Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs jhmc Magazin für April, 2011.
- Anekdoten (4)
- Beteiligung (23)
- Existenzgründung (8)
- Fallstudien (8)
- Marketing (28)
- Organisation (2)
- Spam & Konsorten (23)
- Strategie (4)
- Unternehmensnachfolge (5)
- Videotipps (5)
- 21.3.2012: Oh Tannenbaum! Wir finanzieren alles!
- 17.3.2012: Schlechte Zeiten für Formularbetrüger - OLG Düsseldorf watscht Gewerbeauskunft-Zentrale ab
- 23.1.2012: Von den merkwürdigen Vorstellungen mancher Unternehmer zur Nachfolgeregelung
- 16.11.2011: Heiße Luft im Social Web
- 29.10.2011: Wir fahren mit der Eisenbahn - oder auch nicht
- 13.8.2011: Über die Irrungen und Wirrungen von Gründern auf der Suche nach Beteiligungskapital
- 2.7.2011: Basel III und die Folgen für mittelständische Unternehmen
- 23.6.2011: Fallstudie - Marketing für Nicole Simon Cosmetics
- 6.5.2011: Wie der Mittelstand beim Marketing im Internet viel Geld verbrennt
- 4.5.2011: Return on Investment - einfach erklärt
- März 2012
- Januar 2012
- November 2011
- Oktober 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- November 2009
- September 2009
- August 2009
- Mai 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
Archive für April 2011
Program Trading (7) - … und noch einmal!
14.4.2011 von Jörg Haupt.
Bereits an anderer Stelle haben wir einmal vermutet, dass uns das Thema Program Trading immer wieder aufs Neue einholt. Und in der Tat: Heute war es wieder einmal soweit.
Worum geht es? Ganz einfach: Vor einigen Jahren begleiteten wir ein Management Team bei einem großen Management Buy In. Zeitgleich lernten wir auf einer Veranstaltung einige Personen kennen die vorgaben, Kontakte zu diversen Investoren zu haben. Nun ja, zwar haben wir das auch, aber es kann ja nicht schaden, sich weitere Kontakte aufzubauen. So stellten wir ihnen also die Executive Summaries einiger unserer Projekte vor.
Irgendwann rief uns dann einer dieser Herren an und behauptete, dass gerade eine einmalige Investment-Chance bestünde. Man müsse nur schnell handeln. Den damals vorgetragenen Sermon haben wir bereits an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Demnach sollte man eine größere Summe auf einem Bankkonto einzahlen. Im Wege des sogenannten Program Trading sollte das Geld dann risikolos und mit ganz tollen Renditen quasi von alleine wachsen.
Es erklärt sich von selber, dass das natürlich kompletter Blödsinn ist. Na ja, zumindest erklärt sich uns das. Denn offensichtlich fallen immer wieder Menschen auf diesen Quatsch herein.
Was wir indes von dem heutigen Anrufer halten sollen, ist uns jedoch nicht so ganz klar. Denn es meldete sich ein freundlicher Herr mit einem leichten ausländischen Akzent auf einer nicht unterdrückten Handy-Nummer. Dieser freundliche Herr sagte, er hätte auf unserer Webseite gelesen, dass wir Program Trading bzw. High Yield Investment Programs anbieten würden.
Wir erwiderten, dass dies nicht sein könne. Vielmehr würden wir davor warnen, da diese wundersamen Geldvermehrungsvehikel kompletter Blödsinn wären. So und nicht anders haben wir es in mehreren Berichten in unserem Magazin beschrieben.
Und wirklich: Risikolose Geldvermehrung zu traumhaften Renditen? Leute denkt einfach einmal nach! Würde es das Program Trading geben, dann wäre Lehman Brothers niemals insolvent geworden. So ähnlich haben wir es auch dem freundlichen Anrufer erklärt: Würde es das Program Trading geben, dann hätten Staaten wie z.B. Griechenland nicht ihre aktuellen Finanzprobleme.
Aber wie so oft wurden wir neugierig: Wir fragten, ob er denn selber gerade 10 Mio. Euro investieren wolle. Diese Summe hatte er uns nämlich in einem Beispiel genannt: “Stimmt es, dass ich 10 Mio. Euro risikolos investieren kann und nach wenigen Wochen 100 Mio. Euro habe?” Man ist fast geneigt, eine Gegenfrage zu stellen: “Stimmt es, dass die Erde eine Scheibe ist und man nach Erreichen des Horizonts in den Höllenschlund fällt?” Aber im Ernst! Wie kann man solch eine Frage stellen?
Doch zurück zu unserer Frage an den freundlichen Herrn, ob er denn selber gerade 10 Mio. Euro investieren wolle. Er erklärte uns, dass er dies nicht wolle. Stattdessen sei er “Financial Broker” und wolle sich bei uns informieren.
Na ja, also entweder ist dieser “Financial Broker” vollkommen mit der Muffe gepufft oder aber nicht echt, will heißen: Vielleicht hatten wir in Wahrheit einen Ermittler gegen die einschlägige Program-Trading-Mafia am Telefon. Oder aber es war ein Program-Trading-Mafiosi, dem unsere Berichterstattung dazu ebenso auf den Zeiger geht wie vermutlich manch anderen Zeitgenossen unsere Berichterstattung zu anderen allerlei merkwürdigen Angeboten, die einem Unternehmer im Laufe seiner Karriere so begegnen. Kein Problem, liebe Program Trader, Formularbetrüger und sonstigen Spammer: Wir machen das immer wieder gerne.
Derweil wundern wir uns, dass dieses auch High Yield Investment Programs genannte Program Trading immer noch Leute hinter dem Ofen hervorlockt. Fatal, wenn Gier den Verstand aushebelt.
Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook
Geschrieben in Beteiligung | Drucken | Keine Kommentare »
Gewerbeauskunft-Zentrale Reloaded
10.4.2011 von Jörg Haupt.
Kann das wirklich wahr sein? Da haben wir doch erst im letzten Beitrag über die Gewerbeauskunft-Zentrale berichtet. Dabei handelt es sich um ein völlig unwichtiges Internet-Verzeichnis, das überteuerte Brancheneinträge anbietet. Das Angebot wird auf offiziell aussehenden Schreiben - ja was? Unterbreitet kann man nämlich nicht sagen. Versteckt trifft es wohl eher. Deshalb werden solche Sachverhalte auch mit dem Stichwort “Formularbetrug” umschrieben.
Wie berichtet hatten wir ein solches Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale erhalten und von dem Ausfüllen und Absenden des unterschriebenen Formulars abgeraten.
Und dann das! Die schicken doch tatsächlich Erinnerungsschreiben! Neulich hatten wir tatsächlich ein weiteres Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale im Briefkasten. Mit Datum vom 29.03.2011 schreibt man uns:
“Schreiben ist Ihnen schon am 04.03.2011 per Post zugesandt worden!“
Ja, tatsächlich. Das war wirklich der Fall. Und wir haben mit dem Schreiben exakt zwei sinnvolle Dinge gemacht: Erstens haben wir einen Magazinbeitrag verfasst in dem wir raten, den Brief der Gewerbeauskunft-Zentrale einfach wegzuscmeißen. Zweitens haben wir danach exakt das getan: Wir haben den Brief weggeschmissen. Schließlich wollen wir ja nicht 478,20 € netto für einen vollkommen sinnlosen Eintrag in einem noch sinnloseren Portal ausgeben.
Doch die Gewerbeauskunft-Zentrale gibt sich so einfach nicht geschlagen. Deshalb haben wir ja nun ein neues Schreiben erhalten. In Fettdruck und mit unterstrichenem Text wird uns ganz so wie im obigen Beispiel die Dringlichkeit des Eintrags unserer Firmendaten bei der Gewerbeauskunft-Zentrale suggeriert.
Es folgt der gleiche Blödsinn wie beim letzten Mal. Das Formular ist in zwei Spalten unterteilt. In der linken Spalte finden sich die Angaben zu unserem Unternehmen. Branche, E-Mail und Internet sind nicht ausgefüllt und mit dem Hinweis versehen:
(muß durch Sie ergänzt werden)
Nein, das muss es sicher nicht. Denn dann müssten wir den Quatsch ja schließlich unterschrieben an die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH zurücksenden. Und das wollen wir ja zwecks Vermeidung völlig überflüssiger Kosten eben gerade nicht.
Immerhin schreibt man uns noch, dass die Rückantwort per Fax bis zum 05.04.2001 gebührenfrei ist und nennt dafür eine 0800-Nummer. Na, solch ein großzügiges Angebot begeistert uns aber nun wirklich. Gebührenfrei ist übrigens auch das Entsorgen des Formulars in unserer “Ablage P”. Und genau da packen wir es nun hin. Wir hatten es eh nur aufbewahrt, um diesen Beitrag hier zu schreiben.
Doch schauen wir uns schnell noch die rechte Spalte des Schreibens an. Die ist natürlich viel kleiner gedruckt, damit man die Einzelheiten schneller übersieht. Noch kleiner sind die AGB auf der Rückseite. Aber wir wollen uns ja nun mit der rechten Spalte der Vorderseite beschäftigen. Dort heißt es:
“Gewerbeauskunft-Zentrale.de/Krefeld
Eintragsangebot zur Empfehlung Ihres Betriebes
Sehr geehrte Damen und Herren,
nur vollständige und aktuelle Firmen- und Betriebsdaten gewährleisten unter der Gewerbeauskunft-Zentrale.de eine erfolgreiche Empfehlung Ihres Unternehmens an die Gewerbetreibenden und die Verbraucher. Für den einwandfreien Eintrag Ihres Gewerbebetriebes prüfen Sie bitte die Daten zum Basiseintrag und senden uns diese bei Annahme zwecks Bearbeitung und Vervollständigung bis spätestens 05. April 2011 zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Gewerbeauskunft-Zentrale.de”
Komisch! Und wir haben immer gedacht, mit einem kostenlosen Eintrag bei Qype oder Google Places käme man nicht nur - da kostenlos - billiger davon, sondern würde auch einen Eintrag in wirklich wichtigen Verzeichnissen vornehmen. Doch schauen wir auf den unteren Teil der rechten Spalte des Schreibens der Gewerbeauskunft-Zentrale:
“Leistungsübersicht/Eintragungsdarstellung
Basiseintrag:
Name, Adresse, Telefon, Telefax, Informationstext, E-mail, Internetadresse inklusive Verlinkung auf Ihre Homepage und einem integrierten automatischen Routenplaner. Marketingbeitrag mtl. zzgl. Ust: Eur 39,85. Die Aktualisierung und Berechnung erfolgt einmal pro Jahr.
Bildeintrag:
Alle Leistungen des Basiseintrags zzgl. Foto oder Logo sowie einem erweiterten Infotext. Bitte kein Bild oder Logo mitsenden, diese werden gesondert angefordert. Ab sofort ohne Aufpreis.
Bitte beachten: Ihre Eintragung erfolgt unter Gewerbeauskunft-Zentrale.de innerhalb weniger Arbeitstage nach Rücksendung dieses behörden- und kammerunabhängigen Angebotes. Es besteht bisher keinerlei Geschäftsbeziehung. Durch die Unterzeichnung wird der Basiseintrag für zwei Jahre verbindlich bestellt. Es gelten die umseitig allgemeinen Geschäftsbedingungen, diese sind auch einzusehen unter Gewerbeauskunft-Zentrale.de.”
Der Hammer! Bei monatlich 39,85 € netto zahlt man tatsächlich 478,20 € zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer für kompletten Blödsinn. Wahnsinn ist auch, dass diese Masche offensichtlich immer wieder funktioniert. Es ist schon erstaunlich festzustellen, dass sich manche Unternehmer sehr schwer tun, für die Grundlagen eines erfolgreichen Marketing ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, andererseits bedenkenlos für solch einen Quatsch Geld regelrecht zum Fenster rausschmeißen.
Und dann muss man diese 478,20 € zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer für kompletten Blödsinn sogar gleich zwei Mal berappen. Denn schließlich bucht man ja verbindlich für zwei Jahre. Und selbstverständlich verlängert sich der ganze Quatsch automatisch um jeweils weitere zwölf Monate, sofern nicht spätestens drei Monate vor Ablauf der jeweiligen Vertragslaufzeit per eingeschriebenem Brief gekündigt wird.
Auch dieser Passus ist ein echter Hammer. Schickt man die Kündigung demnach nicht per Einschreiben, so wirft dieser hochseriöse Anbieter nutzloser Gewerbeeintragungen das Schreiben vermutlich einfach weg.
Wer das Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale nicht einfach wegwirft, ist demnach wirklich selber schuld. Sollte man den Vertrag dennoch abgeschlossen haben, schickt man am besten gleich morgen besagtes Einschreiben mit der Kündigung los. Vorab sollte man das Kündigungsschreiben gleich noch ein zweites Mal per Fax schicken. Denn sonst zahlt man ja weiter treudoof jedes Jahr 478,20 € zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer für kompletten Blödsinn.
Kontakt +++ jhmc +++ jhmc @ twitter +++ jhmc @ Facebook
Geschrieben in Spam & Konsorten | Drucken | Keine Kommentare »