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Ganz schön merkwürdige Investment-Angebote - Ein Erfahrungsbericht
27.2.2008 von Jörg Haupt.
Investieren Sie hier und jetzt - ein besseres Angebot gibt es nicht! So oder so ähnlich könnte man einige der Angebote umschreiben, die im Laufe der Jahre auf unseren Schreibtischen gelandet sind. Wie üblich war mal wieder immer alles kein Problem, es sei denn, dass wir den Nachweis durch entsprechende Unterlagen forderten. Im folgenden haben wir einige Beispiele für unseriöse Projekte bzw. Finanzierungsangebote für Sie zusammen getragen:
- Das Hotel in Dubai
- Die Revolution der Telekommunikation
- Medizintechnik vom Feinsten
- Von Schiffswracks und gestrandeten Unternehmen
- Andere lustige Ideen
- Die Milliarden-AG
Das Hotel in Dubai
Dubai boomt - Palmeninseln, Dubai Marina, das Burj el Arab - es gibt nichts, das es nicht gibt und keine Phantasie ist verrückt genug, um nicht umgesetzt zu werden. Wer es nicht glaubt, der sollte sich einfach einmal die folgenden beiden Videos anschauen:
Nicht ganz so phantasievoll wie die Scheichs gingen einige Herren zu Werke, denen wir vor einiger Zeit begegneten. In dem vorgestellten Projekt sollte es darum gehen, ein Hotel in Dubai zu bauen. Dieses Projekt sollte in der Nähe des Flughafens gebaut werden, mithin eher Kongress-Hotel als Urlauber-Hotel sein. Es gab auch einige schöne Skizzen zu dem Bauvorhaben. Wichtig war zudem, dass bereits ein Betreiber gefunden war. Eine namhafte und sehr bekannte Hotelkette sollte das Hotel managen. Wenn wir dann noch bitte so freundlich wären, zu helfen, Investoren einzuwerben.
Also fragten wir zunächst einmal nach Kopien der Baupläne. Doch merkwürdig: Uns wurde erklärt, dies bräuchten wir nicht, es ginge ja “lediglich” darum, Investoren einzuwerben. Auch sei es “kein Problem”, einen Letter of Intent der Hotelkette zu bekommen, doch bitteschön nicht jetzt. So etwas bräuchten wir alles nicht, wurde uns beschieden. Wir sollten ja “nur” die Anteile an dem Hotelprojekt vertreiben.
Ja, das wurde ein kurzes Gespräch. Wir bedienten uns noch bei Kaffee und Keksen und verabschiedeten uns dann sehr schnell. Denn wir stecken unsere Zeit eben doch lieber in seriöse Projekte. Und seriöse Projekte sind halt überprüfbar. Oder ist es so schwierig nachzuvollziehen, dass wir erst einmal prüfen möchten, was wir hinterher als Projekt begleiten?
Die Revolution der Telekommunikation
Ähnlich verhielt es sich mit einem Projekt, das angeblich den Markt der günstigen Mobiltelefonie revolutionieren sollte. Auch hier ging es natürlich nur darum, den Vertrieb der Anteile zu übernehmen. Und wie auch bei dem Hotel in Dubai hatten wir natürlich die Aufgabe völlig falsch verstanden, da wir darauf bestanden, dass es ohne Prüfung des Projektes keine weitere Bearbeitung geben solle.
Konkret ging es darum, dass eine angeblich patentierte Technik existieren sollte. Diese sollte mit zwei renommierten und sehr bekannten Unternehmen auf den Markt gebracht werden. Zwar legte man uns Kopien von Schreiben dieser Unternehmen vor. Doch zum einen waren dies keine echten Letters of Intent, sondern vage Interessensbekundungen. Zum anderen machte es uns stutzig, dass man sich vehement wehrte, diese Kontakte und das angebliche Patent einer Prüfung zu unterziehen. Dies lässt nach unserer Meinung nur einen einzigen Schluss zu: Es handelte sich nicht um ein seriöses Angebot.
Immerhin: Vor kurzem haben wir einmal eine Recherche angestellt. Demnach gibt es das betreffende Unternehmen noch und man ist dort bemüht, das Angebot unter die Leute zu bringen. Nur von den renommierten Partner-Unternehmen ist auf der Webseite keine Rede mehr…
Medizintechnik vom Feinsten
Können Sie sich ein Unternehmen vorstellen, das bereits existiert, Umsätze und Produkte hat aber nicht in der Lage ist, eine BWA oder ein Produktmuster vorzulegen? Nein? Wir auch nicht. Genau dies haben wir jedoch erlebt. Das Unternehmen gab vor, medizintechnische Geräte zu produzieren. Laut Aussage des Gründers befand man sich in der Start-up-Phase und hatte gemeinsam mit französischen Universitäten diverse Geräte und Verfahren im Bereich der Haut-Medizin entwickelt.
Da das Unternehmen angeblich erste Prototypen besaß und auch erste Umsätze generiert wurden, interessierten wir uns brennend für besagte Produktmuster und BWA. Danach war es nicht mehr möglich, mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Es ging niemand mehr ans Telefon und auch E-Mails oder Briefe wurden nicht mehr beantwortet. Auch das spricht nicht gerade für ein seriöses Geschäftsgebaren, oder?
Von Schiffswracks und gestrandeten Unternehmen
Einmal erhielten wir eine Anfrage, die zunächst einmal gar nicht so uninteresant klang - oder “sexy”, wie wir bei manchen Business-Modellen zu sagen pflegen. Es ging hier nämlich um die Bergung der Ladungen diverser Schiffswracks. Auf den Anleger warteten Gold, Silber, uralte Gebrauchsgegenstände und vieles mehr. Geschichte zum Anfassen eben.
Wir wollen damit jetzt nicht sagen, dass solche Business-Modelle per se uninteressant wären. Im Gegenteil. Doch sollte man nicht erwarten, dass zu solch einem Business-Modell auch die Frage beantwortet werden kann, wie denn konkret Geld verdient wird? Tipp der Jörg Haupt Management Consulting: Von Sponsoring über Ausstellungen, Filmrechte oder Exklusivtourismus wäre da so einiges möglich.
Dummerweise wurde an solch Umsatz bringende Ideen kein Gedanke verschwendet. Im Gegenteil, man hatte bereits mit einer Bergung (angeblich) begonnen und nach eigenem Bekunden das Geld seiner Investoren bereits versenkt - also im wahrsten Sinne des Wortes, denn es ging ja schließlich um die Bergung einer Schiffsladung.
Ansonsten hatte der angeblich für das Marketing zuständige Mensch keine Ahnung vom selbigen und auch sonst war man nicht besonders auskunftsfreudig. Na ja, man hatte da halt etwas verwechselt: Ob wir denn nicht einige reiche Leute kennen würden, denen man die Anteile verticken könne. Aber es geht ja nicht darum, nur irgendwelchen Mist zu “verticken”, oder? Und da das ganze Business Modell nicht fundiert und seriös erschien, wurde es rundweg abgelehnt.
Andere lustige Ideen
Auch von weiteren lustigen Ideen können wir berichten: Von dem Autor, der der festen Überzeugung war, die Fortsetzung zum Roman “Das Sakrileg” geschrieben zu haben. Die Filmrechte sollten schon verkauft sein, ein Musical geplant und überhaupt war bereits alles in Butter. Jetzt brauchte er nur noch eine kleine Stange Geld, um einen eigenen Verlag zu gründen. Na ja, wahrscheinlich, weil kein Verlag diesen Schund haben wollte. Typische Trittbrettfahrer eben.
Niedlich waren auch die Eigentümer eines französischen Schlosses, die sich völlig übernommen hatten. Das Geschäftsmodell war nicht aufgegangen und die Bank drohte mit Zwangsvollstreckung. Eigentlich fiel uns nun auch nicht mehr viel mehr ein, als die Immobilie in den einschlägigen Immobilienmärkten anzubieten. Doch das wollten wiederum die Eigentümer nicht. Man müsste doch nur einen Menschen finden, der den Charme des Schlosses begreift…
Um es ganz klar zu sagen: Die Kaufpreisvorstellungen waren zu hoch angesetzt und das Einzige, das uns auf Anhieb eingefallen wäre, ist irgendetwas zwischen Golf-, Wellness- und Tagungshotel. Allerdings gibt es mehr ähnliche Immobilien als man denken sollte und so ad hoc können auch wir keine Lösung herbei führen. Da wir jedoch ein rudimentäres Business-Modell entwickeln wollten, fiel die Sache mit der Burg ganz schnell ins Wasser - und das, obwohl es sich nicht um ein Wasserschloss handelte. Fairerweise muss man sagen, dass es sich eigentlich weniger um ein unseriöses Angebot denn um eine naive Herangehensweise handelte.
Schade eigentlich, denn es wäre trotz allem ein schönes Projekt gewesen. Problematisch sind allerdings immer die Projekte, bei denen in irgendeiner Art und Weise die Initiatoren in die Kategorie “Weltverbesserer” fallen. Wir meinen: Man darf ja ruhig die Welt verbessern, aber man sollte doch bitte immer daran denken, dass ein Unternehmen nur dann für Investoren interessant ist, wenn man damit auch Geld verdienen kann.
Insgesamt muss man sich auch wundern, wie viele Ideen an einen herangetragen werden, bei denen die Initiatoren sich dann mit Händen und Füßen gegen eine Überprüfung wehren. Es stellt sich schon die Frage, ob diese Leute ernsthaft glauben, dass sie damit weiter kommen.
Die Milliarden AG
Wussten Sie schon, dass ein Unternehmen ohne Umsatz und ohne Produkte bereits einige Milliarden Euro wert sein kann? Nein? Wir auch noch nicht. Doch dann flatterte ein Business-Plan ins Haus, in dem das alles ohne weiteres möglich war. Und einen kleinen Auszug daraus möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Wir werden die Original-Texte im folgenden kursiv darstellen. Namen werden mit BLABLA unkenntlich gemacht, da wir einer grundsätzlichen Verschwiegenheit unterliegen. Aus diesem Grunde werden wir auch zum eigentlichen Business-Modell nichts schreiben.
Die BLABLA Inc. ist eine im Jahre 1999 im US-Bundesstaat Oregon gegründete und dort eingetragene Aktiengesellschaft. Sie unterliegt den gesetzlichen Bestimmungen des US-Bundesstaates Oregon und ist mit einer deutschen Aktiengesellschaft vergleichbar.
Das genehmigte Aktienkapital der Gesellschaft beträgt US $ 1.300.000.000. Von den stimmrechtslosen Vorzugsaktien im Gesamtwert von US $ 650.000.000 beabsichtigt die Gesellschaft 20.000.000 Vorzugsaktien mit einem Nennwert je Aktie von US $ 10,- und einem Gesamtwert von US $ 200.000.000 öffentlich in Deutschland zum Kauf anzubieten.
Niedlich, oder? Man muss sich vergegenwärtigen, dass das Unternehmen bis dato noch keinen müden Cent Umsatz gemacht hatte. Auch existierte kein Anlagevermögen und auch die Initiatoren waren nicht wirklich mit großen Summen in ihrer Milliarden-AG investiert. Kein Wunder, um eine amerikanische Inc. zu gründen braucht man ja auch gar nicht so viel. Nur muss man sich dann nicht wundern, wenn man nur wegen großer Pläne keine wertlosen Papiere für sage und schreibe zweihundert Millionen Euro an den Mann oder die Frau bekommt. Im Ernst: Dies wäre schon bei zweihundert Millionen türkischer Lire vor der Währungsreform schwierig geworden. Übrigens ist das ein Grund, warum die ganzen “neuen” Gesellschaftsformen wie Inc. oder Ltd. mit Argusaugen betrachtet werden. Doch weiter im Text. Dort heißt es:
Die BLABLA Inc. stellt als Holding ihren Unternehmen alle erforderlichen Finanzmittel für die Unternehmensentwicklung und -sicherung zur Verfügung. Durch die fortlaufende Schaffung und Sicherung vielfältiger Synergieeffekte dient sie jedem einzelnen Unternehmen, der gesamten Gruppe und den Interessen ihrer Aktionäre. Die BLABLA Inc. wird weitere Unternehmen gründen und übernehmen oder sich an Unternehmen beteiligen, wie dies der vorteilhaften Entwicklung des Unternehmens und den Interessen ihrer Aktionäre dienlich ist.
Bravo! Eine tautologische Glanzleistung! Ebenso hätte man auch schreiben können: “Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt so wie es ist!” Viel größer ist die Aussagekraft des obigen Absatzes auch nicht, oder? Zu deutsch: Sollten wir jemanden finden, der die besagten 200 Mio € in “Nichts” investiert, dann finden wir auch einen Weg, dieses Geld zu verbraten! Na denn herzlichen Glückwunsch!
Süß ist auch der Satz mit den Synergieeffekten: Worin bestehen diese denn? Na ja, egal, ist ein Modewort, das muss einfach in einen Business-Plan, oder? Ach ja, ein erfahrenes Management-Team, das bereits einmal in Konzern-Strukturen gearbeitet hätte gab es übrigens nicht. Zudem fragt sich, wo denn zwischen noch gar nicht existenten Geschäftsbereichen Synergie-Effekte bestehen könnten.
Toll auch die Passage mit den Tochterunternehmen, Übernahmen und Beteiligungen. Lassen wir uns das einmal auf der Zunge zergehen: Da hat man noch kein Produkt, kein Anlagevermögen, eigentlich gar nichts außer einer Briefkastenfirma. Nun braucht man nur noch ein paar gutgläubige Menschen, die mal eben 200 Mio € investieren und dann kann man schon an Gründungen und Übernahmen denken. Aua!
Gestatten Sie uns noch ein Schlusswort: Seien Sie vorsichtig, wenn man Ihnen in einer Gründungssituation unbedingt die Gründung einer Inc. oder Ltd. aufschwatzen will. Dies kann Sinn machen, muss aber nicht. Schon gar keinen Sinn macht es, wenn es auf Teufel komm raus und möglichst schnell passieren soll. Dann steckt i.d.R. die Drückerkolonne eines Strukturvertriebs dahinter. Im ungünstigsten Falle ist Ihr Geld sogar weg. Aber die schnellen Firmengründer sind ein anderes Thema.
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Business Devils - Ein Erfahrungsbericht
27.2.2008 von Jörg Haupt.
Es gibt nicht nur Business Angels. Getreu dem Motto “wenn ich bei Ihnen investiere sind Sie irgendwann Ihr Unternehmen los” gibt es auch das genaue Gegenteil, treffend als Business Devil bezeichnet. Leider lassen sich Kunden immer nur so weit schützen, wie diese den Schutz auch zulassen. Oder anders ausgedrückt: Wer einen Berater engagiert, der sollte sich auch beraten lassen.
Business Angels - und daher ist der Begriff auch abgeleitet - verfügen über zwei Flügel: Einen Kapitalflügel, das bedeutet, er hat Interesse, sich in einem Unternehmen im Rahmen eines Investments zu engagieren. Der zweite Flügel ist der Know-How-Flügel. Dieser hat folgende Merkmale:
Der Business Angel zeigt die Bereitschaft, sich selbst persönlich zu engagieren. Er verfügt über Führungserfahrungen und Management-Know-How sowohl beim Aufbau als auch bei der Weiterentwicklung von Unternehmen. Im Idealfall bringt ein Business Angel sogar eigene Gründungserfahrungen ein. Weiter hat er ein konzeptionelles Denken, besitzt branchenbezogene Erfahrungen, Kontakte zu wichtigen Unternehmen und Personen, funktionelles Know-How (Technologie, Marketing, Vertrieb usw.) und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit jungen Unternehmensgründern.
Sicher, wir wissen, dass wir damit ein Idealbild zeichnen. Die meisten der oben beschriebenen Eigenschaften sollten aber erkennbar sein. An dieser Stelle sei auch einmal ein Hinweis an potentielle Interessenten für ein Business Angels Investment erlaubt: Keinesfalls sollten Sie einen Business Angel lediglich als reinen Investor sehen. Im Gegenteil - nutzen Sie die Chancen, die der zweite Flügel bietet!
Davon zu unterscheiden sind Business Devils. Business Devils geben vor, Business Angels zu sein. Sie geben vor, über zwei starke Flügel zu verfügen. Doch leider sieht die Realität etwas anders aus. Leider kann man nämlich anderen Menschen nur vor den Kopf gucken und niemand trägt das Attribut “Business Devil” groß und breit auf einem Schild vor sich her. Woran kann man also festmachen, dass man es mit einem Business Devil zu tun hat?
Nun, wichtig ist zum einen, dass Sie, liebe Leser im Falle des Falles einmal den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn Sie nämlich das Gefühl haben, Sie würden in der einen oder anderen Art über den Tisch gezogen, dann sollten Sie Stärke zeigen und nicht den Verlockungen des Kapitals erliegen. Hören Sie also durchaus auch einmal auf Ihr Bauchgefühl und - sofern Sie welche engagiert haben, wozu wir raten - auf Ihre Berater. Wichtig ist auch: Sollte der potentielle Business Angel Ihnen seine Berater aufdrängen, so können Sie in der Regel davon ausgehen, dass es sich um einen Business Devil handelt. Denken Sie immer daran, dass die Berater der anderen Partei nicht Ihre Interessen vertreten sondern die Interessen derjenigen, die die Rechnung bezahlen.
Wir haben einmal einen solchen Fall erlebt. Das Pikante dabei: Irgendwie hat der Business Devil es geschafft, den betreffenden Firmeninhabern quasi über Nacht eine regelrechte Gehirnwäsche zu verpassen. Die betreffenden Inhaber waren danach nicht mehr ansprechbar und auch nicht für sachliche Argumente zugänglich. Immerhin, die beiden steuern nun geradewegs in ihr Verderben und fühlen sich noch gut dabei. Auch das muss man erst mal hinbekommen.
Der Kunde, ein Unternehmen, das über eine zukunftsweisende Technologie im E-Commerce-Bereich verfügte, hatte uns engagiert, die Akquisition von Beteiligungskapital zu begleiten. Wir erstellten zunächst eine Summary, die die Aktivitäten und strategischen Optionen des Unternehmens beschrieb. Diese wurde in mehreren Präsentationsrunden vorgestellt.
Eine Anekdote am Rande: Der beschriebene Fall war die schnellste Kapitalakquise, die wir je erlebt haben. Denn bereits nach zwei Wochen (!) war ein potentieller Investor ausgemacht, der sich das Unternehmen ausgiebig anschaute. Und dann, ganz plötzlich, ohne auch nur einen der eingeschalteten Berater zu konsultieren, sickerte eher durch als dass man benachrichtigt wurde, dass der werte Herr sich am Unternehmen beteiligt hätte und auch seine Arbeitskraft von nun an einbringen würde.
Ja, soweit hört sich das ja ganz positv an, oder? Die Sache hatte jedoch einen Haken: Gesucht wurde nämlich eine Beteiligung in Höhe von 200.000 €. Unser lieber Business Devil beteiligte sich jedoch lediglich mit 20.000 €. Gleichzeitig verpasste er den Firmeninhabern eine regelrechte Gehirnwäsche und installierte seine eigenen Berater. Langjährige Geschäftspartner des Unternehmens wurden grob verprellt und viele Lieferanten (so auch wir) mussten juristischen Beistand suchen, um an ihr Geld zu kommen.
Wir haben unser Geld übrigens bekommen, wenn auch mit Verspätung. Andere waren nicht so glücklich dran: Denn seitens der Geschäftsführung wurden nun sogar einige Prozesse angestrengt, auch wenn diese gar nicht gewonnen werden können, das Unternehmen mithin gutes Geld kosten werden. Wo also liegt der tiefere Sinn der Aktion?
Nun, selbstverständlich gibt es diesbezüglich einschlägige Erfahrungen. Der Business Devil gibt in einem solchen Fall relativ wenig Geld für einen geringen Gesellschaftsanteil (wir erinnern uns: 20.000 € statt 200.000 €). Grundsätzlich scheinen die Konditionen also sogar ganz in Ordnung zu sein. Das Problem ist nur: Er mischt sich von nun an sehr stark in alle Belange des Unternehmens ein. In der Regel wird er sich vertraglich zusichern lassen, dass gegen seinen Willen keine neuen Gesellschafter aufgenommen werden können. In unserem Falle riss er die gesamte Geschäftsführung an sich, installierte seine eigenen Berater und verprellte alte Geschäftspartner.
Das klingt irgendwie alles nach feindlicher Übernahme, finden Sie nicht? Nun, das ist in der Regel auch der tiefere Sinn solcher Aktionen. Ist das Kapital aufgebraucht, schlägt der Business Devil nämlich zu: Er ist bereit, neues Kapital zu geben, allerdings nur gegen hohe Geschäftsanteile. Die Gesellschafter bzw. Unternehmensgründer müssen zähneknirschend akzeptieren, weil ansonsten Insolvenz droht. Meist werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. In unserem speziellen Fall tippen wir auf Programmierer im ehemals eigenen Unternehmen.
Nun werden Sie sich vielleicht fragen, ob wir das nicht hätten verhindern können. Ja, schon, nur setzt das natürlich voraus, dass man sich zum einen auch durch uns beraten lässt. Wichtig ist auch in dem Zusammenhang: Wenn man sich weigert, unsere Rechnungen zu bezahlen, stellt sich unsererseits plötzlich ein schier unglaubliches Desinteresse am Fortgang eines Projektes ein. Nun ja, wie gesagt: Unsere Business-Experten hier verlieren gerade ihr Unternehmen und fühlen sich noch gut dabei.
Übrigens gibt es auch noch andere Szenarien:
- Der Business Devil verlangt bereits in der ersten Finanzierungsrunde derart hohe Anteile an der Gesellschaft, dass keine Luft mehr für weitere Finanzierungsrunden bleibt. Das Ergebnis ist ähnlich wie im oben beschriebenen Fall: In weiteren Finanzierungsrunden werden die Gründer zu unbedeutenden Minderheitsgesellschaftern degradiert. Damit verlieren Sie nicht nur den Einfluss, sondern partizipieren unterdurchschnittlich am Erfolg, dessen Grundstein sie einmal gelegt haben.
- Manche Berater bieten ihre gesamte Kompetenz gegen Anteile an. Vielfach versprechen sie eine weitreichende Management-Unterstützung, in Wirklichkeit werden sie jedoch eher schlechte Arbeit leisten oder Standard-Formulare aushändigen. Erst kürzlich haben wir eine Gründerin kennen gelernt, die zuvor an einen “Berater” geraten war, der für die Erstellung eines Business-Plans und die anschließende Kapitalakquise 30% der Anteile verlangt hatte. Kurios, die Gründerin hatte den werten Herren sogar engagiert. Einen richtigen Business-Plan hatte sie dafür nicht erhalten und auch seine “Investorenkontakte” waren eher durch das Abarbeiten einschlägiger Internet-Portale gekennzeichnet. Gleichzeitig sollte die Gründerin im Falle einer Kündigung des Vertrages (sozusagen als Strafgeld und Ersatz für die entgangenen 30%) 22.000 € zahlen. Nicht schlecht, oder?
Insgesamt lassen sich Business Devils durch folgende Punkte erkennen, wobei auch hier gilt, dass diese mehr oder minder ausgeprägt sein können:
- Sie verfügen über wenig Know-How (Wie gesagt, nicht alle Punkte müssen zutreffen. Im oben beschriebenen Fall verfügte der Business Devil über ein ausgeprägtes Know-How, das er jedoch gezielt gegen die Gründer einsetzte).
- Sie haben kaum Zeit. Auch das war in dem oben beschriebenen Fall anders. Der Business Devil hat das Unternehmen sehr genau analysiert. Dafür treffen die nun folgenden beiden Punkte zu 100% zu.
- Business Devils suchen eine neue Geschäftsführerposition oder neues Kundenpotential für ihr eigenes Geschäft (Raten Sie doch mal, wer im oben beschriebenen Fall nun Geschäftsführer ist).
- Business Devils suchen den Zugang zu Technologien und Patenten, die sie anderweitig vermarkten wollen (in unserem Fall hat er einfach das Unternehmen geschluckt).
- Sie bieten nur dürftige Beratung und verlangen dafür Anteile (wir erinnern uns an die Gründerin und ihren 30% Berater: 30% der Anteile und nur 30% Know-How).
- Business Devils verlangen für das bereitgestellte Kapital Sicherheiten in Form von Immobilien oder Bürgschaften. Auch solch einen lustigen Zeitgenossen haben wir schon kennen gelernt. In diesem Fall hat der Kunde sich nicht gegen seine Berater gewehrt. Im Gegenteil, ihm war der Business Devil selber suspekt. Dieser Vertreter war übrigens auch einer derjenigen, die keine Zeit hatten. Überdies war er sehr unhöflich und telefonierte permanent mit seinem Handy - wahrscheinlich ließ er sich anrufen, damit man ihn für wichtig hält.
Ach ja, die oben genannte Gründerin (genau, die mit den 30% respektive 22.000 €) sucht nun einen Business Angel, der ihr “kostenlos”, aber gegen Anteile den Business-Plan optimiert. Gleichzeitig rennt sie einem angeblichen Investoren-Kontakt hinterher, der mit großen und berühmten Namen nur so um sich schmeißt. Na ja, manche lernen es halt nie.
Unser Tipp: Die werte Dame trifft mit einiger Wahrscheinlichkeit früher oder später auf ihren Business Devil. Von der - übrigens gar nicht mal so schlechten - Geschäftsidee wird sie dann nicht mehr viel haben. Wenn sie Glück hat, bleibt ein Almosen übrig. Vielleicht trifft sie auch auf hoch seriöse Anbieter ganz toller Finanzierungs-Instrumente: Es soll da ganz geheime Programme der amerikanischen Notenbank geben, so genannte High Yield Investment Programs. Vielleicht lernt sie auch einen jüdischen Multimillionär, vorzugsweise Diamantenhändler kennen, der sie zur Durchführung eines Rip-Deals nach Mailand einlädt.
Wie auch immer, niemand soll sagen, wir hätten ihn nicht gewarnt. Wozu haben wir schließlich diese Rubrik hier?
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Die Geschäftsidee
27.2.2008 von Jörg Haupt.
Ist die Geschäftsidee erst einmal gereift, brennt man bekanntlich, sie in die Tat umzusetzen. Nun muss jedoch erst gesät werden, was irgendwann geerntet werden kann. In der Praxis bedeutet das in der Regel: Es muss eine Finanzierung für das Vorhaben gefunden werden. Und das ist der erste Schritt in Richtung Business-Plan.
Zunächst einmal sollten Sie Ihre Geschäftsidee auf ihre Erfolgsaussichten überprüfen. Denn nicht alles, was zunächst nach einer guten Idee aussieht, hat in der Praxis auch Aussicht auf Erfolg. Seien Sie also erhrlich zu sich selbst! Ist Ihr Vorhaben überhaupt realistisch?
Dazu möchten wir Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die wir so selbst erlebt haben:
Bei uns meldete sich eine Gründerin, die ein Geschäft für frische Kräuter eröffnen wollte. Auf unsere Nachfrage, wie sie auf diese Geschäftsidee komme sagte sie, dass sie gerne koche und dazu eben auch gerne frische Kräuter verwenden würde. Aber Hand auf’s Herz: Gibt es dafür einen Markt? Spielen wir das einmal durch: Die Gastronomie kauft im Großhandel, immer mehr Haushalte greifen auf die sogenannten Convenience-Produkte zurück - wie viele Kunden bleiben da wohl noch? Und was werden diewohl für einen Strauß Petersilie bezahlen?
Andererseits könnte es natürlich durchaus sein, dass ein spezieller Shop an einem angesagten Standort der Renner wäre. Dann vielleicht noch ein professioneller Web-Shop dazu - Sie sehen, es ist nicht immer ganz einfach, hier eine verbindliche Antwort zu geben.
Fragen Sie sich also selber einmal: Würde ich mich so verhalten, wie ich es von meinen Kunden annehme? Oder würde ich mein Produkt oder meine Dienstleistung meiner Frau, meinen Eltern, meinen Freunden usw. empfehlen?
Gut, zugegeben: Manche Geschäftsideen sind schon etwas komplizierter. Aber die Mehrzahl der Gründungen ist doch eher klassisch und nicht unbedingt Biotech, oder? Wenn Sie also die oben gestellte Frage, ob Sie Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung auch Verwandten und Bekannten empfehlen würde mit “ja” beantworten konnten, dann sollten Sie frisch ans Werk gehen. Bei komplexen Gründungen gilt: Bitte verzichten Sie nicht auf detaillierte Marktstudien. Im Wesentlichen können Sie aber das folgende Prüfungsschema anlegen.

Zur Absicherung sollten Sie in der Prüfungsphase externen Rat einholen. Dabei sollten Sie bedenken, dass Warnungen nicht immer nur als Miesmacherei zu verstehen sind. Vielmehr sind es Aufforderungen, nach brauchbaren Lösungen zu suchen, denn es ist immer besser, eine Lösung für ein nicht auftretendes Problem zu haben als eine fehlende Lösung für ein akutes Problem.
Also: Reden Sie mit Ihren Eltern, Ihren Freunden, Ihrem Partner. Fragen Sie sich, was Sie besser machen können als der Wettbewerb (den es bei fast jedem Gründungsvorhaben bereits gibt). Fragen Sie sich, wer überhaupt Ihre Wettbewerber sind und welche davon für Sie relevant sind. Ein Handwerksbetrieb aus Hamburg wird einem Handwerksbetrieb in München eher nicht in die Quere kommen - bei Biotech- oder IT-Unternehmen oder auch bei einer Reederei kann die Sache bereits völlig anders aussehen. Wichtig auch: Überlegen Sie im Vorfeld, wer Ihre Kunden sind.
Grundsätzlich gilt: Je komplexer Ihr Vorhaben ist, desto eher sollten Sie einen Unternehmensberater konsultieren. In jedem Fall sollten Sie Ihre Vision einmal mit einem Steuerberater diskutieren. Achten Sie darauf, dass der Berater keine Standardlösungen “abspult”. Denn jedes Unternehmen und jedes Gründungsvorhaben ist individuell zu getrachten. Das Letzte, was Sie brauchen können ist ein Fachvortrag oder ein Lehrbuch. Achten Sie darauf, dass der Berater sich verständlich ausdrückt. Fachchinesisch mag zwar kompetent klingen, hilft Ihnen aber nicht weiter, wenn Sie den Inhalt nicht verstehen. Oft verbirgt sich dahinter lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Und: Das erste Gespräch mit einem seriösen Berater ist in der Regel kostenlos.
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