah ja nach richtig viel Arbeit aus! Ob wir das wohl an einem Tag schaffen konnten? Doch seltsam: In den beiden Aktenschränken waren lediglich Angaben zu Markenrechten. So konnten wir z.B. sehen, welche teils nicht mehr vom Target verwendeten Marken zu welcher Zeit in Timbuktu angemeldet worden waren. Interessant immerhin: Selbst völlig irrelevantes Zeugs konnte markenhistorisch bis in die Anfänge des Unternehmens verfolgt werden. Und das in etlichen Ländern, obwohl das Unternehmen fast ausschließlich in Deutschland aktiv ist.
Zu den restlichen, vorher angekündigten Informationen war dagegen nicht wirklich viel vorhanden. Doch halt! Sie erinnern sich vielleicht, liebe Leser. Richtig: Neben dem einen Aktenschrank befand sich ja noch ein Tisch mit fünf Aktenordnern. Und richtig: Da waren die Informationen, die wir suchten. Oder sollen wir sagen: Hier hätten sie sein müssen?
Wir schlugen die berühmten fünf Aktenordner auf und stellten fest, dass die angekündigten Informationen weitestgehend auch hier nicht vorhanden waren. Die angekündigten Bilanzen? Fehlanzeige. Informationen zu Kunden und Lieferanten? Allgemeines Gewäsch. Fazit: Ein teurer Tag mit Kunden, Beratern und einem Investorenvertreter völlig für die Katz!
Wir erteilten dem Vertreter des M&A-Beraters den Segen von Kloster Kamp (für die Nicht-Niederrheiner: Es setzte ein Donnerwetter). Schließlich erhielten wir die geforderten Informationen Tage später per PDF-Dokument via E-Mail übermittelt. Der Sinn und Zweck des Datenraums wurde so ad absurdum geführt.
Überhaupt ging der Vertreter des Beraters der Verkäuferseite teils sehr unsensibel vor. So war beispielsweise das zum Verkauf stehende Unternehmen bzw. das betreffende M&A-Projekt auch befreundeten Beratern bekannt. Unter anderem hatte der Berater des Verkäufers einen wilden Bieterwettbewerb für das Target vorgetäuscht. So ist dann ein wirklich interessierter Käufer aus dem Prozess ausgestiegen.
Überhaupt kam der Berater des Verkäufers zunächst daher, als handele es sich bei dem zum Verkauf stehenden Unternehmen um eine Perle der deutschen Industriekultur. In Wahrheit handelte es sich jedoch um einen Sanierungsfall. Und beim letzten Venture Capital Stammtisch in Düsseldorf berichtete uns ein Investorenvertreter von einem weiteren, ähnlichen Fall. Auch dort war das Information Memorandum des betreffenden Targets vor allem eins: Hochstapelei.
Wir vertreten jedoch die Meinung, dass ein solches Vorgehen wenig zielführend ist. Ganz gleich also, ob wir nun in einem Projekt die Käufer- oder Verkäuferseite vertreten: Wir ziehen es vor, die Stärken, aber auch die Schwächen des Unternehmens beim Namen zu nennen. Denn so geht niemand von falschen Voraussetzungen aus. Die Chancen auf einen Abschluss im Sinne unserer Auftraggeber sind jedenfalls höher, als wenn man - um beim zitierten Beispiel zu bleiben - eine Perle der deutschen Industriekultur verspricht, aber mit einem Sanierungsfall ums Eck kommt.
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Program Trading (6) - mal wieder
23.9.2008 von Jörg Haupt.
Das Thema Program Trading hatten wir beinahe schon vergessen. Doch irgendwie scheint es einen immer wieder einzuholen. Irgendwie entwickelt es sich zu einer unendlichen Geschichte, da offensichtlich immer noch bei vielen Mitmenschen die Gier über den Verstand siegt.
Da es bereits so viele Artikel zum Thema gibt erlauben wir uns an dieser Stelle einmal, auf die einzelnen Beiträge zu verlinken: Beitrag (1), Beitrag (2), Beitrag (3), Beitrag (4), Beitrag (5).
So, nun aber zur Sache: Wir waren gerade auf Geschäftsreise in Ungarn, als das Telefon klingelte. Dran war ein freundlicher Herr, der uns auf unsere Artikel zum Program Trading ansprach. Er hatte ein wenig im Internet recherchiert und war dabei auf das jhmc Magazin gestoßen. Da er uns gerade unterwegs zu unserem Projekt Balaton Business Park erwischte vereinbarten wir, ihn nach unserer Rückkehr zurückzurufen, was wir dann auch taten.
Die erste wichige Erfahrung dabei: Offenbar war dies wirklich niemand, der auf die Artikel zum Thema reagierte, bloß um dann im Anschluss zu versuchen, uns für die ach so tollen High Yield Investment Programs zu begeistern. Genau das haben wir nämlich bereits einmal erlebt. Ganz im Gegenteil: Er hat einen Bekannten, der diesen ominösen und nicht existenten risikolosen Festgeldanlagen wie ein Besessener nachläuft in der fast schon rührend anmutenden Erwartung, da könnte tatsächlich etwas dran sein.
Nun ja, zunächst können wir insoweit beruhigen: Die berühmt berüchtigten High Yield Investment Programs sind immer noch kompletter Blödsinn. Wir berichteten also von unseren Erfahrungen bei dem seltsamen Nachmittag auf dem berühmt berüchtigten Schloss mit der angeblich adligen angeblichen Expertin für das Program Trading, welche uns seinerzeit einen gewaltigen Bären aufbinden wollte.
Gut, bekanntlich haben wir uns seinerzeit keinen Bären aufbinden lassen. Der Bekannte des Anrufers ließ sich bislang jedoch von keinem Argument beeindrucken und läuft wohl immer noch diesen ominösen Angeboten hinterher. Der freundliche Anrufer wollte derweil wissen, ob uns diverse Namen etwas sagen würden.
Leider konnten wir ihm an dieser Stelle nicht wirklich weiterhelfen, was jedoch nicht verwundert, da nach allgemeiner Erfahrung diese Betrüger immer neue und natürlich falsche Namen benutzen. Dafür begannen wir dann ein wenig zu lästern und es ergab sich aus dem Gespräch eine neue Argumentation, weshalb das Program Trading garantiert Blödsinn ist.
Bekanntlich grassiert derzeit die sogenannte Subprime-Krise, in deren Verlauf diverse Banken und Investment-Unternehmen in arge Schieflage gerieten. Das traditionsreiche Bankhaus Lehman Brothers musste sogar Insolvenz anmelden.
Der aufmerksame Leser wird nun fragen, wie das denn sein kann, wo doch die High Yield Investment Programs als risikolose Festgeldanlagen jederzeit wie ein monetäres Pertetuum Mobile quasi die Lizenz zum Gelddrucken sein sollen. Wie kann es sein, dass eine Bank, die vermutlich zu den angeblich Top 100 zum Program Trading zugelassenen Banken zählt, einfach so in die Pleite rutscht. Man hätte sich doch nur ganz risikolos via High Yield Investment Program bzw. Program Trading aus dem Schlamassel holen können.
Wie jetzt? Sie meinen, diese Erklärung wäre arg einfach? Ja, das ist sie tatsächlich. Und wer nun immer noch glaubt, es gäbe risikolose Festgeldanlagen, so genannte High Yield Investment Programs, der ist es einfach selber schuld.
Soll er doch glauben, die Erträge würden diejenigen konventioneller Geldanlagen um ein Vielfaches übersteigen. Unseretwegen soll er sich auch den Bären aufbinden lassen, dieses auch Program Trading genannte Prozedere würde von der amerikanischen Notenbank Fed aufgelegt und fände im Geheimen statt. Solange er sich nur nicht bei uns beschwert, wenn man ihn über den Tisch zieht und sein Geld anschließend weg ist.
So, und zum Schluss nennen wir jetzt aber dann doch noch die Namen der angeblichen Experten für das Program Trading. Der freundliche Anrufer hatte nämlich seinerzeit auch eine E-Mail geschickt und den Sachverhalt kurz geschildert. Demnach soll ein Herr Krüger aus Rostock existieren, der versucht, Leuten die High Yield Investment Programs anzudrehen. Unterstützt wird er dabei von zwei sauberen Herren, die sich Klaus Kerner und Horst W. Schaber nennen. Und weil es so schön ist, avisieren diese Betrüger auch noch ein Treffen mit einem angeblichen Wirtschaftsprofessor. Ja, da fehlt wirklich nur noch die angeblich adlige angebliche Expertin für das Program Trading, oder?
Derweil hätten wir dann noch ein paar Fragen an die angeblichen Finanzexperten, die arglosen und vielleicht auch manchmal etwas zu gierigen Zeitgenossen ihr Geld mit hohlen Phrasen abluchsen wollen: Wenn es doch derartige risikolose Festgeldanlagen geben soll, warum ist Lehman Brothers dann pleite? Warum erwischte es seinerzeit Philipp Holzmann? Oder die Kirch Gruppe? Oder die Swissair? Fragen über Fragen. Und keine Antwort, die das Program Trading bieten könnte.
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Von Erfindern und Millionenwerten
16.8.2008 von Jörg Haupt.
Vor einiger Zeit wurden wir einem Gründer empfohlen, der diverse Erfindungen gemacht hatte. Nun war er auf der Suche nach einem Business Angel oder einer VC-Gesellschaft, die ihn in seinem weiteren Fortkommen finanzieren sollten. Er wandte sich zu diesem Zweck an ein Business Angels Netzwerk, das ihn mangels tragfähigem Businessplan an uns verwies.
Leider konnten wir dem Gründer nicht wirklich weiterhelfen. Denn bereits nach einem Gespräch und einigen E-Mails stießen wir auf einen Sachverhalt, der für eine Finanzierung ein großes Problem darstellt: Der gute Mann hatte einen Eintrag bei der Schufa. Dies ist natürlich nicht besonders hilfreich, wenn man von einem Investor Geld haben möchte.
Zwar meinte der Gründer, dies wäre ja lediglich ein privater Kredit gewesen, den er auch sofort zurückzahlen würde, sobald er denn genügend Geld hätte. Eine derart naive Sichtweise bringt das Projekt jedoch nicht wirklich nach vorn. Und wir haben im Übrigen bereits einmal ein Projekt begleitet, bei dem eine uns sehr spät offenbarte finanzielle Problemlage eine Finanzierung in letzter Minute zum Scheitern brachte.
Ebenfalls nicht hilfreich: Der gute Mann war einfach mal bei der Deutschen Bank hereinspaziert und hatte höflich nach einem Kredit über 3,8 Millionen € gefragt. Warum auch nicht, er hatte ja keine Sicherheiten, kein Eigenkapital und auch noch einen Schufa-Eintrag. Aber im Ernst: Ein solches Verhalten ist natürlich äußerst kontraproduktiv.
Wir haben dann dennoch versucht, dem guten Mann irgendwie zu helfen. Hier stießen wir jedoch sehr bald an Grenzen, da er uns offenbar nicht so recht glaubte, dass eine Planungsrechnung doch etwas fundierter sein und auch etwas mehr als lediglich Umsatz, EBIT, Anzahl der Mitarbeiter und Investitionsbedarf über einen Zeitraum von 5 Jahren enthalten muss. Diese Kennzahlen jedenfalls hatte er einmal irgendwie ausgewürfelt, ohne dass ihm zu entlocken war, wie er das denn angestellt hätte. Er meinte lediglich, dies “aufzuhübschen” wäre jetzt ja unsere Aufgabe.
Was hier wie eine Anekdote klingt, ist leider wirklich passiert und führte tatsächlich von unserer Seite zur Ablehnung einer Zusammenarbeit, was sehr schade ist, da einige der Erfindungen auf den ersten Blick durchaus Potential hatten. Viele Gründer machen jedoch auch den Fehler, dass sie auf Biegen und Brechen versuchen, nach einiger Entwicklungsarbeit einen Investor zu finden.
Leider muss man jedoch sagen, dass nicht jedes Projekt für einen Investor geeignet ist. Die Gründe sind vielfältig und können von einer sehr frühen Projektphase mit ungewissen Marktchancen bis hin zur Person des Gründers bzw. Teams reichen. In unserem Fall z.B. war es so, dass der Schufa-Eintrag und eine gewisse Beratungsresistenz, gepaart mit einem nur bedingt kaufmännischen Auftreten zusammen kamen.
Problematisch war auch sein Ansatz zur Bewertung seiner Erfindungen: Zwar hielt er mehrere Patente, setzte aber in der Bewertung seines praktisch keine Umsätze machenden Unternehmens Millionenwerte an, die als Basis für das Engagement eines Investors dienen sollten. Alleine für eins seiner Patente nahm er ein Marktvolumen von mehreren hundert Millionen € im Jahr an. Sein Patent “bewertete” er deshalb salopp mit 125 Millionen €. Nun ja, so geht es natürlich nicht.
Ein gangbarer Weg dagegen ist der Verkauf oder das Auslizenzieren von Rechten an Patenten. So berichtet enable, das Magazin für Unternehmer der Financial Times Deutschland in seiner Augustausgabe über diverse Möglichkeiten, sein Patent zu Geld zu machen - und damit das eigene Unternehmen zu finanzieren. Bekannte Beispiele gibt es genug.
So machte z.B. der Erfinder Artur Fischer, bekannt durch die Fischer Dübel oder auch die Fischer-Technik, eine seiner ersten Erfindungen auf eben diesem Wege zu Geld: Er verkaufte seine Erfindung, ein Foto-Blitzlichtgerät mit synchroner Auslösung an ein Unternehmen der Fotoindustrie und legte so den Grundstein zur weiteren Finanzierung der von ihm nur ein Jahr vor der Patentanmeldung gegründeten Fischerwerke.
Ein weiteres Beispiel für die Finanzierung von Unternehmen oder aber auch Forschungseinrichtungen durch Verkauf oder Auslizensierung ist das MP3-Format, ein Dateiformat zur Audiodatenkompression. Es wurde u.a. in Erlangen am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen entwickelt und bringt der Fraunhofer Gesellschaft jährlich Lizenzeinnahmen durch die Vermarktung ein.
Es gibt demnach durchaus einige Alternativen zur Finanzierung von Projekten. Auch hier gilt jedoch, dass man dem finanzierenden Partner, also dem Käufer oder Lizenznehmer des Patents, eine fundierte Betrachtung der Marktchancen des Projektes bieten muss. Letztlich läuft es wiederum auf einen Businessplan hinaus.
Was lernen wir also aus dem Projekt? Ganz einfach:
- Es reicht nicht, wenn ein Businessplan nur aus einigen Zeilen besteht. Er sollte zudem ein nachvollziehbares Geschäftsmodell beschreiben.
- Eine Planungsrechnung muss fundiert und belastbar sein. Sie sollte zudem von realistischen Annahmen ausgehen, die sich auch im Businessplan wiederfinden.
- Es reicht nicht, diese Daten “aufzuhübschen” - ein Businessplan ist mehr als “bunte Bilder”.
- Nicht jedes Projekt ist für die Finanzierung durch Business Angels, Venture Capital oder ähnliche Finanzierungsquellen geeignet.
- Das Vorhandensein eines Schufa-Eintrags ist immer relevant für die Finanzierung des Projektes.
- Mitunter sind andere Finanzierungsquellen wie z.B. Auslizenzierungen geeigneter für die Zielerreichung.
In diesem Sinne allen Erfindern ein gutes Gelingen und viel Erfolg.
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Marktvolumen 2,01 Billionen US-$ - Produkt noch nicht vorhanden
31.7.2008 von Jörg Haupt.
Neulich erhielten wir über die Business-Plattform XING eine Anfrage:
“Guten Tag Herr Haupt,
wäre unser Projekt interessant für Sie?
MfG
Namen nennen wir ja nicht”
Na, das ist doch mal eine sehr spezifische Anfrage, oder? Und das “MfG” ist eine stilistische Unart ohne Gleichen. Offenbar ist man dem anderen ja nicht einmal wert, dass er die freundlichen Grüße ausschreibt.
Wir schrieben also zurück:
“Sehr geehrter Herr Namen nennen wir ja nicht,
das weiß ich nicht. Um welches Projekt geht es denn?
Viele Grüße
Jörg Haupt”
Die verblüffende Antwort:
“Sehr geehrter Herr Haupt,
hatte angenommen, dass Sie meinen Artikel (Anmerkung des Autors: in einem XING-Forum) gelesen haben. Siehe unter “Über mich” auf meinem Profil.
Beste Grüße
Namen nennen wir ja nicht”
Na ja, ganz schön merkwürdig solch eine Anfrage, oder? Aber wir sind ja gar nicht so und ließen uns eine Summary des Business-Plans schicken. Wir erhielten ein dreiseitiges Dokument, demzufolge ein Maschinenbauunternehmen Seed Capital, also eine Frühphasenfinanzierung zur Herstellung einer Innovation suchte.
Die erste Sache, die sehr interessant war: Dieses innovative Unternehmen, das laut Summary eine Maschine für einen Nischenmarkt erfunden hatte, gab ein Marktvolumen von 2,01 Billionen US-$ an. Dies veranlasste uns, einmal nachzufragen, ob denn nicht ein Übersetzungsfehler vorliegen würde. Denn bekanntlich ist one billion im Englischen in der deutschen Übersetzung eine Milliarde. Die Antwort kam prompt: Nein, es seien wirklich etwas über zwei Billionen gemeint.
Heute haben wir dann einmal mit dem freundlichen Gründer telefoniert und natürlich haben wir ihn auf sein billionenschweres Marktvolumen angesprochen. Dabei kam heraus, dass er es mit der Marktabgrenzung und dem daraus abgeleiteten Marktvolumen bzw. Marktpotential nicht ganz so genau nahm. Gestatten Sie uns also einen kleinen Exkurs.
In einer fundierten Marktanalyse wäre zunächst einmal der relevante Markt abzugrenzen: Man unterscheidet hier nach sachlicher, räumlicher und zeitlicher Marktabgrenzung. Dies soll an einem Beispiel anschaulich erläutert werden:
So kann man z.B. den Markt für Urlaubsreisen sachlich eingrenzen hinsichtlich diverser Kriterien. Es gibt beispielsweise einen Teilmarkt für Pauschalreisen oder nur für Flüge. Der Markt für Kreuzfahrten beispielsweise lässt sich weiter unterteilen in die Teilmärkte Flusskreuzfahrten, Luxuskreuzfahrten, Expeditionskreuzfahrten, Hochseekreuzfahrten oder Segeltörns. Eine mögliche räumliche Marktabgrenzung des Teilmarktes Expeditionskreuzfahrten wäre dann z.B. das Zielgebiet Antarktis.
Die zeitliche Marktabgrenzung ist dagegen eher ein Spezialfall. Ein gutes Beispiel wäre eine Fußball-Weltmeisterschaft: Die Trikots der Spieler bzw. Mannschaften oder die mittlerweile zu jeder EM oder WM gehörenden Fahnen für das Auto sind außerhalb solcher Ereignisse eher schwierig abzusetzen. Dies umso mehr, da für jede Fußball-WM eigene Trikots designed werden. Der Markt für WM-Fanartikel ist also auf die unmittelbare Zeit vor und während eines solchen Events beschränkt.
Unser freundlicher Gründer jedoch hatte mit solchen Haarspaltereien weniger Probleme. Mit dem Hinweis, er hätte auch BWL studiert tat er das als irrelevant ab. Gemeint mit dem 2,01 Billionen US-$-Markt wäre das kumulierte Umsatzvolumen der Betriebe, die potentiell als Kunden in Betracht kämen.
Nun ja, das ist natürlich doch eine sehr eigenwillige Betrachtung. Demnach wäre z.B. der potentielle Markt für Dienstwagen so groß wie das Umsatzvolumen aller Unternehmen. Sie stimmen uns sicher zu, liebe Leser, dass eine solche Sichtweise doch sehr unseriös ist.
Unser freundlicher Gründer dagegen sagte uns am Telefon, für solche Kleinigkeiten hätte er keine Zeit. Klar, für einen potentiellen Investor ist es ja auch völlig egal, welche Absatzchancen das Produkt hat, in das er investieren soll. Wir in unserem Beraterteam schätzten den Markt hingegen so ein, dass weltweit lediglich einige hundert Unternehmen als Kunden infrage kommen. Aber wie gesagt: Wer wird sich denn gleich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten?
Gut, wir halten uns natürlich mit solchen Kleinigkeiten auf. Eine derart schlampige Marktanalyse und patzige Antworten auf Nachfragen dazu sind nämlich nicht geeignet, wenn man sich auf die Suche nach einem Investor begibt.
Auch weckt es nicht gerade Vertrauen, dass bereits die Marktanalyse derart schlampig bzw. unseriös ist, wenn es sich um eine Innovation handelt, von der man noch gar nicht weiß, ob sie denn überhaupt am Markt angenommen wird. Bedenkt man weiter, dass unser freundlicher Gründer nicht einmal einen funktionierenden Prototypen präsentieren konnte, dann wird das Projekt geradezu abenteuerlich. So reiht sich dieses Projekt wohl ein in eine ganze Reihe doch recht merkwürdiger kapitalsuchender Projekte, mit denen wir im Laufe der Zeit konfrontiert wurden.
Wir haben das Gespräch dann mit dem Hinweis beendet, dass wir uns wohl einig wären, nicht zusammenarbeiten zu wollen.
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Ein Unternehmen ist keine Kiste Bier
26.7.2008 von Jörg Haupt.
Ein Unternehmen ist keine Kiste Bier - vermutlich werden Sie sich über den Titel dieses Beitrags ein wenig gewundert haben. Wir möchten damit aber eine Sache zum Ausdruck bringen: Während man eine Kiste Bier ganz schnell und einfach kaufen kann, verhält es sich mit einem Unternehmen ganz anders.
“Können wir damit rechnen, dass das Unternehmen bis August verkauft ist?” - Diese Frage bekamen wir tatsächlich einmal von einer Unternehmerin gestellt. Da war es Juli und als Zeitraum des Verkaufs erhoffte sie sich tatsächlich lediglich einen einzigen Monat.
Nun, so schnell geht es natürlich nicht. Außerdem hängt es ja auch immer ein wenig davon ab, um welchen Typ einer Unternehmenstransaktion es sich handelt. In diesem speziellen Fall wurde das Unternehmen lediglich als Nebenerwerb zum eigentlichen Kerngeschäft der Unternehmerin betrieben. Ein solches Unternehmen ist immer ein wenig schwierig zu verkaufen.
Weiter ist zu beachten, dass man zunächst einmal diverse Informationen über das Unternehmen zusammenstellen muss. Was ist der Unternehmenszweck, wie steht das Unternehmen wirtschaftlich da, welche Wettbewerber gibt es und noch viele weitere Fragen sind zunächst einmal zu klären. Denn genau diese Informationen möchte ein potentieller Käufer haben und im Verlauf des Projektes dann in der Due Diligence prüfen.
Ein weiteres Problem: Wo bekomme ich einen Käufer her? Bei einer Kiste Bier ist das natürlich denkbar einfach, denn durstige Menschen gibt es viele. Bei einem Unternehmen muss jedoch einiges mehr zusammenkommen. Hier spielen diverse Aspekte eine Rolle: So muss z.B. jemand ein Unternehmen in exakt der Branche des angebotenen Unternehmens suchen. Auch müssen die Preisvorstellungen des Käufers und Verkäufers übereinstimmen. Und auch die Region muss natürlich passen. Denn es nützt ja nichts, wenn in Krefeld ein Malerbetrieb zum Verkauf steht, ein potentieller Käufer jedoch nur einen Betrieb in Süddeutschland übernehmen möchte.
Nicht zuletzt muss auch über den Kaufgegenstand Einigkeit herrschen: Wird das Unternehmen als Ganzes verkauft, mit oder ohne Immobilien oder werden etwa nur Teile des Unternehmens im Rahmen eines sogenannten Asset Deals übereignet?
Die nächste Frage: Wie findet man einen Käufer? Im Unternehmensmarkt der Jörg Haupt Management Consulting finden Sie immer einige Unternehmen, die zum Verkauf stehen. Doch bereits an der Tatsache, dass nicht alle Unternehmen oder Management-Teams, die von uns betreut werden dort gelistet sind ist erkennbar, dass vieles auch einfach auf persönlichen Kontakten beruht. Darüber hinaus empfehlen wir natürlich auch, zum Verkauf stehende Unternehmen in die einschlägigen Datenbanken wie die nexxt-Börse einzutragen.
Schließlich muss der Kauf eines Unternehmens auch finanziert werden. Neben Banken haben in den letzten Jahren Themen wie Business Angels, Venture Capital oder Private Equity an Bedeutung gewonnen.
Es zeigt sich demnach: Ein Unternehmen kauft oder verkauft sich eben doch etwas weniger schnell und einfach als eine Kiste Bier.
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