Infos

Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Anekdoten.

Calendar
Februar 2012
M D M D F S S
« Jan    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
272829  

Archiv der Kategorie Anekdoten

Heiße Luft im Social Web

In den Jahren, in denen es die Jörg Haupt Management Consulting gibt, habe ich manch merkwürdigen Termin erlebt. Vor allem, wenn es um das Thema Beteiligungskapital geht, entpuppten sich zunächst ganz interessant scheinende Geschäftsideen bei genauerer Analyse oftmals als Luftnummern. Doch das, was man uns kürzlich vorstellte, stellt alle bislang dagewesenen Merkwürdigkeiten glatt in den Schatten. Der folgende Bericht zeigt, wie man eine gute Geschäftsidee für den Beteiligungskapitalmarkt vollständig ruinieren kann.

Über einen Kollegen aus meinem Netzwerk erhielt ich Kenntnis über ein Projekt, das man den Themenkomplexen Social Media und Entertainment zuordnen kann. Der Kollege hatte das Projekt wiederum von einem Bekannten vorgestellt bekommen.

Wir erhielten eine Summary mit einer Projektbeschreibung, die das Projekt in einem sehr interessanten Licht erscheinen ließ. Würde das Projekt umgesetzt, so träfe man den Zeitgeist und würde sich zudem eine sehr interessante Wertschöpfungskette erschließen können. Auch die Summary machte einen ordentlichen Eindruck. Wir vereinbarten also einen Termin mit dem Management-Team.

Der Zufall wollte es, dass kurz vor dem Termin der Venture Capital Stammtisch in Düsseldorf stattfand. Also habe ich einfach einmal bei einem mir gut bekannten Beteiligungsmanager angefragt, wie seine Venture Capital Gesellschaft grundsätzlich das Geschäftsmodell des Projektes einschätzen würde. Das Feedback war, dass ich das Projekt auf jeden Fall vorstellen sollte, wenn ich den Auftrag bekäme.

Im Vorfeld des Termins mit den Projekt-Initiatoren gab es allerdings bereits eine erste Irritation. Wir, also der Kollege Leike und ich, sollten nämlich eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nun ist das natürlich grundsätzlich kein Problem. Die Vertraulichkeitserklärung der Projekt-Initiatoren enthielt jedoch eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Schlappe 5 Mio. € pro Fall sollte man zahlen, wenn man denn gegen die Verschwiegenheitserklärung verstoßen würde.

Nun ist es allerdings so, dass die Vermittlung von Beteiligungskapital nur dann funktioniert, wenn man in seinem Netzwerk auch mal mit dem ein oder anderen Kollegen oder auch Beteiligungsmanager sprechen darf. Außerdem bekommen sowohl wir Berater als auch die Venture Capital Gesellschaften derart viele Businesspläne und Geschäftsmodelle auf den Tisch, dass eine mit einer Vertragsstrafe von 5 Mio. € bewehrte Verschwiegenheitserklärung quasi einem Berufsverbot gleichkommt.

Aber gut, es kam dann ohne Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung zu einem Termin in Düsseldorf. Wir besprachen uns ungefähr eine Stunde mit den Gründern und gingen dann auseinander mit der Vereinbarung, ein Angebot bezüglich der Akquise von Beteiligungskapital vorzulegen. Ich persönlich habe den Termin auch als durchaus angenehm empfunden. Einige Tage später gab ich dann ein Angebot ab.

Doch was war das? Über meinen Kollegen Leike erfuhr ich, dass sich die Projekt-Initiatoren bei Herrn Leikes Bekannten über uns beschwert hätten. In einer mir vorliegenden E-Mail wurde Herrn Leike und mir vorgeworfen, dass wir nicht seriös seien.

Nun ist es natürlich eine Sache, mit vorgeschlagenen Konditionen nicht einverstanden zu sein. Eine ganz andere Sache ist es, sich gegenüber Dritten in geradezu ehrverletzender Weise über jemanden zu äußern. So war in der E-Mail zu lesen, ich wäre bei dem Treffen bezüglich des Geschäftsmodells “fast euphorisch” gewesen. Weiter hieß es, man würde annehmen, dass ich den Projekt-Initiatoren meine “Überzeugung” nur vorgespielt hätte, um an ein monatliches Salär zu kommen.

Na ja, interessant. Offenbar können sich unsere lieben Projekt-Initiatoren also nicht benehmen. Weiter hieß es dann, dass die Referenzen auf unserer Webseite einen Außenstehenden nicht überzeugen würden, da ja keine Firmennamen oder Empfehlungsschreiben angegeben würden. Hier wird es nun erstmals richtig interessant. Denn selbstverständlich sind auf meiner Webseite Referenzen auch namentlich angegeben. Weiter hatte ich angeboten, dass man sich mit der Realpulse GmbH kurzschließen könne, da sich dieses Unternehmen in einem vergleichbaren Marktumfeld bewegen würde. Konkret hatten wir ca. 10 Minuten über das Projekt Realpulse gesprochen.

Wenn nun aber einer der beiden bei dem Termin anwesenden Projekt-Initiatoren einem Elefanten im Porzellanladen gleich behauptet, wir würden nicht einmal Referenzen nennen, so fragt man sich doch, warum er das macht. Eigentlich gibt es nur zwei Erklärungen:

  1. Er kann weder zuhören noch sinnverstehend lesen. Dann ist er offensichtlich intellektuell nicht in der Lage, ein solches Projekt in die Wege zu leiten.
  2. Er hat bewusst gelogen. Dann ist er unseriös und dann kommt eine Akquise von Beteiligungskapital durch die Jörg Haupt Management Consulting natürlich ebenfalls nicht in Frage.

Ergo hakte ich das Projekt in Kenntnis der E-Mail ab.

Doch dann passierte etwas Unerwartetes. Der mir gut bekannte Beteiligungsmanager rief mich an und fragte mich, was denn aus dem Projekt geworden wäre, das ich ihm auf dem Venture Capital Stammtisch vorgestellt hätte. Diplomatisch sagte ich, dass wir keinen Auftrag hätten.

Mittlerweile war seit dem Venture Capital Stammtisch ein Monat vergangen. Da der Venture Capital Stammtisch monatlich stattfindet, unterhielt ich mich also bei entsprechender Gelegenheit erneut mit dem mir bekannten Beteiligungsmanager über das Projekt. Ich legte dar, dass sich die beiden Projekt-Initiatoren wie die offene Hose benommen hätten und wir deshalb von einer weiteren Bearbeitung des Projektes absehen wollten. Gleichzeitig waren wir uns mit dem Beteiligungsmanager aber einig, dass die Geschäftsidee hochinteressant wäre. Also kamen wir zwischen Tür und Angel überein, dass wir den Gründern einmal richtig auf den Zahn fühlen wollten. Der Kollege Leike und ich erklärten uns bereit, auf eigenes Risiko einen weiteren Termin wahrzunehmen. Ziel sollte es sein herauszufinden, ob tatsächlich eine ernst gemeinte Geschäftsidee hinter dem Management-Team steht.

Wir gingen so vor, dass nun der Kollege Leike nicht den - nennen wir ihn mal den Elefanten im Porzellanladen - kontaktieren sollte. Vielmehr rief Herr Leike den zweiten der beiden Gründer an, einen Steuerberater aus Bremerhaven. Von diesem erfuhren wir dann, dass das Management-Team noch weitere Mitglieder hat. Das geplante Internet-Portal könne man sich samt der restlichen Technik in der Nähe von Frankfurt ansehen.

Also fuhren wir am 14.11.2011 nach Bad Nauheim, um das gesamte Management-Team und auch die gesamte Technik kennenzulernen. Und dieser Termin war dann ganz großes Kino und richtig gute Comedy.

Als wir in Bad Nauheim eintrafen, war zunächst nur eine Person anwesend. Nach und nach trudelte das restliche Team ein. Das Ambiente war nett - man residierte in einer ansehnlichen Villa, wo die uns empfangende Person einen Büroraum mit einem eigenen Unternehmen belegte. Uns wurde gesagt, dass alle Mitglieder des Management-Teams eigene Unternehmen besäßen.

Insgesamt waren dann fünf Personen anwesend, von denen nur eine Person höflich genug war, uns auch eine Visitenkarte vorzulegen. Gut, zugegeben: Die Visitenkarten der beiden Gründer, die ich beim ersten Termin kennengelernt hatte, hatte ich zwischenzeitlich bereits weggeschmissen. ;)

Als letzter der fünf Gründer kam ein Herr in den Raum, der sich als Amerikaner ausgab und der seiner Rolle entsprechend viele Anglizismen benutzte. Der Bekannte des Kollegen Leike, der uns das Projekt seinerzeit vorgestellt hatte behauptete kürzlich, der Amerikaner würde sechs Sprachen sprechen. Nun ja, den vielen Anglizismen nach zu urteilen spricht er die Sprachen alle gleichzeitig. Aber kein Thema, das kann ich auch. Auch ich spreche fließend Esperanto. Es kommt nur auf die richtige Mischung von Füchschen Alt und Killepitsch an. ;)

Der Amerikaner ist übrigens so wichtig, dass er auf seiner Webseite nicht einmal Kontaktdaten hat. Dafür ist er auf einem Foto als sein eigenes Nackt-Model zu sehen. Außerdem braucht er vermutlich keine Adresse, da er ja laut eigener Aussage zwischen Zürich, Frankfurt, Lugano und New York ständig hin und her pendelt.

Nun scheint unser Amerikaner zwar keinen festen Wohnsitz, dafür aber einen tollen Anzug zu besitzen - den man übrigens ebenfalls auf einem der Mode-Fotos der ominösen Webseite bewundern kann. In seiner mit Anglizismen versetzten Selbstbeweihräucherung strotzte er nur so mit großen Namen. Elton John und Chris de Burgh, die er natürlich alle persönlich kennt, waren ebenso wie Rothschild total von dem Projekt begeistert. Auch Warner-Chappell wurde das Projekt natürlich bereits auf höchster Ebene vorgestellt und natürlich war man dort Feuer und Flamme und wartete nur darauf, dass unsere fleißigen Gründer doch bitte endlich loslegen würden.

Auch unser Amerikaner war nach eigener Darstellung trotz des offenbar fehlenden festen Wohnsitzes unermesslich reich, was natürlich sofort erklärt, weshalb unsere Initiatoren noch Beteiligungskapital suchen. Und die im Zusammenhang mit dem Projekt zu gründende Gesellschaft wird natürlich offshore gegründet, da Deutschland ja eh viel zu kleinkariert ist. Unter anderem wurde “BVI” (von unserem Amerikaner natürlich “BiehWiehEi” ausgesprochen) - die British Virgin Islands - als ersehnter Standort des zukünftigen Welt-Unternehmens auserkoren.

Ne, ist klar: Eine deutsche Venture Capital Gesellschaft wird sicherlich in ein Unternehmen investieren, das seinen Sitz an einem windigen und für seine Briefkastenfirmen bekannten Betrügerparadies hat. Keine Frage, diese Gründer haben doch irgendwas geraucht.

Zwischenzeitlich war dann ein weiteres Mitglied des Management-Teams dazu gekommen. Oder auch nicht, denn so genau weiß man das bei diesem “Projekt” nicht. Vorgestellt hat er sich nicht und eine Visitenkarte hatte er auch nicht. Dafür klaute er die Print-Version der Summary aus meinen Unterlagen. Gott sei Dank: Meine Brieftasche war nach dem Termin zum Glück noch da. Selbstverständlich ist das nicht, denn der wohnsitzlose Amerikaner klaute derweil die Printversion des Businessplans aus den Unterlagen des Kollegen Leike.

Auch wurde sich nicht so genau geäußert, ob dieser neu erschienene werte Herr nun Anteile an dem Unternehmen hat oder nicht. Andererseits enthielt die weiter oben zitierte E-Mail die Aussage, dass man am “vergangenen Wochenende” einen Investor gefunden hätte, so dass das Projekt bis Februar 2012 fertig programmiert werden könne. Dazu passt natürlich die im Termin in Bad Nauheim getroffene Aussage nicht, dass man einen Investor suchen würde, um das Projekt fertig zu programmieren. Auch fragt man sich, weshalb man denn einen Investor sucht, wenn der Amerikaner ohne festen Wohnsitz denn so reich sein möchte. Fraglich ist ebenso, weshalb Elton John oder Rothschild denn nicht die paar Euro aufbringen, wenn das Projekt doch so überzeugend ist.

Im Übrigen hatte der Steuerberater aus Bremerhaven gegenüber dem Kollegen Leike bereits erwähnt, dass eben kein Investor gefunden worden wäre. Hier stellt sich doch die Frage, ob der Steuerberater eigentlich seine Lizenz nicht mehr braucht, dass er sich mit solch einem windigen Mist abgibt. Na ja, vielleicht hat er ja Spielschulden? Wer weiß das schon? Oder er ist völlig inkompetent, denn er hat sehr fleißig mitgeschrieben als der Kollege Leike erklärte, was alles in eine Planungsrechnung gehört.

Die versprochene Technik haben wir übrigens ebenfalls nicht gesehen. Dafür hat man uns die uns eh schon bekannte Webseite gezeigt und erklärt, wie man auf ihr navigiert. Gut zu wissen, denn ich habe ja zum ersten Mal eine Webseite gesehen. Und solch einen YouTube-Klon kann ja auch jeder drittklassige Webdesigner aus einem beliebigen Open-Source-Content-Management-System zusammenkloppen.

Auch die Technik konnte demnach nicht überzeugen. Denn ein Video, das auf einer Webseite abgespielt wird, beeindruckt mich ebenso nachhaltig wie die Anglizismen unseres wohnsitzlosen Amerikaners.

Derweil pöbelte der Elefant im Porzellanladen rum, als ich erklärte, wie ein Beteiligungsprozess grundsätzlich funktioniert. Lauthals explodierend nörgelte er, dass es ja unmöglich sei, dass alles immer nach dem Willen der Investoren ginge. Gut, damit offenbarte er endgültig, dass er nicht zuhören kann oder will. Aber um Sachlichkeit ging es bei dem Klamauk, den man uns hier vorführte ja schließlich auch nicht.

Interessant war auch ein weiteres Detail: Man erklärte uns, dass man Berater wie uns gleich dutzendweise hätte. Man könne quasi mit Beteiligungskapital nur so zugeschüttet werden. Deshalb wolle man uns auch nicht monatlich vergüten. Vielmehr bot man uns eine Provision an, die man auch bei ca. 10% des eingeworbenen Kapitals ansiedeln könne. Unseren Einwand, dass in den meisten uns bekannten Beteiligungsverträgen vermerkt ist, dass das eingeworbene Kapital nicht zur Begleichung alter Berater-Rechnungen bzw. der sogenannten Finder’s Fee verwendet werden soll, hat der wohnsitzlose Amerikaner glatt überhört.

Statt dessen pöbelte er rum, dass er garantiere, dass aus dem eingeworbenen Kapital zuerst unsere Rechnung bezahlt werden solle. Gut, damit garantiert er uns, dass er den Investor bescheissen wird. Ergo garantiere ich, dass der wohnsitzlose Amerikaner und auch das restliche Management-Team nicht seriös ist.

Die Diskussion um mögliche und unmögliche Honorare nutzte ich dann, um das Gespräch zu beenden. Ich klappte meine Unterlagen zu und stand einfach auf. Der Elefant im Porzellanladen blökte mich daraufhin an, dass dies nun mein zweiter Fehler sei. Auch gut, obwohl ich bislang nicht rausgefunden habe, was mein erster Fehler gewesen sein könnte.

Der wohnsitzlose Amerikaner folgte dem Kollegen Leike und mir dann noch in den Flur, wo er uns dann doch noch seine Visitenkarten aushändigte und uns bat, dass wir uns doch noch überlegen sollten, für sein Projekt Kapital zu akquirieren. Dafür erhöhte er sein Provisionsangebot auf atemberaubende 12% des eingeworbenen Kapitals. Wir erläuterten, dass das Projekt nicht interessant für uns sei. Daraufhin forderte er seine Visitenkarten wieder zurück. Übrigens: Auch auf den Visitenkarten war keine Adresse vermerkt. Der Amerikaner scheint demnach tatsächlich keinen Wohnsitz zu haben.

So, und was lernen wir daraus? Ganz einfach: Ein seriöses Projekt hätte sich niemals derartig dargestellt. Wir vermuten, dass es eigentlich darum geht, unbedarfte Zeitgenossen mit großen Namen, einer schönen Idee und vielen Anglizismen zu beeindrucken um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen, das man dann auf den British Virgin Islands vertrinkt. Unserem gut bekannten und zunächst interessierten Beteiligungsmanager teilten wir indes mit, dass wir nach dieser auf unsere Kosten durchgeführten Due Diligence dringend von einer weiteren Bearbeitung des Projektes abraten.

Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook

zurück zur Artikel-Übersicht


Bookmark and Share

Von Uerdingern und gelernten Bankkaufmännern

Manchmal muss man sich wirklich wundern, wer so alles Kontakt mit einem aufnimmt. So haben wir ja kürzlich erst einen Beitrag über die merkwürdigen Vorstellungen mancher Gründer zur Suche nach Beteiligungskapital geschrieben. Doch auch in anderen Bereichen des Alltags als selbständiger Unternehmensberater erlebt man immer wieder Merkwürdigkeiten, die eher an Comedy als unternehmerischen Alltag erinnern.

So meldete sich kürzlich ein Interessent auf eine unserer Anzeigen in den einschlägigen Unternehmensbörsen. Eigentlich müssen wir sagen: Wir vermuteten, dass es sich um einen Interessenten handeln könnte, denn statt des üblichen Textes, den man von einem Interessenten ja erwartet, bestand seine Nachricht lediglich aus seiner Telefonnummer und der E-Mail-Adresse. Immerhin ließ sich aus der E-Mail-Adresse sogar der Name des Interessenten ableiten. Also schrieben wir ihm eine E-Mail:

“Sehr geehrter Herr (Namen nennen wir ja nicht),

Sie haben auf die Anzeige bezüglich der Autosattlerei (vgl. auch hier: http://marktplatz.jhmc.de/) geantwortet. Gerne werde ich Sie am Montag dazu kontaktieren.

Ich betreue den Verkauf des Unternehmens im Mandantenauftrag und ich bitte Sie, zur Vorbereitung des Austauschs vertraulicher Daten die unter http://www.jhmc.de/nda_verschwiegenheit_download.html hinterlegte Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet an mich zurückzusenden. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Haupt”

Wir erhielten folgende Antwort, die wir inklusive der Tippfehler hier wiedergeben:

“Sehr geehrter Herr Haupt,

vielen Dank für Ihre e-mail und Erstinformationen.

Als Uerdinger und gelernter Bankkaufmann bedarf es zunächst meiner Erklärung und Einhaltungsgewähr der Verschwiegenheit.

Dies sollte Ihnen vorab genügen, zumal mein Interesse durchaus nicht korespondieren könnte mit meiner Bonität in geschätzter Darlehenshöhe von mehr als 150.000 explizit des Anlagevermögens.

Umso reger wäre die Möglichkeit ein Beteiligungsmodel der Arbaitnehmer zu erstellen und den kaufmännischen und distributierenden Tätigkeitsbereich abzudecken, mit Geschäftsfelderweiterungen im Möbel- und Designsegment.

Nach Abbruch einer selbsständigen Praxisführung (Zahnarzt) und Liquiditätsmangel, wäre der Einstieg in diese Metier durchaus Wert, den Einstieg erneut zu wagen.

Lassen Sie uns am Telefon vorab die Chancen der Weiterführung debatieren oder aber seien Sie Offenherzig und Ehrlich raten zum Abstand an.

Ich erwarte Ihren Anruf unter (Telefonnummer) mit Freude.”

OK, liebe Leser, haben Sie verstanden, was der freundliche Herr sagen wollte? Nun ja, offenbar wollte er keine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Dennoch riefen wir ihn heute an. Wir erklärten, dass das Unterzeichnen einer Verschwiegenheitserklärung der übliche Einstieg in die Prüfung eines zum Verkauf stehenden Unternehmens wäre. Daraufhin sagte der freundliche Interessent, dass für ihn das gesprochene Wort bindend sei. Wenn wir dies nicht akzeptierten, so wüsste er ja, welch Geistes Kind wir wären. Dann bräuchten wir uns auch nicht weiter zu unterhalten.

Nun, das klingt doch alles sehr vertrauenerweckend, oder? Wir bestätigten, dass ein weiteres Gespräch sicherlich keinen Sinn machen würde. Denn wer es an Höflichkeit und notwendigen Formalien fehlen lässt, ist sicherlich nicht ernsthaft am Kauf eines Unternehmens interessiert.

Hinzu kommt, dass die Personalie des “Interessenten”, soweit aus seiner E-Mail ersichtlich, ja bereits diverse Fragen aufwirft: Erst ist er Bankkaufmann, dann Zahnarzt, der seine Praxis wegen Liquiditätsmangel schließen musste und nun will er ein Unternehmen kaufen? Welche Qualifikationen im Handwerk Autosattlerei bringt er wohl mit? Und was meint er mit “geschätzter Darlehenshöhe von mehr als 150.000 explizit des Anlagevermögens”? Fragen über Fragen und statt einer Antwort gab es unhöfliche Pöbelei.

Die Intention solcher “Interessenten” ist uns indes schleierhaft. Denn das kann doch niemals eine ernst gemeinte Anfrage gewesen sein. Und ein paar Formalitäten gehören nun einmal dazu. Oder glaubt hier irgendjemand ernsthaft, dass wir ohne formale Absicherung vertrauliche Daten wie z.B. Bilanzen des Unternehmens aushändigen würden?

Interessant, was man im Laufe eines Berufslebens so alles erlebt. ;)

Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook

zurück zur Artikel-Übersicht


Bookmark and Share

Wir arbeiten nicht nach der “Technologie von L. Ron Hubbard”

Im letzten Jahr haben wir ein mittelständisches Unternehmen bezüglich seiner Ablauforganisation und in Fragen des Marketing beraten. Im Zuge dieser Beratung beantragten wir gemeinsam mit dem Unternehmen eine Beratungsförderung und erhielten diverse Unterlagen, die es nun auszufüllen galt.

Unter anderem erhielten wir einen “Fragebogen Unternehmensberatung”, der zunächst einmal ganz normale Fragen enthielt: Außer zu unseren Kontaktdaten, Erfahrungen und Referenzen wurden wir zu den Inhalten des Projektes befragt. So sollten wir u.a. ankreuzen, ob die Probleme des Unternehmens unserer Meinung nach in den Bereichen Technik, Personal, Produkte, Organisation, Finanzen oder “sonstiges” liegen würden. Auch sollten wir angeben, wie wir in diesem Falle vorgehen wollten.

Das alles ist ja an sich nicht ungewöhnlich und auch völlig in Ordnung. Auch gegen die im Fragebogen abgegebene Versicherung, dass wir an dem zu beratenden Unternehmen nicht beteiligt seien und auch in keinem Verwandschafts- oder Angestelltenverhältnis des Unternehmens bzw. Unternehmers stehen würden, ist überhaupt nichts einzuwenden.

Doch dann steht am Ende des Fragebogens folgender Satz: “Ich/Wir versicher(n)e, dass ich/wir weder nach der “Technologie von L. Ron Hubbard” arbeite(n) noch entsprechend geschult werde(n) oder wurde(n).”

Wir müssen zugeben, dass wir der Sicherheit halber einmal Wikipedia befragten: L. Ron Hubbard - war das nicht der Scientology-Gründer? Tatsache, der war wirklich gemeint.

Nun ja, zunächst einmal konnten wir beruhigt unterschreiben, dass wir nicht für eine kriminelle Sekte arbeiten. Andererseits verwundert es schon, dass eine regionale Wirtschaftsförderung sich dies explizit bestätigen lässt. Denn schließlich mussten wir ja mit gleichem Fragebogen auch nicht bestätigen, dass wir keine Schutzgelderpresser der Camorra sind. Auch verlangte niemand, dass wir z.B. nachweisen, dass wir niemanden für Terror-Trainingscamps in Pakistan oder Afghanistan anwerben. Um so mehr verwunderte uns der Hinweis auf diese zweifelhafte Sekte.

Für uns war das immerhin einmal ein Grund, genauer nachzulesen, was denn diese lustige Sekte so alles macht. Passenderweise erschien in diesem Jahr ein Artikel im Stern, in dem ein Redakteur undercover als Scientology-Aspirant den ganzen Laden ein wenig näher unter die Lupe nahm.

Überraschenderweise berichtet der gute Mann von reichlich primitiven Methoden, gutgläubigen Menschen ihr gutes Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir hätten nämlich subtilere Vorgehensweisen erwartet. Der freundliche Stern-Redakteur berichtet jedoch überwiegend von Handy-Terror.

L. Ron Hubbard war ein zweitklassiger Betrüger und drittklassiger Science-Fiction-Autor, der mangels schriftstellerischen Erfolges irgendwann auf die glorreiche Idee kam, eine Sekte zu gründen. Seiner Leere, Verzeihung, Lehre nach wurde die Menschheit vor 75 Millionen Jahren von einem galaktischen Herrscher namens Xenu auf die Erde gebracht, in Vulkane gesteckt und mit Wasserstoffbomben in die Luft gejagt. Glücklicherweise konnten sich die Seelen der Getöteten in die Körper einiger weniger Überlebender retten, in deren Nachfahren sie heute noch gefangen seien.

Ja, böse Falle, im wahrsten Sinne des Wortes. Doch glücklicherweise gibt es auch hier einen Ausweg: Die gefangenen geistigen Wesen - Thetane genannt - können erlöst werden! Natürlich nur gegen Absolvierung eines ebenso teuren wie sinnlosen von Scientology angebotenen Kurssystems. Tom Cruise ist übrigens bereits richtig toll erlöst und zum “operierenden Thetan” aufgestiegen. Wir gratulieren.

Nun kann man sicherlich sagen, dass wer so einfältig ist, auf diesen Schwachsinn hereinzufallen, es auch nicht besser verdient hat. Immerhin sind die merkwürdigen Lehren und die Technologie des L. Ron Hubbard offensichtlich auch nicht besser als das von uns so geliebte und deshalb reichlich zitierte magische Dawah Alphabet.

Anderererseits scheint auch diese gigantische und perfide Abzocke psychisch weniger gefestigter Menschen ganz gut zu funktionieren. Denn immerhin gehen Schätzungen davon aus, dass diese Gaga-Sekte weltweit beachtliche rund 100.000 Mitglieder haben soll, die sich einem rigiden Straf- und Kontrollsystem unterziehen müssen. Dabei wird Scientology von Los Angeles aus streng hierarchisch geführt. Offensichtlich ist diese Sekte doch ein recht lukratives Geschäft.

Nun mögen Sie, liebe Leser, sicherlich sagen: “Egal, macht doch das Kreuzchen im Fragebogen und gut ist!” Klar, das haben wir natürlich gemacht. Wir haben gerne bestätigt, dass wir nicht unseren Mandanten ein fragwürdiges Schulungssystem einer kriminellen Vereinigung mit mafiösen Strkturen aufschwatzen, die zudem noch als verfassungsfeindlich eingestuft wird. Die Förderung wurde schließlich auch bewilligt und das Projekt erfolgreich durchgeführt. Dennoch darf man an dieser Stelle doch mal genüsslich ablästern, oder?

Ach ja, sicherlich fragen auch Sie sich, liebe Leser, was die wirren Ideen von in Vulkane gesteckten und mit Wasserstoffbomben hochgejagten Thetanen mit Unternehmensberatung zu tun haben könnten. Nun ja, wir haben auf viele Fragen eine Antwort. In diesem Fall jedoch müssen wir die Antwort schuldig bleiben. Wir wissen es schlicht und ergreifend nicht.

Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook

zurück zur Artikel-Übersicht


Bookmark and Share

Plötzlich Vorstand

Unverhofft kommt oft - so könnte man diesen Beitrag untertiteln. Denn vor einiger Zeit erhielt die Jörg Haupt Management Consulting einen Brief vom Amtsgericht. Dieser hatte sinngemäß folgenden Inhalt:

Ich, also Jörg Haupt, wurde unter Androhung eines Zwangsgeldes durch das Amtsgericht Krefeld aufgefordert, den Vorstandswechsel der Großkotz AG im Handelsregister eintragen zu lassen. Also schrieb ich einen Brief an das Amtsgericht Krefeld:

“Aktenzeichen 40 HRB 9881 - Handelsregistersache Großkotz AG - Widerspruch

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Schreiben vom 20.09.2006 habe ich heute erhalten. Mit großer Verwunderung habe ich Ihre Aufforderung zur Kenntnis genommen, den Vorstandswechsel innerhalb der Großkotz AG notariell anzumelden. Denn mir ist nicht bekannt, ob es einen Vorstandswechsel bei besagtem Unternehmen gegeben hat. Zudem glaube ich nicht, dass es mir als außenstehendem Dritten möglich wäre, eine solche Anmeldung vorzunehmen, wenn ich von einem Vorstandswechsel Kenntnis erlangen würde. Soweit ich informiert bin, setzt eine Verpflichtung zu einer solchen Anmeldung irgendeine Verbindung zu besagtem Unternehmen voraus. Dies ist jedoch nicht gegeben. Bitte wenden Sie sich doch an die geeigneten Ansprechpartner.

Gleichzeitig verwahre ich mich gegen Ihre Androhung, ein Zwangsgeld gegen mich festzusetzen. Auf welcher Rechtsgrundlage sollte dies fußen?

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Haupt”

Aber damit war die Angelegenheit natürlich noch nicht erledigt. Denn das Amtsgericht Krefeld beharrte nun auf der Darstellung, dass ich Vorstand der Großkotz AG sei und schickte noch bevor ich den oben zitierten Brief abgeschickt hatte ein weiteres Schreiben:

“Sehr geehrter Herr Haupt,

uns ist angezeigt worden, dass Sie Vorstand der Großkotz AG sind. (…)” Ich, also Jörg Haupt, wurde aufgefordert, dies auch im Handelsregister eintragen zu lassen, da eine entsprechende Eintragung - so das Amtsgericht Krefeld in seinem Schreiben - nicht erfolgt sei.

Ja, das war ein interessantes Schreiben. Denn mir war zwar bekannt, dass es die Großkotz AG tatsächlich gab (natürlich unter einem anderen Namen, über den wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens hüllen). Andererseits war ich nicht Vorstand dieser ominösen Aktiengesellschaft. Ich bin mir sicher, das hätte ich mitbekommen.

Ich rief also beim Amtsgericht Krefeld an um zu erfahren, wie man denn dort auf die Idee käme, dass ausgerechnet ich Vorstand der Großkotz AG sein könnte. Der freundliche Mitarbeiter des Gerichts klärte mich auf, dass man einen entsprechenden Brief von einem der Aufsichtsratsmitglieder erhalten hätte.

Merkwürdig. Ich war also Vorstand geworden, ohne davon zu wissen. Also schrieb ich wieder einen Brief an das Amtsgericht Krefeld:

“Aktenzeichen 40 HRB 9881 - Handelsregistersache Großkotz AG - Widerspruch

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr Schreiben vom 02.10.2006 habe ich heute erhalten. Wie bereits in meinem Schreiben vom 04.10.2006 mitgeteilt, bin ich für die Angelegenheiten der Großkotz AG der falsche Ansprechpartner. Umso größer war meine Überraschung, als Sie mich in Ihrem neuerlichen Schreiben sogar als den Geschäftsführer des Unternehmens bezeichnen.

Ich möchte mit diesem Schreiben einmal folgendes klarstellen: Ich nehme für das o.g. Unternehmen keinerlei Funktionen wahr. Weder kann ich Ihnen deshalb irgendeinen Vorstandswechsel anzeigen (darf ich das nun so interpretieren, dass ich Vorstand sein soll?), noch kann ich Ihnen einen Jahresabschluss für die Großkotz AG einreichen.

Ich fordere Sie deshalb auf, mir gegenüber offenzulegen, auf welcher Grundlage Sie zu der Annahme gelangt sind, dass ich für die Großkotz AG irgendeine Funktion ausüben könnte.

Weiter ist dies bereits das zweite Schreiben, in dem Sie mir ein Zwangs- bzw. Ordnungsgeld androhen. Ich lege hiermit Rechtsmittel dagegen ein und mache Sie darauf aufmerksam, dass dafür jegliche Rechtsgrundlage fehlt.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Haupt”

Doch es sollte noch besser kommen. Kurz darauf traf ein Schreiben des Wichtig Zentrums Niederrhein ein. Das Wichtig Zentrum Niederrhein war offensichtlich der Vermieter der Büroräume der Großkotz AG und schrieb mich an wegen ausstehender Mietzahlungen. Ich solle doch in meiner Funktion als Vorstand der Großkotz AG dafür Sorge tragen, dass diese Außenstände beglichen würden. Ansonsten würde man Klage erheben.

Interessant, oder? Gut, zunächst einmal kann ich Sie, liebe Leser beruhigen. Mangels Vertrag mit der Großkotz AG konnte ich nachweisen, dass ich nicht Vorstand der Großkotz AG war. Wie aber konnte es dazu kommen, dass der Vermieter der Großkotz AG und auch das Amtsgericht angenommen hatten, ich könne eben jene Funktion innehaben?

Fangen wir also ganz von vorne an: Die Großkotz AG war nämlich keine Unbekannte für uns. Vielmehr gab sie vor, über Investorenkontakte zu verfügen und diese zu vermitteln. So hatten wir von der Großkotz AG Kenntnis erlangt. Und mit unserer Hilfe gelang es der Großkotz AG tatsächlich, einigen Projekten Investoren zu vermitteln.

Gegründet wurde die Großkotz AG mit viel Tamtam vor einigen Jahren auf Betreiben eines netten Herren, nennen wir ihn Herrn Biene. Ähnlichkeiten mit seinem richtigen Namen wären natürlich rein zufällig, wie auch bei allen anderen, nun folgenden Namen. Wir möchten Herrn Biene nicht einmal irgendeine böse Absicht unterstellen. Er betrieb die Gründung der Großkotz AG, sammelte eine beträchtliche Menge Geld ein, mietete sich in repräsentativen Räumen an der Königsallee in Düsseldorf ein - und verstarb.

Herr Biene hatte aber nicht nur Frau und Kinder, sondern für den Fall, dass es ihm zwischen den Beinen im Gemächt zuviel juckte auch noch eine Gespielin, nennen wir sie Frau Pfennig. Praktischerweise hatte Herr Biene Frau Pfennig direkt bei der Großkotz AG eingestellt, denn so sparte man sich die stundenweise Anmietung eines Hotelzimmers.

Nach dem Tod von Herrn Biene wurde Frau Pfennig Vorstand der Großkotz AG, denn sie war ja nunmal da und praktischerweise hatte sie sich ja auch hochgeb… äh - eingearbeitet.

Im folgenden erstellte Frau Pfennig sehr viele Business-Pläne, aus denen hervorging, was man denn mit der tollen Großkotz AG so alles anstellen könnte. In der Zwischenzeit genehmigte sie sich ein bescheidenes Gehalt von 10.000,- DM, also ca. 5.000,- € im Monat. Warum auch nicht, denn man hatte ja einige Dumme gefunden, die für viel Geld Aktien der Großkotz AG gezeichnet hatten. Da fiel es natürlich nicht ins Gewicht, dass die Großkotz AG kein operatives Geschäft hatte.

Gut, OK, Sie haben ja recht, liebe Leser. Natürlich fiel es sehr wohl ins Gewicht, dass der Großkotz AG der Umsatz fehlte und nach nur 12 Monaten großzügig bemessener Gehälter für Frau Pfennig und die Mitglieder des Aufsichtsrats sowie einiger weiterer Kosten war das viele schöne Geld natürlich weg und die Ratten verließen das sinkende Schiff.

Zwischenzeitlich war man denn auch aus den teuren Büroräumen an der Kö in Düsseldorf ausgezogen (also direkt nach dem Tod von Herrn Biene) und hatte sich etwas bescheidener im Wichtig Zentrum am beschaulichen Niederrhein eingemietet.

Das war auch gut so, denn so konnte ein gewisser Herr Diedrichs in seiner Funktion als Aktionär und Aufsichtsratsmitglied der Großkotz AG auch gleich die Miete beim Wichtig Zentrum stunden. Denn praktischerweise war Herr Diedrichs auch noch Geschäftsführer des Wichtig Zentrums. Und er hatte auch gar kein Problem mit diesem Interessenkonflikt, da er diesen zugunsten seiner eigenen monetären Interessen ganz einfach ignorierte.

Frau Pfennig kündigte derweil ihre Stelle als Vorstand der Großkotz AG und verkaufte ihre Aktien einer netten Dame, die bis dato Sekretärin der Großkotz AG war, nennen wir sie Frau Schmerz.

Frau Schmerz kaufte die Aktien übrigens recht günstig auch von einigen anderen Aktionären und schaffte es auf diese Art, nun ihrerseits Vorstand zu werden. Auch das war ungemein praktisch, denn Frau Schmerz hatte einen Ehemann, den Herrn Schauinsland. Eigentlich hieß Frau Schmerz auch “Schmerz-Schauinsland”, doch damit man diese Konstellation nicht auf Anhieb durchblickte zog sie es vor, sich im Rahmen ihrer Funktion als Vorstand der Großkotz AG nur “Schmerz” zu nennen.

Dies tat sie durchaus mit Bedacht, denn ihr Mann, Herr Schauinsland, war ein untersetzter Zotenreißer auf niedrigem Niveau. Er vertickte - und das ist wörtlich gemeint - nicht wirklich benötigte “Beratungsleistungen” einer angeblichen “Unternehmensberatung”. Die “Beratungsleistungen” dieses tollen Unternehmens bestehen darin, mittelständischen Unternehmen einen monatlichen Beitrag abzunehmen und als Gegenleistung weitgehend unbrauchbare Floskeln und Standard-Formulierungen abzuliefern.

Mit dieser grandiosen Tätigkeit war Herr Schauinsland vor einiger Zeit noch grandioser gescheitert. Nun musste er im Zuge der nach seiner Insolvenz eingetretenen Wohlverhaltensphase seine Gläubiger bedienen, soweit er dazu wirtschaftlich in der Lage war. Alternativ verdiente er lieber unter dem Existenzminimum und ließ seine Gläubiger leer ausgehen.

Da war es natürlich praktisch, dass seine liebe Ehefrau Schmerz-Schauinsland gerade Vorstand der Großkotz AG geworden war. Denn so konnte sie als Vorstand so tun, als ob sie ein Vorstandgehalt ausgezahlt bekäme. In Wahrheit waren dies die Provisionen, die Herr Schauinsland einfuhr. Herr Schauinsland war jedoch als geringfügig Beschäftigter eingestellt. Dank vereinbarter Gütertrennung konnte man so nicht nur Mittelständlern wertlose “Beratungsleistungen” verkaufen. Man konnte soger die vollen Provisionen dafür einstreichen und auch noch seine Gläubiger bescheissen.

Ja, und so hätte das nun ewig weitergehen können. Doch dummerweise hatte Herr Schauinsland ein schwaches Herz und kippte alsbald aus den Latschen. Da er nun krankheitsbedingt eine zeitlang ausfiel und die liebe Frau Schmerz nicht wirklich Ahnung hatte, wie sie entweder ebenfalls arglosen Mittelständlern unbrauchbare Leistungen verticken oder aber - noch schwieriger - dem Unternehmenszweck der Großkotz AG folgend tatsächlich Investoren suchen und an Unternehmen vermitteln sollte, war alsbald die Großkotz AG insolvent.

Und das ist der Punkt, an dem wir und einer unserer Geschäftspartner ins Spiel kamen. Da wir der Großkotz AG einmal geholfen hatten, für deren Projekte einige Investoren zu finden kam man dort auf die glorreiche Idee, uns einmal anzusprechen, ob wir nicht die Großkotz AG übernehmen wollten.

Das haben wir auch tatsächlich ernsthaft geprüft. Denn damals war es noch möglich, bei einem vollständigen Gesellschafterwechsel einen Verlustvortrag geltend zu machen. Außerdem standen wir in Kontakt zu einigen Investoren, die Interesse hatten, die Großkotz AG wieder mit liquiden Mitteln auszustatten.

Blöderweise gab es da noch einige Altaktionäre, die hofften, dass nun ein paar neue Dumme kämen, die ihnen nun die wertlose Großkotz AG quasi umsonst sanieren würden. Allerdings wollten unsere Investoren verständlicherweise einen Neuanfang nur unter der Voraussetzung, dass alle Altaktionäre aus dem Unternehmen austreten würden.

Da aber die verbliebenen Altaktionäre nicht verkaufen wollten, kam der ganze Deal nicht zustande. Da wir weder Aktien der Großkotz AG besaßen, noch die Großkotz AG in der Lage war, uns zu bezahlen und auch außerdem die Historie der Großkotz AG bei Licht betrachtet eher bedingt seriös anmutete, wurde ich, Jörg Haupt, auch nicht Vorstand der Großkotz AG, wie es unser Business-Plan zunächst vorgesehen hatte.

Soweit uns bekannt ist Frau Schmerz Vorstand geblieben, obwohl sie dem Vernehmen nach zum Schluss betonte, mit der Großkotz AG nichts mehr zu tun zu haben. Wir haben weiter gehört, dass die Fiat Bank den Firmenwagen, einen Alfa Romeo, mit dem Herr Schauinsland sein Ego streichelte, irgendwann sichergestellt hat. Danach verliert sich die Spur der Großkotz AG im Dunkeln und das Letzte, was wir mitbekamen war, dass sie sang- und klanglos aus dem Handelsregister gestrichen wurde.

Ja, das waren also unsere Erfahrungen mit der Großkotz AG. Wir vermuten, dass einer der Altaktionäre sich exkulpieren wollte, indem er das Vorstandsmärchen in die Welt gesetzt hat. Interessant, wie man beruflich aufsteigen kann ohne davon zu wissen, oder?

Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook

zurück zur Artikel-Übersicht


Bookmark and Share

|