Archive für August 2008

Fallstudie - Ablauforganisation in Handwerksbetrieben

“Herr Haupt, Sie haben recht gehabt!” - Das hört man doch immer wieder gern. Doch der Reihe nach: Hier geht es um Reorganisation im Mittelstand. In diesem Beitrag wollen wir Ansätze für Optimierungspotentiale in der Ablauforganisation von Handwerksunternehmen betrachten.

Im letzten Jahr wurden wir von einem unserer Netzwerkpartner empfohlen: Ein Handwerksbetrieb wies Probleme in seiner Kostenstruktur auf. Außerdem gab es Defizite in der Unternehmenskommunikation.

Zunächst einmal gab es gute Nachrichten: Das Projekt konnte gefördert werden, auch wenn es in den dazu auszufüllenden Fragebögen einige recht merkwürdige Formulierungen gab. Aber da sind wir ja flexibel. Nach einigen Monaten Wartezeit kam das OK: Die Förderung war bewilligt worden und das Projekt konnte losgehen.

Ein Bereich des Projektes umfasste Fragestellungen des Marketing. Auch kleine Unternehmen können hier trotz bescheidener Budgets Großes erreichen. Pflichtübung dabei: Diverse Hinweise zur kostenlosen Kommunikation, z.B. zu kostenlosen Pressemitteilungen oder aber auch Webverzeichnissen oder Web 2.0 Portalen wie QYPE.

Auch stießen wir auf eine Merkwürdigkeit: Das Unternehmen hatte sehr früh in eine eigene Webseite investiert. Bereits zu Anfangszeiten des Internet hatte man sich eine Domain gesichert. Laut Denic gehörte die Domain jedoch dem damaligen Webdesigner.

Dies ist offenbar in der Zeit, als die ersten Webseiten ins Netz gestellt worden häufig verbreitet gewesen, birgt jedoch ein Risiko: Offiziell ist nämlich das Unternehmen, dessen Domain beim Webdesigner liegt, gar nicht der Eigentümer der Domain. Sollte der Webdesigner demnach schließen, in die Insolvenz gehen oder sonstwie Probleme bekommen kann es passieren, dass einem Unternehmen urplötzlich die Webseite abhanden kommt. Unser Tipp: Prüfen Sie doch direkt einmal, ob Ihre Domain Ihnen tatsächlich gehört.

Der zweite - und auch größere - Themenkomplex war die Ablauforganisation des Unternehmens. Im Wege eines Workshops erhoben wir die Aufbauorganisation sowie die wichtigsten Abläufe des Unternehmens. Weiter nahmen wir in den Interviews Verbesserungsvorschläge auf. Diese Daten wurden in einer Präsentation anschaulich aufbereitet.

Wichtigste Botschaft: Den einen großen Kostentreiber gab es im Unternehmen nicht. Vielmehr waren es viele kleine Teilschritte, die an verschiedenen Stellen zu suboptimalen Abläufen führten. Typisch dabei für ein Handwerksunternehmen: Die aus der Industrie hinreichend bekannten Make-or-Buy-Entscheidungen fallen häufig zugunsten des “Make”, aber zu Lasten der Kosten aus. Gemäß dem Selbstverständnis des Handwerks wird häufig selber produziert statt billiger eingekauft.

Ein weiterer Knackpunkt: Das Unternehmen besaß im Verhältnis zur Auftragslage und zur Anzahl der Mitarbeiter zu viele Kraftfahrzeuge. Diese Erkenntnis musste jedoch erst reifen, doch vor einigen Wochen konstatierte der damalige Auftraggeber: “Herr Haupt, Sie hatten recht!”

Er hatte selbst einmal beobachtet, dass eines seiner KFZ, ein LKW, eine äußerst geringe Laufleistung hatte. Also wurde dies einmal nachgehalten: In drei Wochen kam man gerade mal auf 50 Kilometer. Also wurde der LKW verkauft und dafür ein Preis von 13.000 Euro erzielt. Damit hatte sich das Projekt mit der Jörg Haupt Management Consulting endgültig amortisiert. Denn natürlich konnten seit Beendigung des Projektes weitere Kosteneinsparungen realisiert werden. Und die laufenden Kosten des LKW gibt es überdies auch nicht mehr.

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Von Erfindern und Millionenwerten

Vor einiger Zeit wurden wir einem Gründer empfohlen, der diverse Erfindungen gemacht hatte. Nun war er auf der Suche nach einem Business Angel oder einer VC-Gesellschaft, die ihn in seinem weiteren Fortkommen finanzieren sollten. Er wandte sich zu diesem Zweck an ein Business Angels Netzwerk, das ihn mangels tragfähigem Businessplan an uns verwies.

Leider konnten wir dem Gründer nicht wirklich weiterhelfen. Denn bereits nach einem Gespräch und einigen E-Mails stießen wir auf einen Sachverhalt, der für eine Finanzierung ein großes Problem darstellt: Der gute Mann hatte einen Eintrag bei der Schufa. Dies ist natürlich nicht besonders hilfreich, wenn man von einem Investor Geld haben möchte.

Zwar meinte der Gründer, dies wäre ja lediglich ein privater Kredit gewesen, den er auch sofort zurückzahlen würde, sobald er denn genügend Geld hätte. Eine derart naive Sichtweise bringt das Projekt jedoch nicht wirklich nach vorn. Und wir haben im Übrigen bereits einmal ein Projekt begleitet, bei dem eine uns sehr spät offenbarte finanzielle Problemlage eine Finanzierung in letzter Minute zum Scheitern brachte.

Ebenfalls nicht hilfreich: Der gute Mann war einfach mal bei der Deutschen Bank hereinspaziert und hatte höflich nach einem Kredit über 3,8 Millionen € gefragt. Warum auch nicht, er hatte ja keine Sicherheiten, kein Eigenkapital und auch noch einen Schufa-Eintrag. Aber im Ernst: Ein solches Verhalten ist natürlich äußerst kontraproduktiv.

Wir haben dann dennoch versucht, dem guten Mann irgendwie zu helfen. Hier stießen wir jedoch sehr bald an Grenzen, da er uns offenbar nicht so recht glaubte, dass eine Planungsrechnung doch etwas fundierter sein und auch etwas mehr als lediglich Umsatz, EBIT, Anzahl der Mitarbeiter und Investitionsbedarf über einen Zeitraum von 5 Jahren enthalten muss. Diese Kennzahlen jedenfalls hatte er einmal irgendwie ausgewürfelt, ohne dass ihm zu entlocken war, wie er das denn angestellt hätte. Er meinte lediglich, dies “aufzuhübschen” wäre jetzt ja unsere Aufgabe.

Was hier wie eine Anekdote klingt, ist leider wirklich passiert und führte tatsächlich von unserer Seite zur Ablehnung einer Zusammenarbeit, was sehr schade ist, da einige der Erfindungen auf den ersten Blick durchaus Potential hatten. Viele Gründer machen jedoch auch den Fehler, dass sie auf Biegen und Brechen versuchen, nach einiger Entwicklungsarbeit einen Investor zu finden.

Leider muss man jedoch sagen, dass nicht jedes Projekt für einen Investor geeignet ist. Die Gründe sind vielfältig und können von einer sehr frühen Projektphase mit ungewissen Marktchancen bis hin zur Person des Gründers bzw. Teams reichen. In unserem Fall z.B. war es so, dass der Schufa-Eintrag und eine gewisse Beratungsresistenz, gepaart mit einem nur bedingt kaufmännischen Auftreten zusammen kamen.

Problematisch war auch sein Ansatz zur Bewertung seiner Erfindungen: Zwar hielt er mehrere Patente, setzte aber in der Bewertung seines praktisch keine Umsätze machenden Unternehmens Millionenwerte an, die als Basis für das Engagement eines Investors dienen sollten. Alleine für eins seiner Patente nahm er ein Marktvolumen von mehreren hundert Millionen € im Jahr an. Sein Patent “bewertete” er deshalb salopp mit 125 Millionen €. Nun ja, so geht es natürlich nicht.

Ein gangbarer Weg dagegen ist der Verkauf oder das Auslizenzieren von Rechten an Patenten. So berichtet enable, das Magazin für Unternehmer der Financial Times Deutschland in seiner Augustausgabe über diverse Möglichkeiten, sein Patent zu Geld zu machen - und damit das eigene Unternehmen zu finanzieren. Bekannte Beispiele gibt es genug.

So machte z.B. der Erfinder Artur Fischer, bekannt durch die Fischer Dübel oder auch die Fischer-Technik, eine seiner ersten Erfindungen auf eben diesem Wege zu Geld: Er verkaufte seine Erfindung, ein Foto-Blitzlichtgerät mit synchroner Auslösung an ein Unternehmen der Fotoindustrie und legte so den Grundstein zur weiteren Finanzierung der von ihm nur ein Jahr vor der Patentanmeldung gegründeten Fischerwerke.

Ein weiteres Beispiel für die Finanzierung von Unternehmen oder aber auch Forschungseinrichtungen durch Verkauf oder Auslizensierung ist das MP3-Format, ein Dateiformat zur Audiodatenkompression. Es wurde u.a. in Erlangen am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen entwickelt und bringt der Fraunhofer Gesellschaft jährlich Lizenzeinnahmen durch die Vermarktung ein.

Es gibt demnach durchaus einige Alternativen zur Finanzierung von Projekten. Auch hier gilt jedoch, dass man dem finanzierenden Partner, also dem Käufer oder Lizenznehmer des Patents, eine fundierte Betrachtung der Marktchancen des Projektes bieten muss. Letztlich läuft es wiederum auf einen Businessplan hinaus.

Was lernen wir also aus dem Projekt? Ganz einfach:

  • Es reicht nicht, wenn ein Businessplan nur aus einigen Zeilen besteht. Er sollte zudem ein nachvollziehbares Geschäftsmodell beschreiben.
  • Eine Planungsrechnung muss fundiert und belastbar sein. Sie sollte zudem von realistischen Annahmen ausgehen, die sich auch im Businessplan wiederfinden.
  • Es reicht nicht, diese Daten “aufzuhübschen” - ein Businessplan ist mehr als “bunte Bilder”.
  • Nicht jedes Projekt ist für die Finanzierung durch Business Angels, Venture Capital oder ähnliche Finanzierungsquellen geeignet.
  • Das Vorhandensein eines Schufa-Eintrags ist immer relevant für die Finanzierung des Projektes.
  • Mitunter sind andere Finanzierungsquellen wie z.B. Auslizenzierungen geeigneter für die Zielerreichung.

In diesem Sinne allen Erfindern ein gutes Gelingen und viel Erfolg.

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