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Rip Deals – Ein Erfahrungsbericht

Sehr geehrter Herr Schmitz-Maier-Schulze,

suchen Sie immer noch nach einem Investor? Dann habe ich gute Nachrichten für Sie! – Mit diesem Text wurde einer unserer Kunden per E-Mail kontaktiert. Eine Finanzierung von 350 Mio. € war natürlich überhaupt kein Problem und kontaktiert wurde unser Kunde über den Privatsekretär eines jüdischen Multimillionärs. Nun sollte der Kunde nur noch nach Turin kommen…

Das Schema ist dabei ganz einfach: Kurz vor dem Abflug wird man gebeten, eine größere Summe Bargeld mitzubringen. Diese soll dann mit erheblichen Gewinn in eine andere Währung umgetauscht werden. Meist geht es dabei um Falschgeld oder Schwarzgeld. Die Staatsanwaltschaft spricht in solchen Fällen von sogenannten Rip-Deals bzw. Geldwechselbetrug.

Und so funktioniert das Ganze: Die Betrüger suchen sich Opfer, die entweder einen Investor suchen oder etwas meist sehr werthaltiges wie Boote, Immobilien oder Schmuck zu verkaufen haben. Unter fadenscheinigen Ausreden wird man dann ins Ausland gelockt und – wie oben bereits beschrieben – aufgefordert, eine größere Summe Bargeld mitzubringen. Dieses wird dann im günstigsten Falle gegen Schwarzgeld getauscht (Vorsicht, auch hier machen Sie sich strafbar!). In der Regel handelt es sich jedoch um Falschgeld. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb diese Geschäfte gerne in Italien getätigt werden: Dort ist es nämlich legal, täuschend echt aussehende Banknoten zu drucken, sofern sie mit der Aufschrift „Faksimile“ bedruckt sind.

Das Opfer wird also ins Ausland (in der Regel Norditalien) gelockt. Dann wird das Opfer betrogen, indem sein echtes Geld in Falschgeld, zum Beispiel Euro gegen Schweizer Franken, getauscht wird. Als Motivation werden für das Opfer sehr günstige Tauschverhältnisse angeboten. Mitunter werden sogar kleinere Transaktionen mit echtem Geld durchgeführt, um Vertrauen zu gewinnen. Meist sind jedoch nur oben einige echte Geldscheine aufgelegt, darunter befindet sich dann bündelweise wertloses Papier.

Es mag verwundern, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich auf solch dubiose Tauschgeschäfte einlassen. Hier ist scheinbar die Gier größer als der Verstand. Und man sollte nicht glauben, es im Ernstfall mit den Betrügern aufnehmen zu können: Sie werden tausend Tricks anwenden, um an Ihr Geld zu kommen. Außerdem schrecken sie auch vor Gewalt nicht zurück: So berichtet das Deutsche Generalkonsulat Mailand auf seiner Webseite, dass ein Opfer, das sich zur Wehr setzte, von den Betrügern kaltblütig ermordet wurde.

Unsere Erlebnisse mit dem Thema Rip Deals sind übrigens schnell geschildert: Wir hatten einen Kunden, der für ein Projekt auf der Suche nach einer größeren Investitionssumme war. Vor unserer Beauftragung hatte er diverse Kontakte geknüpft und war anscheinend überwiegend an weniger seriöse Geschäftspartner geraten. Aus dieser Zeit stammte ein Kontakt, der interessanterweise zunächst einmal mehrere Monate ins Land ziehen ließ.

Erst nach Ablauf mehrerer Monate setzte er sich erneut mit unserem Kunden in Verbindung. Der Tenor der E-Mail war tatsächlich wie oben beschrieben: „Suchen Sie immer noch nach einem Investor? Dann habe ich gute Nachrichten für Sie!“ Klingt schon hochseriös, oder? Na ja wie dem auch sei, unser Kunde leitete betreffende E-Mail an uns weiter und so kamen wir dann mit diesen Herren in Berührung. Denn neugierig wie wir nun einmal sind, haben wir einfach bei der betreffenden Telefonnummer angerufen. Nur theoretisch über Betrüger referieren kann ja schließlich jeder.

Der Kontakt behauptete, der Privatsekretär eines aus Luxemburg stammenden jüdischen Multimillionärs namens Maybach zu sein (den es übrigens nicht gibt, wir können das überprüfen lassen). Zwecks weiterer Informationen und Abwicklung des Geschäfts sollten wir doch bitte nach Turin kommen.

Gut, das war dann natürlich die Stelle, an der wir dem Kunden dringend empfohlen haben, nicht nach Turin zu fahren – was der Kunde auch so sah, denn er hatte schon vorher vergleichbar seriöse Angebote erhalten und kannte das Thema Rip Deals bereits. Insofern konnten wir dem Kunden nicht wirklich etwas Neues berichten. Wir haben dann noch den E-Mail-Verkehr, die Telefonnummern und die (mit an hundertprozentige Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin gefälschten) Namen der Protagonisten an die Kriminalpolizei weiter geleitet.

Und was lernen wir nun daraus? Seien Sie vorsichtig, wenn man Ihnen sagt, dass Geld keine Rolle spielt. Denn Geld spielt immer eine Rolle. Wenn man sich für Ihr Vorhaben bzw. das zu verkaufende Objekt gar nicht oder nur am Rande interessiert, dann ist garantiert etwas faul. Seriöse Investoren werden das Investment immer entsprechend prüfen. Andernfalls sitzen Sie Betrügern auf. Oder waschen Geld für die Mafia. Oder El-Kaida. Oder wen auch immer.

Wir sind nicht die ersten, die mit dem Thema Rip Deals bzw. Geldwechselbetrug in Kontakt kamen. Im folgenden finden Sie deshalb hilfreiche weitere Links zum Thema.

Das österreichische Bundesministerium für Inneres warnte früher auf seiner Webseite vor Geldwechselbetrug und bot einen Artikel im pdf-Format zum Download an. Leider wurde der Artikel wieder entfernt.

Sehr hilfreich war auch die Webseite der Polizei Ravensburg. Neben einer detaillierten Vorgehensbeschreibung fanden Sie hier Fahndungsfotos, verwendete Namen und weitergehende Links. Doch leider scheinen die deutschen Behörden das Thema nicht ganz so ernst zu nehmen wie die Kollegen im Ausland. Seit einem Update ist die Info jedenfalls weg.

Da die Betrügereien in der Regel in Italien stattfinden, warnt auch das Deutsche Generalkonsulat Mailand auf seiner Webseite vor Rip Deals. >> Artikel ansehen

Diese Links sind nur Beispiele. Die Suchmaschinen spucken etliche Treffer zum Thema Rip Deals aus, was zeigt, dass es eine beachtliche Anzahl von Opfern gibt.

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