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ExistenzgründungUnternehmensbeteiligung

Business Devils – Ein Erfahrungsbericht

Es gibt nicht nur Business Angels. Getreu dem Motto „wenn ich bei Ihnen investiere sind Sie irgendwann Ihr Unternehmen los“ gibt es auch das genaue Gegenteil, treffend als Business Devil bezeichnet. Leider lassen sich Kunden immer nur so weit schützen, wie diese den Schutz auch zulassen. Oder anders ausgedrückt: Wer einen Berater engagiert, der sollte sich auch beraten lassen.

Business Angels – und daher ist der Begriff auch abgeleitet – verfügen über zwei Flügel: Einen Kapitalflügel, das bedeutet, er hat Interesse, sich in einem Unternehmen im Rahmen eines Investments zu engagieren. Der zweite Flügel ist der Know-How-Flügel. Dieser hat folgende Merkmale:

Der Business Angel zeigt die Bereitschaft, sich selbst persönlich zu engagieren. Er verfügt über Führungserfahrungen und Management-Know-How sowohl beim Aufbau als auch bei der Weiterentwicklung von Unternehmen. Im Idealfall bringt ein Business Angel sogar eigene Gründungserfahrungen ein. Weiter hat er ein konzeptionelles Denken, besitzt branchenbezogene Erfahrungen, Kontakte zu wichtigen Unternehmen und Personen, funktionelles Know-How (Technologie, Marketing, Vertrieb usw.) und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit jungen Unternehmensgründern.

Sicher, wir wissen, dass wir damit ein Idealbild zeichnen. Die meisten der oben beschriebenen Eigenschaften sollten aber erkennbar sein. An dieser Stelle sei auch einmal ein Hinweis an potentielle Interessenten für ein Business Angels Investment erlaubt: Keinesfalls sollten Sie einen Business Angel lediglich als reinen Investor sehen. Im Gegenteil – nutzen Sie die Chancen, die der zweite Flügel bietet!

Davon zu unterscheiden sind Business Devils. Business Devils geben vor, Business Angels zu sein. Sie geben vor, über zwei starke Flügel zu verfügen. Doch leider sieht die Realität etwas anders aus. Leider kann man nämlich anderen Menschen nur vor den Kopf gucken und niemand trägt das Attribut „Business Devil“ groß und breit auf einem Schild vor sich her. Woran kann man also festmachen, dass man es mit einem Business Devil zu tun hat?

Nun, wichtig ist zum einen, dass Sie, liebe Leser im Falle des Falles einmal den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn Sie nämlich das Gefühl haben, Sie würden in der einen oder anderen Art über den Tisch gezogen, dann sollten Sie Stärke zeigen und nicht den Verlockungen des Kapitals erliegen. Hören Sie also durchaus auch einmal auf Ihr Bauchgefühl und – sofern Sie welche engagiert haben, wozu wir raten – auf Ihre Berater. Wichtig ist auch: Sollte der potentielle Business Angel Ihnen seine Berater aufdrängen, so können Sie in der Regel davon ausgehen, dass es sich um einen Business Devil handelt. Denken Sie immer daran, dass die Berater der anderen Partei nicht Ihre Interessen vertreten sondern die Interessen derjenigen, die die Rechnung bezahlen.

Wir haben einmal einen solchen Fall erlebt. Das Pikante dabei: Irgendwie hat der Business Devil es geschafft, den betreffenden Firmeninhabern quasi über Nacht eine regelrechte Gehirnwäsche zu verpassen. Die betreffenden Inhaber waren danach nicht mehr ansprechbar und auch nicht für sachliche Argumente zugänglich. Immerhin, die beiden steuern nun geradewegs in ihr Verderben und fühlen sich noch gut dabei. Auch das muss man erst mal hinbekommen.

Der Kunde, ein Unternehmen, das über eine zukunftsweisende Technologie im E-Commerce-Bereich verfügte, hatte uns engagiert, die Akquisition von Beteiligungskapital zu begleiten. Wir erstellten zunächst eine Summary, die die Aktivitäten und strategischen Optionen des Unternehmens beschrieb. Diese wurde in mehreren Präsentationsrunden vorgestellt.

Eine Anekdote am Rande: Der beschriebene Fall war die schnellste Kapitalakquise, die wir je erlebt haben. Denn bereits nach zwei Wochen (!) war ein potentieller Investor ausgemacht, der sich das Unternehmen ausgiebig anschaute. Und dann, ganz plötzlich, ohne auch nur einen der eingeschalteten Berater zu konsultieren, sickerte eher durch als dass man benachrichtigt wurde, dass der werte Herr sich am Unternehmen beteiligt hätte und auch seine Arbeitskraft von nun an einbringen würde.

Ja, soweit hört sich das ja ganz positv an, oder? Die Sache hatte jedoch einen Haken: Gesucht wurde nämlich eine Beteiligung in Höhe von 200.000 Euro€. Unser lieber Business Devil beteiligte sich jedoch lediglich mit 20.000 €Euro. Gleichzeitig verpasste er den Firmeninhabern eine regelrechte Gehirnwäsche und installierte seine eigenen Berater. Langjährige Geschäftspartner des Unternehmens wurden grob verprellt und viele Lieferanten (so auch wir) mussten juristischen Beistand suchen, um an ihr Geld zu kommen.

Wir haben unser Geld übrigens bekommen, wenn auch mit Verspätung. Andere waren nicht so glücklich dran: Denn seitens der Geschäftsführung wurden nun sogar einige Prozesse angestrengt, auch wenn diese gar nicht gewonnen werden können, das Unternehmen mithin gutes Geld kosten werden. Wo also liegt der tiefere Sinn der Aktion?

Nun, selbstverständlich gibt es diesbezüglich einschlägige Erfahrungen. Der Business Devil gibt in einem solchen Fall relativ wenig Geld für einen geringen Gesellschaftsanteil (wir erinnern uns: 20.000 Euro€ statt 200.000 Euro€). Grundsätzlich scheinen die Konditionen also sogar ganz in Ordnung zu sein. Das Problem ist nur: Er mischt sich von nun an sehr stark in alle Belange des Unternehmens ein. In der Regel wird er sich vertraglich zusichern lassen, dass gegen seinen Willen keine neuen Gesellschafter aufgenommen werden können. In unserem Falle riss er die gesamte Geschäftsführung an sich, installierte seine eigenen Berater und verprellte alte Geschäftspartner.

Das klingt irgendwie alles nach feindlicher Übernahme, finden Sie nicht? Nun, das ist in der Regel auch der tiefere Sinn solcher Aktionen. Ist das Kapital aufgebraucht, schlägt der Business Devil nämlich zu: Er ist bereit, neues Kapital zu geben, allerdings nur gegen hohe Geschäftsanteile. Die Gesellschafter bzw. Unternehmensgründer müssen zähneknirschend akzeptieren, weil ansonsten Insolvenz droht. Meist werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. In unserem speziellen Fall tippen wir auf Programmierer im ehemals eigenen Unternehmen.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob wir das nicht hätten verhindern können. Ja, schon, nur setzt das natürlich voraus, dass man sich zum einen auch durch uns beraten lässt. Wichtig ist auch in dem Zusammenhang: Wenn man sich weigert, unsere Rechnungen zu bezahlen, stellt sich unsererseits plötzlich ein schier unglaubliches Desinteresse am Fortgang eines Projektes ein. Nun ja, wie gesagt: Unsere Business-Experten hier verlieren gerade ihr Unternehmen und fühlen sich noch gut dabei.

Übrigens gibt es auch noch andere Szenarien:

  • Der Business Devil verlangt bereits in der ersten Finanzierungsrunde derart hohe Anteile an der Gesellschaft, dass keine Luft mehr für weitere Finanzierungsrunden bleibt. Das Ergebnis ist ähnlich wie im oben beschriebenen Fall: In weiteren Finanzierungsrunden werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. Damit verlieren Sie nicht nur den Einfluss, sondern partizipieren unterdurchschnittlich am Erfolg, dessen Grundstein sie einmal gelegt haben.
  • Manche Berater bieten ihre gesamte Kompetenz gegen Anteile an. Vielfach versprechen sie eine weitreichende Management-Unterstützung, in Wirklichkeit werden sie jedoch eher schlechte Arbeit leisten oder Standard-Formulare aushändigen. Erst kürzlich haben wir eine Gründerin kennen gelernt, die zuvor an einen „Berater“ geraten war, der für die Erstellung eines Business-Plans und die anschließende Kapitalakquise 30% der Anteile verlangt hatte. Kurios, die Gründerin hatte den werten Herren sogar engagiert. Einen richtigen Business-Plan hatte sie dafür nicht erhalten und auch seine „Investorenkontakte“ waren eher durch das Abarbeiten einschlägiger Internet-Portale gekennzeichnet. Gleichzeitig sollte die Gründerin im Falle einer Kündigung des Vertrages (sozusagen als Strafgeld und Ersatz für die entgangenen 30%) 22.000 Euro€ zahlen. Nicht schlecht, oder?

Insgesamt lassen sich Business Devils durch folgende Punkte erkennen, wobei auch hier gilt, dass diese mehr oder minder ausgeprägt sein können:

  • Sie verfügen über wenig Know-How (Wie gesagt, nicht alle Punkte müssen zutreffen. Im oben beschriebenen Fall verfügte der Business Devil über ein ausgeprägtes Know-How, das er jedoch gezielt gegen die Gründer einsetzte).
  • Sie haben kaum Zeit. Auch das war in dem oben beschriebenen Fall anders. Der Business Devil hat das Unternehmen sehr genau analysiert. Dafür treffen die nun folgenden beiden Punkte zu 100% zu.
  • Business Devils suchen eine neue Geschäftsführerposition oder neues Kundenpotential für ihr eigenes Geschäft (Raten Sie doch mal, wer im oben beschriebenen Fall nun Geschäftsführer ist).
  • Business Devils suchen den Zugang zu Technologien und Patenten, die sie anderweitig vermarkten wollen (in unserem Fall hat er einfach das Unternehmen geschluckt).
  • Sie bieten nur dürftige Beratung und verlangen dafür Anteile (wir erinnern uns an die Gründerin und ihren 30% Berater: 30% der Anteile und nur 30% Know-How).
  • Business Devils verlangen für das bereitgestellte Kapital Sicherheiten in Form von Immobilien oder Bürgschaften. Auch solch einen lustigen Zeitgenossen haben wir schon kennen gelernt. In diesem Fall hat der Kunde sich nicht gegen seine Berater gewehrt. Im Gegenteil, ihm war der Business Devil selber suspekt. Dieser Vertreter war übrigens auch einer derjenigen, die keine Zeit hatten. Überdies war er sehr unhöflich und telefonierte permanent mit seinem Handy – wahrscheinlich ließ er sich anrufen, damit man ihn für wichtig hält.

Ach ja, die oben genannte Gründerin (genau, die mit den 30% respektive 22.000 €) sucht nun einen Business Angel, der ihr „kostenlos“, aber gegen Anteile den Business-Plan optimiert. Gleichzeitig rennt sie einem angeblichen Investoren-Kontakt hinterher, der mit großen und berühmten Namen nur so um sich schmeißt. Na ja, manche lernen es halt nie.

Unser Tipp: Die werte Dame trifft mit einiger Wahrscheinlichkeit früher oder später auf ihren Business Devil. Von der – übrigens gar nicht mal so schlechten – Geschäftsidee wird sie dann nicht mehr viel haben. Wenn sie Glück hat, bleibt ein Almosen übrig. Vielleicht trifft sie auch auf hoch seriöse Anbieter ganz toller Finanzierungs-Instrumente: Es soll da ganz geheime Programme der amerikanischen Notenbank geben, so genannte High Yield Investment Programs. Vielleicht lernt sie auch einen jüdischen Multimillionär, vorzugsweise Diamantenhändler kennen, der sie zur Durchführung eines Rip-Deals nach Mailand einlädt.

Wie auch immer, niemand soll sagen, wir hätten ihn nicht gewarnt. Wozu haben wir schließlich diese Rubrik hier?

Bildnachweis: Lizenzfreies Bild aus der Datenbank Free PhotosBank

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